Saccodon    Kner, 1863

Parodontops    Schultz & Miles, 1943

für Parodon ecuadoriensis

 

Die Arten der Gattung Saccodon leben im Nordwesten Südamerikas in Ecuador, Kolumbien und dem angrenzenden Panama. Mit ihren mächtig entwickelten Interorbitalplatten bieten sie einen gänzlich anderen Eindruck dar als die anderen beiden Gattungen.

 

 

dariensis    (Meek & Hildebrandt, 1913)

Parodon dariensis    Meek & Hildebrandt, 1913

Apareiodon compressus    Breder, 1925

Saccodon caucae    Schultz & Miles, 1943

Apareiodon brevipinnis    Dahl, 1971

 

S. dariensis kommt in Panama vom Bayano an ostwärts sowie in den nach Norden entwässernden Flüssen Kolumbiens bis zum Rio Magdalena vor. Die Tiere, die mit Längen bis 200 mm (SL?) die grössten aller Parodontidae sind, sollen im Leben leuchtend gelb mit schwarzem Zeichnungsmuster sein, was sie unverwechselbar machen dürfte. Die Zeichnung besteht aus drei Längsreihen langgestreckter, z.T. ineinanderlaufender Flecken auf den Flanken. Rücken-, Brust- und Bauchflossen sowie jeder einzelne Schwanzflossenlappen sind mit zwei bis drei schwarzen Diagonalbinden markiert; die Afterflosse besitzt einen schwarzen Fleck im Zentrum. Brust- und Bauchflossen sind auffallend kräftig und grossflächig, mit gerundeter Spitze. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Fische von der Strömung an den Grund pressen, um nicht abgetrieben zu werden. Fotos konservierter Tiere bei Roberts (1974a).

Roberts (1974a) berichtete über einen Fall von Zahnpolymorphismus bei dieser Art, was bis dahin einzigartig unter Fischen war (immer noch?). Es treten bei den verschiedenen Populationen insgesamt fünf unterschiedliche Zahnformen auf, davon bis zu vier in einer Population, ohne daß irgendwelche anderen Unterschiede zwischen den Fischen feststellbar wären. Vermutlich nutzen die Fische unterschiedliche Nahrungsquellen und vermeiden so innerartliche Konkurrenz, doch genauere Analysen des Ernährungsverhaltens fehlen noch. Auch ein Sexualdimorphismus ist denkbar. Weitere äussere Geschlechtsunterschiede sind jedoch bisher nicht bekannt.

Die Art wurde inzwischen lebend importiert. Arendt (2004) berichtet darüber unter dem Namen S. caucae und bildet sie mit ihrem charakteristischen Zeichnungsmuster ab. Es handelt sich um friedliche, gesellige Tiere, die keine besonderen Ansprüche an die Wasserzusammensetzung stellen. Das Wasser sollte aber - ihrem Lebensraum entsprechend - keimarm und stark bewegt sein. Wegen ihrer Grösse und ihres hohen Bewegungsdrangs kommen sie wohl nur für grösste Aquarien in Frage.

 

 

wagneri    Kner, 1863

Saccodon cranocephalum    Thominot, 1882

Parodon ecuadoriensis    Eigenmann & Henn in Eig., Henn & Wilson, 1914

 

Die zweite Art der Gattung Saccodon war nur aus Ecuador bekannt, wo sie angeblich auf den Einzug des Rio Guayas beschränkt war. Drei von R.P. Vari 1986 gefangene Exemplare im USNM (Nr. 00 280 471 bzw. 472) stammen allerdings aus dem Rio Zarumilla, einem im Unterlauf ausgetrockneten Fluss unmittelbar an der peruanisch/ecuadorianischen Grenze und aus dem Rio Tumbes (Peru). Sechs Paratypen von P. ecuadoriensis stammen ferner aus dem Rio Patia im Süden Kolumbiens. Auch bei dieser Art treten bis zu drei verschiedene Zahnformen in einer Population auf (Roberts, 1974). Mit bis zu 115 mm Länge (SL?) bleibt diese Art kleiner als die vorangegangene. Die Färbung ist nach Roberts (l.c.) sehr variabel und ändert sich mit dem Alter. Eine bei Jungtieren vorhandene dunkle Längsbinde verschwindet mit zunehmendem Alter. Details der Jugendfärbung können dem Foto von Stawikowski (1986) entnommen werden. Ältere Tiere sind einfarbig braun. Übrigens schreibt Géry (1977), dass die Schwanzflosse bei P. ecuadoriensis orange mit schwarzen Querbinden sein soll.

