Beschreibung des Fischkörpers

Begriffe aus der Systematik

Begriffe aus der Nomenklatur

Namensänderungen

 

 

Beschreibung des Fischkörpers

 

SL: Standardlänge. Wird gemessen von der Schnauzenspitze bis zum Hinterrand des knöchernen Teils der Schwanzflosse. Dieser kann im Gegenlicht meist gut erkannt werden und fällt i.d.R. mit dem Hinterrand des fleischigen Teils der Schwanzflosse zusammen.


TL
: Totallänge. Wird gemessen von der Schnauzenspitze bis zur Spitze des längsten Schwanzflossenstrahls. Bei Fischen mit „durchschnittlicher Fischgestalt“ entspricht die TL etwa der SL zzgl. 25 %, bei sehr langgestreckten Fischen ist die Schwanzflosse meist prozentual kleiner, bei manchen Fischen auch grösser.


Dorsale
: Rückenflosse.


Ventrale
: Bauchflosse.


Pectorale
: Brustflosse.


Anale
: Afterflosse.


Adipose
: Fettflosse.


Caudale
: Schwanzflosse.


Begriffe aus der Systematik

 

Monophylum, monophyletisch: Begriff aus der Systematik. Eine Gruppe von Arten bildet ein Monophylum, wenn sie einen nur ihnen gemeinsamen Vorfahren besitzt. Der Begriff M. wird sehr oft falsch erklärt. Die Existenz eines gemeinsamen Vorfahren allein ist nicht ausschlaggebend. Auch der Mensch und der Neonsalmler besitzen einen gemeinsamen Vorfahren, bilden aber allein kein Monophylum. Der letzte gemeinsame Vorfahr von Mensch und Neonsalmler war nämlich zugleich Vorfahre aller anderen Wirbeltiere mit verknöchertem Körperskelett und Schwimmblasen bzw. Lungen, also aller Knochenfische und Landwirbeltiere und nicht nur Vorfahre von Mensch und Neonsalmler.


Systematik
: Die Lehre von den Verwandtschaftsverhältnissen der Tier- (und Pflanzen-) arten untereinander. Das Ziel der Systematiker ist es, Stammbäume zu erstellen, die den vermutlichen Verlauf der Evolution wiedergeben und die Artaufspaltungen in der zeitlichen Reihenfolge sichtbar machen. Die Äste und Zweige eines solchen Stammbaums stellen zwangsläufig Monophyla dar, die dann benannt werden können.


Klassifizierung
: Der Versuch, die Vielfalt der Lebensformen in ein hierarchisches System von Kategorien zu fassen. Die gebräuchlichsten Kategorien sind Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art. Dieses Klassifizierungsschema geht auf Carl v. Linné zurück und bedarf zur Anwendung nicht der Kenntnis der Evolution. Daher gibt es auch keine objektiven Kriterien dafür, was z.B. eine Familie im Gegensatz zu einer Gattung sein soll, ausser dass eine Familie ein oder mehrere Gattungen beinhaltet und nicht umgekehrt. Die Folge ist, dass z.B. die Kopfsteher mal als Familie Chilodontidae, mal als Unterfamilie Chilodontinae einer Familie Anostomidae bezeichnet werden. Der Stammbaum bzw. das Verwandtschaftsschema ist aber in beiden Fällen das selbe. Da die Zuordnung zu solchen Kategorien daher sehr willkürlich erfolgt, nehmen viele Systematiker bereits Abstand von ihrer Verwendung.


Taxonomie
: Die Wissenschaft von der Unterscheidung und Abgrenzung der Arten und Verwandschaftsgruppen (Taxa). Häufig wird auch die Benennung (Nomenklatur) der Taxa in die Definition mit einbezogen, doch stellt sie nur ein notwendiges Hilfsmittel dar und macht nicht das Wesen der Taxonomie aus. Taxonomen untersuchen, inwieweit sich Arten oder Populationen voneinander unterscheiden lassen, fertigen Bestimmungsschlüssel und Beschreibungen an, sammeln Exemplare für Museen und Forschungsinstitute. Die Arbeit der Taxonomen überschneidet sich weiträumig mit der Arbeit der Systematiker und viele Wissenschaftler sind Systematiker und Taxonomen in Personalunion.


