"Cheirodon"
Die folgenden Arten wurden in der Gattung Cheirodon beschrieben, sind aber keine Cheirodontinae oder werden von Malabarba (1998) nicht erwähnt, so daß ihre Zuordnung unsicher bleibt.
Nach Malabarba (1998, S. 205) ist diese Art kein Angehöriger der Unterfamilie Cheirodontinae. Möglicherweise handelt es sich vielmehr um ein älteres Synonym zu Hyphessobrycon arianae. Ausserdem soll es sich bei allen Angaben aus Uj (1987) um falsch identifizierte Tiere handeln.
Laut Neodat II im oberen Rio Paraná in Brasilien, besonders in den Rios Grande und Tiete verbreitet. Wie weit die Art im Paraná abwärts vorkommt, ist nicht ganz klar. H. arianae wurde aus einem Nebenfluss des Rio Monday, der ein Zufluss des Paraná ist, im östlichen Paraguay beschrieben. Von dort stammen auch Nachweise von "Ch." stenodon in Neodat II. Ausserdem sind dort Lots gelistet, die aus dem zentralen Paraguay im Einzug des Rio Paraguay stammen. Das grösste dieser zuletzt genannten Tiere hat eine SL von 31 mm, der grösste Paratypus eine von ca. 26 mm SL.
Diese und die folgende Form – wenn sie denn verschieden sind – könnten wohl echte Vertreter der Cheirodontinae sein, eventuell nahe verwandt oder zugehörig zu Serrapinnus, jedenfalls nach den wenigen Angaben in der Erstbeschreibung. Da sie aber von Malabarba (1998) nicht genannt werden, liste ich sie vorsichtshalber hier. Eine Untersuchung des Typenmaterials könnte sicher leicht Aufklärung schaffen.
Ch. gracilis erreicht 23,5 mm SL und stammt aus den küstenferneren Abschnitten von Mana und Maroni in Französisch Guiana. Die Tiere sind sehr schlank und ähneln im Leben so sehr jungen Hemigrammus guyanensis, in deren Schwärmen sie sich aufhalten, dass die Typusexemplare bei den Aufsammlungen vor Ort nicht als Vertreter einer anderen Gattung und Art erkannt wurden und später von Géry mühsam und einzeln aussortiert werden mussten. Die konservierten Tiere weisen keine Zeichnung ausser einem rautenförmigen Schwanzwurzelfleck auf, wie er für die meisten Cheirodontinae typisch ist.
Nach Angaben von Géry laichen die Cheirodontinae und die Tetras in Franz. Guiana wohl zu Beginn der Regenzeit von Juni bis August. Im Oktober sind adulte Tiere selten, im April vorherrschend. Die Lebensräume der beiden "Cheirodon"-Formen sind kleine bis kleinste Bäche, die sogenannten "Criques", wo sie in gemischten Schwärmen mit anderen kleinen Tetras auftreten. Bei"Cheirodon" gracilis sind dies, wie oben erwähnt, vor allem Hemigrammus guyanensis, bei "Ch." littoris dagegen Hemigrammus rodwayi und Hyphessobrycon cf. minimus.
Cheirodon gracilis littoris Géry, 1960
Auch diese Form – als Unterart beschrieben - stammt aus Französich Guiana, allerdings aus den küstennahen Regionen am Unterlauf des Comté. Ausser der noch etwas gestreckteren Gestalt, der kürzeren Seitenlinie und den etwas zahlreicheren vorgeschobenen ventralen Caudalstrahlen ("Interhämalia") gibt es keine nennenswerten Unterschiede zur vorangegangenen Form. Alle von Géry (1960) untersuchten Tiere waren jedoch noch Jungtiere und erreichten maximal 18 mm SL. Bei dem hier vertretenen Artkonzept und angesichts der Tatsache, dass die Form anscheinend nur von den Typen bekannt ist, liste ich sie dennoch vorläufig getrennt auf. Die Fischfauna der küstenferneren Gebiete Franz. Guianas unterscheidet sich zudem offenbar von der der küstennahen Gebiete, mit nur wenigen Arten, die in beiden Gebieten vorkommen. Im übrigen siehe oben bei "Ch." gracilis.
Eine Art, über die seit der Erstbeschreibung nur sehr wenig bekannt geworden ist. Da sie kein "echtes" Pseudotympanum besitzt (Géry, 1964), handelt es sich aber auf keinen Fall um einen Cheirodontinen. Auf dem Foto in der Erstbeschreibung sind ein etwa karoförmiger schwarzer Fleck auf der Schwanzwurzel, eine dünne schwarze Linie entlang der Mittellinie (Seitenlinie nur sehr kurz) und eine ebensolche Linie entlang der Basis der Afterflosse zu sehen. Bis knapp 18 mm SL und damit eine "miniature species". Géry (l.c.) vermutete allerdings bereits damals, es könne sich womöglich um Jungtiere handeln.
Anscheinend bis heute nur von den vier Typen bekannt. Diese stammen aus einem kleinen Bach nahe der Zapote Cocha am unteren Rio Pacaya, im Gebiet des unteren Ucayali in Peru. Es fehlen jegliche Nachweise in Neodat II.
Nach Malabarba & Weitzman (2000, S. 278) gehört diese Art nicht zu den Cheirodontinae, unter anderem, weil ihr das typische Pseudotympanum fehlt. Allerdings handelt es sich um eine Art mit innerer Besamung! Und wie bei vielen Vertretern der Cheirodontinae, die ja teilweise auch eine innere Besamung aufweisen, so tritt auch bei dieser Art ein auffälliger Geschlechtsdimorphismus auf. Die Männchen weisen morphologische Spezialisierungen auf, die vermutlich in irgendeinem Zusammenhang mit dieser besonderen Fortpflanzungsweise stehen und von keiner anderen Salmlerart bekannt sind. So besitzen sie schüsselförmige Bauchflossen, zwischen deren Basen sich ein Stück vermutlich drüsiges Gewebe befindet. Die inneren Teile der Bauchflossen bilden eine Röhre, die bis zur Afteröffnung reicht. Außerdem besitzen sie seltsame seitliche Schwellungen an der Basis der Adipose und an der Unterseite des Schwanzstiels. Auch die Färbung ist von keinem Vertreter der Gattung Cheirodon bekannt. Die kräftige schwarze Längsbinde und die kurze, schräg verlaufende schwarze Binde oberhalb der Basis der Anale, die entfernt an Heterocharax virgulatus erinnert, machen "Ch." ortegai unverwechselbar.
"Ch." ortegai erreicht SL bis 34 mm und stammt aus dem Einzug des Rio Ucayali, und zwar aus der Nähe der Mündung des Rio Pachitea bei der Stadt Masisea (Peru), nicht allzu weit von Pucallpa entfernt, wo sie u.a. in Waldteichen lebt, die mit dem Strom in Verbindung stehen. Die Lebendeinfuhr wäre äusserst wünschenswert, um das Fortpflanzungsverhalten dieser bizarren Art beobachten zu können!
Cheirodon jaguaribensis und Ch. macropterus wurden von Géry (1977) als mögliche Synonyme von Ch. (jetzt Serrapinnus) piaba angesehen, aber von Malabarba (1998) nicht in der Synonymie von Serrapinnus aufgelistet. Beide wurden aus dem Rio Jaguaribe bei Russas (Ceara) beschrieben. Auch Neodat II listet lediglich die Typen, von denen der grösste eine TL von 37 mm erreicht. Zu den Merkmalen ist nichts bekannt.