Spintherobolus    Eigenmann, 1911

 

Dieser Gattungsname wurde früher aufgrund einer Fehlbeurteilung durch Norman als jüngeres Synonym zu Phoxinopsis angesehen. Phoxinopsis ist jedoch ein jüngeres Synonym zu Aphyocharax (Malabarba, 1998).

Den Spintherobolus-Arten fehlt durchgängig die Fettflosse. Daneben sind sie durch eine Reihe weiterer Merkmale eindeutig gekennzeichnet (Weitzman & Malabarba, 1999). So fehlt ihnen beispielsweise weitgehend das System der Sinneskanäle am Kopf, das ein Teil des Seitenlinienorgans darstellt, und sie besitzen stattdessen freiliegende Neuromasten (das sind Gruppen von Sinneszellen, wie sie auch in der Seitenlinie vorkommen, aber eben nicht in Kanälen unter der Haut verborgen, sondern mehr oder weniger frei liegend). Im Unterkiefer besitzen sie ein Knochenfenster, in das eine papillöse Struktur eingebettet ist, die von Weitzman & Malabarba (1999) als mögliches Sinnesorgan angesehen wird. Sehr bemerkenswert ist auch der Besitz eines zweiten Pseudotympanums, vor dem eigentlichen, das auch bei allen anderen Cheirodontinae vorhanden ist.

Die erste Art, S. papilliferus unterscheidet sich von den folgenden drei Arten sowohl in Erscheinungsbild und Grösse (bis 61 mm SL) als auch in der Verbreitung (oberer Rio Tiete). Die anderen Arten sind im Gegensatz dazu winzige Fische, die nicht mehr als 28 mm SL erreichen und auf Gewässer der Küstenebene unterhalb von 100 m Höhe über Meer zwischen Rio de Janeiro und Sao Paulo beschränkt sind. Unterhalb der Augen befindet sich bei diesen drei Arten ein schwarzer Fleck und ein schwarzer Streifen zieht sich von dem Bereich oberhalb des Ansatzes der Afterflosse bis auf deren hintersten Abschnitt.

 

 

papilliferus    Eigenmann, 1911

 

Alle bekannten Exemplare dieser Art stammen aus den obersten Abschnitten des Rio Tiete und seiner Quellflüsse in unmittelbarer Nähe der 16-Millionen-Metropole Sao Paulo, in über 700 m Höhe. Einige der Fundorte liegen heute bereits im Stadtgebiet von Sao Paulo und dürften dieser Art aufgrund von Verschmutzung und Lebensraumzerstörung keine Existenzmöglichkeit mehr bieten. Zuletzt im Jahre 1980 gesammelt ist die Art vielleicht schon ausgestorben! Nach Malabarba & Weitzman (1999) könnte sie noch in der Serra de Paranapiacaba, westlich von Sao Paulo, überleben, wo es auch ein Schutzgebiet gibt, doch gegenwärtig muss S. papilliferus als verschollen gelten. Das Aussterben dieser bemerkenswerten Art wäre ein besonders grosser Verlust, da sie sich durch ihr imposantes Erscheinungsbild und ihre Grösse deutlich von allen anderen Cheirodontinae abhebt!

SL bis ca. 61 mm und damit neben den grösseren Cheirodon-Arten der grösste Vertreter der Unterfamilie. Männchen werden offenbar erst bei 35 mm SL geschlechtsreif. Die Art wirkt ausgewachsen sehr bullig. Dazu tragen ein leichter Buckel hinter dem Nacken, ziemlich kleine Augen (Durchmesser kleiner als Schnauzenlänge) und eine sehr kurze Afterflosse bei. Die Grundfärbung konservierter Tiere ist ein helles bis mittleres Braun, besondere Zeichnungsmuster sind nicht erkennbar und die Lebendfärbung ist völlig unbekannt. Der einzige, mit blossem Auge erkennbare Unterschied der Geschlechter sind die etwas längeren Bauchflossen der Männchen.