Bestimmung
: Die Zuordnung von Einzelindividuen zu bestehenden Arten (oder höheren Taxa). Häufig wird Bestimmung mit Beschreibung verwechselt und anstelle von Typusexemplar der Begriff Bestimmungsexemplar verwendet, was nicht korrekt ist und zu Verwirrung führt. Stellt sich bei der Untersuchung eines Exemplars heraus, dass dieses zu einer wissenschaftlich unbeschriebenen Art gehört, so ist die Bestimmung damit schon beendet. Die sorgfältige, möglichst wissenschaftlichen Ansprüchen und den Vorgaben der Nomenklaturregeln genügende Erstbeschreibung ist von der Bestimmung unabhängig.


Taxon, Pl. Taxa:
Jede abgrenzbare Einheit von Organismen beliebiger Kategorien, d.h. alle Arten, Gattungen, Familien etc., sind Taxa. Nicht mit den Kategorien selbst verwechseln! „Familie“ ist kein Taxon, wohl aber „Familie Lebiasinidae“ bzw. „Lebiasinidae“, wenn die Verwendung von Kategorien abgelehnt wird.


sympatrisch
: im selben Verbreitungsgebiet lebend


allopatrisch
: in getrennten Verbreitungsgebieten lebend


parapatrisch
: in aneinander grenzenden Verbreitungsgebieten lebend. Die Areale der Arten oder Populationen können geringfügig überlappen.


PSC (phylogenetic species concept, Phylogenetisches Artkonzept)
: "Eine Art ist die kleinste diagnostizierbare Gruppe von Individuen, zwischen denen eine Abstammungsbeziehung ("parental pattern of ancestry and descent") besteht" (Cracraft, 1983, meine Übersetzung).


BSC (biological species concept, Biologisches Artkonzept)
: "Arten sind Gruppen von sich tatsächlich oder potentiell untereinander fortpflanzenden natürlichen Populationen, die von anderen solchen Gruppen reproduktiv isoliert sind" (Mayr, 1967, leicht verändert)


Begriffe aus der Nomenklatur:

 

 

Disclaimer:
Die Lektüre dieses Abschnitts ersetzt nicht das Studium des „Code“! Für alle Veröffentlichungen, in denen nomenklatorisch wirksame Entscheidungen getroffen werden, ist ausschliesslich die Originalversion des „Code“ in englischer und französischer Sprache oder eine der autorisierten Übersetzungen massgeblich! In deutscher Sprache ist eine entsprechende herausgegeben worden.

 

 

Nomenklatur: Das System der wissenschaftlichen Namen für Tiere (und Pflanzen) sowie die Regeln, nach denen diese Namen gebildet werden.


I.C.Z.N.:
Steht sowohl für „International Code on Zoological Nomenclature“, hier kurz „Code“ genannt, als auch für „International Commission of Zoological Nomenclature“, hier kurz „Kommission“ genannt.


Code:
Der „International Code of Zoological Nomenclature“ enthält die für alle Zoologen verbindlichen Regeln, nach denen wissenschaftliche Namen für Tiere gebildet werden. Diese Regeln wurden erstmalig auf dem Internationalen Zoologen-Kongress in Berlin 1901 beschlossen und im Jahre 1905 veröffentlicht. Die aktuelle 4. Auflage des Code aus dem Jahr 1999 ist am 1.Januar 2000 in Kraft getreten.