Stawikowski (l.c.) traf die Art in langsam fliessenden Gewässern über Schlammgrund an, wo sie in grossen Schwärmen lebten.

Der Rio Guayas ist für zahlreiche endemische Fischarten bekannt, darunter Brycon alburnus, Hyphessobrycon ecuadoriensis, drei monotypische Gattungen von Glandulocaudinae sowie Pseudocurimata boulengeri.

 

 

terminalis    (Eigenmann & Henn in Eig., Henn & Wilson, 1914)

Parodon terminalis    Eigenmann & Henn in Eig., Henn & Wilson, 1914

 

Eine rätselhafte Art, die nur von den elf Typen - die größte 50 mm lang - aus dem Guayas-Becken in Ecuador bekannt ist, ist S. terminalis. Meist als Synonym zu Parodon ecuadoriensis angesehen, der wiederum ein Synonym zu S. wagneri ist, unterscheiden sich die Typen dieser Art nach Roberts (1974) vor allem durch ihr endständiges Maul von allen anderen Parodontidae. Wegen dieses Befundes wurde die Art hier noch einmal aufgeführt, um die Aufmerksamkeit auf diesen Fisch zu lenken, denn allem Anschein nach könnte es doch eine valide Art sein.

In diesem Zusammenhang ist eine von Roberts (l.c.) mitgeteilte Beobachtung von besonderem Interesse. Im Herbst 1971 fingen er und zwei Kollegen Fische in einem Nebenfluß des Rio Cristal im Guayas-Becken nahe der Stadt Montalvo in Ecuador. In einem kurzen Parallelkanal entdeckten die Wissenschaftler einen einzelnen Fisch, der offenbar der Familie Parodontidae angehörte. Im Gegensatz zu den anderen ebenfalls vorhandenen Vertretern dieser Familie bewegte sich das Tier permanent im Freiwasser. Am auffälligsten aber war die Färbung: Ein oder zwei seitliche Streifen und leuchtend goldene Sattelflecken! Nachdem Versuche, das Tier zu fangen, fehlgeschlagen waren, wurde das Fischgift "Rotenone" eingesetzt. Beim Sortieren der Ausbeute konnte der Fisch aber nicht wiedergefunden werden! Allerdings unterschied sich ein Exemplar - etwa 46 mm lang - von den anderen Parodontidae durch etwas hellere Unterseitenfärbung, einen etwas schlankeren Körper und zugespitzte statt abgerundete Schwanzflossenlappen. Außerdem war das Maul dieses Exemplars weniger unterständig als bei den anderen gleichzeitig gefangenen Exemplaren. Wenn dies der "goldene" Parodontide ist, so muß er seine Färbung unmittelbar nach dem Fang verloren haben. Nach Roberts ähnelt dieses Exemplar den Typen von P. terminalis, doch da dem größten davon die Kiefer fehlten, konnte er die Maulform nicht abschließend vergleichen. Wer weiß etwas über den "goldenen" Saccodon??

P.S.: Es ist möglich, dass es sich sowohl bei S. terminalis als auch beim „goldenen“ Saccodon nur um juvenile Tiere handelte. Sazima (1980) stellte bei Apareiodon ibitiensis fest, dass Jungfische bis 15 mm SL ein endständiges Maul besitzen und im Freiwasser leben. Allerdings dürfte es sich bei den fraglichen Saccodon wohl nicht um S. wagneri handeln, da Roberts dies hätte bemerken müssen.

 

sp. „Tulumayo“


Zwei Exemplare dieser Gattung aus einem Zufluss des Rio Tulumayo im zentralen Peru, rund 200 km östlich von Lima (ANSP 168372), stellen eventuell eine noch unbeschriebene Art dar, da in weitem Umkreis sonst keine Saccodon bekannt geworden sind.