 

 

broccae    Myers, 1925

 

Diese Art wurde früher als Phoxinopsis typicus bezeichnet und S. broccae als jüngeres Synonym angesehen (sh. oben). Sie wurde aus der unmittelbaren Umgebung von Rio de Janeiro beschrieben. Fundorte liegen in der Küstenebene rund um Rio de Janeiro, vom Rio Macaé im Osten bis ca. 50 km westlich von Rio. Ein zweites Vorkommen existiert offenbar in der Nähe von Sao Paulo, aber nicht in den westlich fliessenden Flüssen der höheren Lagen (wie bei S. papilliferus), sondern in küstennahen Bächen rund um die Stadt Santos (Weitzman & Malabarba, 1999). Der Lebensraum sind Sümpfe oder langsam fliessende Flüsse mit Schwarzwasser, das aber nicht verschmutzt sein darf.

Die Art erreicht bis 26 mm SL und wird mit 17,6 mm geschlechtsreif (Weitzman & Vari, 1988). Die Färbung ist recht ansprechend (kombiniert nach Sarraf, 1997 und Weitzman & Malabarba, l.c.): Der Körper ist durchscheinend. Eine schwache, dunkelbraune bis schwarze Längsbinde von der Schulterregion bis zur Schwanzflosse, wo sie kräftiger ausfällt und sich als keilförmiger Fleck bis auf die Flossenstrahlen erstreckt. Ober- und unterhalb davon auf dem Schwanzstiel je ein elliptischer orange-gelber oder gelblich-weisser Fleck. Ferner der bereits oben erwähnte schwarze Längsstreif an der Basis der Anale. Am Bauch ein metallisch grün-blauer Streifen (Bauch nach  Weitzman & Malabarba [l.c.] bläulich-weiss). Ein schwacher metallisch-blauer Fleck auf dem oberen Kiemendeckel, der oben genannte schwarze Fleck unter dem Auge, ein schwarzer Oberkiefer und ein weisser Unterkiefer bilden ein kontrastreiches Muster am Kopf. Die Flossen schliesslich sind schwach orange getönt. Die Weibchen besitzen zugespitzte Afterflossen, während sie bei den Männchen gerundet sind.

Die Art ähnelt angeblich – zumindest auf den ersten Blick – sehr Coptobrycon bilineatus, wie Myers bereits in der Erstbeschreibung notierte.

 

 

ankoseion    Weitzman & Malabarba, 1999

 

Offenbar nur auf ein sehr kleines Gebiet zwischen den Städten Paranaguá (Paraná) und Joinville (Santa Catarina) beschränkt, wo sie in kleinen Schwarzwasserflüssen des küstennahen Flachlandes lebt.

Bis 28 mm SL. Weibchen werden offenbar etwas grösser. Die Färbung ähnelt sehr der von S. broccae. Die Grundfarbe ist auch hier ein durchscheinendes Grau. Zusätzlich zu der oben bereits erwähnten Analbinde erstreckt sich eine schwarze Längsbinde von den Kiemen bis zur Schwanzflosse, wo sie keilförmig ausläuft. An ihrem hinteren Ende befindet sich je ein leuchtend weisser Fleck ober- und unterhalb der Binde, der sich ins blass-orangene übergehend bis auf die Schwanzflosse erstreckt. Der Bauch ist bläulich-weiss. Die Oberseite von Kopf und Schnauze ist dunkelbraun bis schwarz. Hinter dem Auge ein weisser Bereich, unter dem Auge der oben erwähnte schwarze Fleck. (Nach der Beschreibung in Weitzman & Malabarba, 1999. Siehe auch das Foto eines lebenden Männchens dort.) Auch hier besitzen die Männchen gerundete Afterflossen, während sie bei den Weibchen zugespitzt sind. Unnötig zu sagen, dass dies ein ausserordentlich attraktiver Aquarienfisch wäre!

 

 

leptoura    Weitzman & Malabarba, 1999

 

Bisher nur aus einem kleinen Gebiet im Süden des Staates Sao Paulo bei den Städten Registro und Iguape bekannt.

Bis 27 mm SL. Schlanker als die anderen Arten. Lebendfärbung unbekannt, aber wahrscheinlich sehr ähnlich der von S. ankoseion und S. broccae.