Kommission:
Die „International Commission on Zoological Nomenclature“ ist ein Gremium von Zoologen, die im wesentlichen folgende Aufgaben haben:
1. Herausgabe der Zeitschrift „Bulletin of Zoological Nomenclature“.
2. Entscheidung über Anträge, die an die Kommission gestellt werden, um im Einzelfall Bestimmungen des Code ausser Kraft zu setzen. Jeder Antrag (case) und jede Entscheidung (opinion) wird im „Bulletin“ veröffentlicht, ebenso wie die Stellungnahmen anderer Zoologen.
3. Ausarbeiten von Regeländerungen für die jeweils nächste Auflage des Code.


Syntypus: Alle
in der Erstbeschreibung genannten Exemplare, auf denen eine neu beschriebene Art oder Unterart basiert, es sei denn, der Autor hat einen Holotypus bestimmt.
Mitunter bestehen Syntypen-Serien aus mehreren Arten. In diesem Fall muss ein Lectotypus bestimmt werden, der dann allein die Art definiert. Die übrigen Syntypen werden dadurch zu Paralectotypen. Aus diesem Grunde sollte bei neu beschriebenen Arten immer von vorn herein ein Holotypus bestimmt werden.
Der Lectotypus ist von seiner Bedeutung mit dem Holotypus vergleichbar.


Holotypus:
Dasjenige einzelne Exemplar, auf dem eine neu beschriebene Art oder Unterart basiert. Liegen bei der Erstbeschreibung mehrere Exemplare vor, so muss der Autor eines ausdrücklich als Holotypus bezeichnen, anderenfalls sind alles Syntypen.


Paratypus:
Alle Exemplare einer Typenserie ausser dem Holotypus.


Lectotypus:
sh. Syntypus


Paralectotypus:
sh. Syntypus


Neotypus:
Ist zu einer Art oder Unterart kein Typusexemplar vorhanden, so kann unter besonderen Bedingungen ein Neotypus festgelegt werden, der in seiner Funktion dem Holotypus entspricht. Für die Festlegung eines Neotypus gelten allerdings strenge Auflagen.


Topotypus
: Exemplar, das an der Typuslokalität gefangen wurde. Im Sinne der Nomenklaturregeln ohne Bedeutung.


Allotypus:
Ein Exemplar der Typenserie von anderem Geschlecht als der Holo- oder Lectotypus. Im Sinne der Nomenklaturregeln ohne Bedeutung.


Typusart:
Diejenige Art, die eine Gattung definiert. Wird eine Gattung in mehrere aufgeteilt, so behält diejenige den bestehenden Namen, zu der die Typusart gehört.


Gattungstype
: Gleichbedeutend mit Typusart. Sollte wegen der Verwechslungsgefahr mit Typusgattung vermieden werden.


Typuslokalität
: Der Ort, an dem ein Holo-, Lecto- oder Neotypus gefangen wurde. Im Falle von Syntypen bilden alle Fundorte gemeinsam die Typuslokalität.


Homonym
: Werden zwei (oder mehr) Arten unter dem gleichen Namen beschrieben, ist der Name ein Homonym. Die zuletzt beschriebene Art erhält eine anderen Namen (primäre Homonymie). Das jüngere Homonym ist nicht mehr verfügbar.

Werden zwei Gattungen (d.h. mit unterschiedlichen Typusarten) unter dem gleichen Namen beschrieben, gilt dies entsprechend.

Wird eine Art in eine andere Gattung überführt, so dass infolgedessen in der neuen Gattung zwei Arten mit dem gleichen Namen vorkommen, so erhält die jüngere Art (nicht die neu überführte!) einen anderen Namen (sekundäre Homonymie).

Synonym: Wird eine Art zwei- oder mehrmals mit verschiedenen Namen beschrieben, so sind diese Namen Synonyme. Nur der älteste Name bleibt gültig.

Liegt den verschiedenen Beschreibungen das selbe Typusmaterial vor, handelt es sich um objektive Synonyme. Diese sind nicht verfügbar.

Ist die Synonymie die Folge einer Zusammenfassung von zwei oder mehr Arten zu einer (wegen nicht erkennbarer Unterschiede), so handelt es sich um subjektive Synonyme. Diese können später ggf. revalidiert werden.

Für Gattungen gilt dies entsprechend.


Gültigkeit
: Ein Name ist gültig, wenn er eine real existierendes Taxon bezeichnet. Nur verfügbare Namen können gültig sein.


Verfügbarkeit
: Ein Name ist verfügbar, wenn er den Anforderungen der Nomenklaturregeln entspricht. Nicht verfügbare Namen sind weder gültig noch ungültig sondern im Sinne der Regeln quasi nicht existent.

 

Namensänderungen:

 

Änderungen bei wissenschaftlichen Namen sind für viele Aquarianer ein grosses Ärgernis. Besonders problematisch ist, dass die Gründe für Namensänderungen für wissenschaftliche Laien (und auch für so manche studierte Biologen) nicht immer nachvollziehbar sind und die Änderungen daher oft als willkürlich empfunden werden. Dabei gibt es Änderungen, die befolgt werden müssen und solche, die befolgt werden können, wobei man in letzterem Fall dennoch seinen Standpunkt begründen sollte.

 Ich unterscheide im folgenden drei Fälle:


 

1.       Namensänderungen aufgrund von Bestimmungen des Code.

Hierzu zählen auch Änderungen aufgrund von Entscheidungen der Kommission. Diese Änderungen müssen befolgt werden!
In den meisten Fällen handelt es sich um später entdeckte ältere Synonyme oder Homonyme


2.       
Namensänderungen aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Diese Änderungen sollten befolgt werden, sofern die zugrunde liegende Hypothese akzeptiert wird. Beispiel: Mit der Endeckung, dass die Regenbogenforelle näher mit den Pazifischen Lachsen der Gattung Oncorhynchus als mit den Europäischen Forellen der Gattung Salmo verwandt ist, musste sich ihr Gattungsname ebenfalls in Oncorhynchus wandeln. Des weiteren führte die Feststellung, dass die Regenbogenforelle Salmo gairdneri Richardson 1836 und die nordostsibirische Salmo mykiss Walbaum 1792 konspezifisch sind, zu einer Änderung auch des Artnamens. Aus Salmo gairdneri wurde so Oncorhynchus mykiss.


3.       
Namensänderungen aus Gründen vermeintlich besserer Übersichtlichkeit.

Hierunter fallen Änderungen, die durch das „Splitting“ oder „Lumping“ von Gattungen entstehen, ohne dass eine neue phylogenetische Hypothese dies erfordert. Da „Gattung“ eine Kategorie ist, die nicht wissenschaftlich definiert werden kann, ist das „Splitting“ und „Lumping“ auf Gattungsebene eine ziemlich willkürliche Angelegenheit. Solche Änderungen müssen nicht befolgt werden! Man sollte allerdings aus Gründen der Universalität der mehrheitlich gebrauchten Aufteilung der Gattungen folgen.
Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenfassung der Gattungen Neolebias und Nannaethiops durch Géry & Zarske (2003). Nach der phylogenetischen Analyse von Vari (1979) sind beide Gattungen Schwestergruppen. Dieser Hypothese wird durch Géry & Zarske nicht widersprochen. Daher ist die Vereinigung beider Gattungen unter dem Namen Nannaethiops nicht notwendig und sollte zugunsten des gut bekannten Namens Neolebias unterbleiben.

Auf Artebene spielen „Splitting“ und „Lumping“ keine Rolle. Was dort so aussieht, beruht meist auf der Anwendung unterschiedlicher Artkonzepte. So werden bei Anwendung des PSC keine Unterarten anerkannt; dafür werden manche Unterarten in den Rang von Arten erhoben. In solchen Fällen aber liegen den Entscheidungen überprüfbare Hypothesen auf Basis dieser Artkonzepte zugrunde (sh. Punkt 2).


Leider ist die Unterscheidung der Fälle zwei und drei für Laien oft kaum möglich. Es mag allerdings hilfreich sein, zu wissen, dass viele Namensänderungen nicht so streng befolgt werden müssen, wie das in der Aquaristik oft geschieht.