Pseudocurimata Fernandez-Yepez, 1948
Unter den Curimatidae fällt die Gattung Pseudocurimata vor allem dadurch auf, dass ihre Vertreter ausschliesslich in transandinen Gewässern vom Rio Atrato (Kolumbien) bis zum Rio Piura im äussersten Norden Perus vorkommen. Es handelt sich um mässig gestreckte Fische mit zumeist leicht unterständigem Maul, die vermutlich in strömenden Gewässern leben. Nur eine Art (P. lineopunctata) ist mit Vertretern anderer Curimatidae-Gattungen sympatrisch, kann aber kaum mit diesen verwechselt werden. Zwei weitere Pseudocurimata-Arten (P. boulengeri und P. troschelii) sind ebenfalls sympatrisch, können aber anhand der Schuppenzahlen unterschieden werden. Die Gattung wurde von Vari (1989) überarbeitet.
Anodus troschelii Günther, 1860
Curimatus brevipes Eigenmann & Ogle, 1907
Curimatus aureus Pellegrin, 1908
Die am längsten bekannte Art der Gattung lebt in Teilen ihres Verbreitungsgebietes mit P. boulengeri sympatrisch, der sie sehr ähnlich sieht. Zu den Unterschieden sh. dort. Der Schwanzwurzelfleck ist bei lebenden Exemplaren grösstenteils durch Guanin überdeckt, was vermutlich auch bei den anderen Arten der Fall sein dürfte. Die Kopfseiten um die Augen herum und die Unterseite des Kopfes sind leicht gelb, während die Adipose sogar auffällig gelb gefärbt ist. Rücken-, After- und Schwanzflosse weisen ebenfalls gelbliche Tönungen auf. Die SL erreicht bis zu 155,3 mm.
Die Vorkommen von P. troschelii liegen zum einen in Flüssen des Guayas-Beckens im Westen Ecuadors wie dem Rio Guayas, dem Rio Vinces oder dem Rio Palenque, zum anderen in den Rios Zarumilla und Tumbes im äussersten Norden Perus. Der Rio Zarumilla bildet die Grenze zwischen Peru und Ecuador.
boulengeri (Eigenmann in Eigenmann & Ogle, 1907)
Curimatus guentheri Boulenger, 1898
präokkupiert durch C. guentheri Eig. & Eig., 1889
Curimatus boulengeri Eigenmann in Eigenmann & Ogle, 1907
Ersatzname.
Curimatus boulengeri Pellegrin, 1908
Ebenfalls als Ersatzname eingeführt.
P. boulengeri kommt mit P. troschelii sympatrisch vor und sieht dieser auch recht ähnlich. Nach Vari (l.c.) kann sie ausser anhand anatomischer Merkmale nur durch die kleineren Schuppen unterschieden werden. Allerdings scheint der Schwanzwurzelfleck bei dieser Art in der Form deutlicher dreieckig zu sein als bei jener, auch wenn er bei Erwachsenen kaum zu sehen ist. Die grösste bekannte SL beträgt 146,0 mm.
Alle bekannten Fundorte liegen im Guayas-Becken im Westen Ecuadors, und zwar in den Rios Vinces, Daule und Barranca Alta.
lineopunctata (Boulenger, 1911)
Curimatus lineopunctatus Boulenger, 1911
Die Typusart der Gattung ist zugleich die am weitesten nördlich verbreitete Art und die einzige, die mit anderen Vertretern der Curimatidae – nämlich Cyphocharax magdalenae und Steindachnerina atratoensis – im Rio Atrato gemeinsam vorkommt, mit diesen aber praktisch nicht verwechselt werden kann. Sie besitzt ein auffälliges Muster aus Längsreihen von dunklen Punkten, die sich jeweils im Zentrum einer Schuppe befinden. Dazu befindet sich ein runder oder leicht längsovaler dunkler Fleck auf dem Schwanzstiel. Als einzige Art der Gattung besitzt P. lineopunctata ein endständiges Maul. Die maximale SL beträgt 113,5 mm.
Das Verbreitungsgebiet ist zweigeteilt: Zum einen bewohnt die Art den oberen Einzug des Rio Atrato sowie die Rios San Juan und Dagua im Westen Kolumbiens, zum anderen den Rio Santiago-Einzug im Norden der Provinz Esmeraldas in Ecuador. Ob die dazwischen liegende Lücke an Nachweisen eine echte Verbreitungslücke ist oder nur den geringen Grad unserer Kenntnisse wiederspiegelt, ist nach Vari (l.c.) nicht sicher.
patiae (Eigenmann in Eig., Henn & Wilson, 1914)
Curimatus patiae Eigenmann in Eig., Henn & Wilson, 1914
Wie die vorstehende Art besitzt auch diese ein Muster aus Längsreihen von Punkten sowie einen dunklen rundlichen Schwanzwurzelfleck. Sie hat jedoch eine geringfügig höhere Zahl an Schuppen in der Seitenlinie und ein leicht unterständiges Maul.
Laut Vari (l.c.) wurde die Art seit der Erstbeschreibung nicht mehr wiedergefunden. Alle bekannten 14 Exemplare stammen aus der Umgebung des Ortes Barbacoas am Rio Telembi, einem Nebenfluss des Rio Patia in Südwest-Kolumbien.
Curimatus peruanus Eigenmann, 1922
Der südlichste Vertreter der Gattung ist nicht nur der einzige Curimatidae in seinem Verbreitungsgebiet, sondern einer von überhaupt nur wenigen Süsswasserfischen, die in der trockenen Übergangszone zur südamerikanischen Küstenwüste vorkommen. Ein kleiner dunkler Fleck an der Basis der mittleren Schwanzflossenstrahlen unterscheidet P. peruana zusätzlich von den anderen Arten. Vor dem Fleck befindet sich auf Höhe der Seitenlinie ein nach hinten keilförmig breiter werdender, kurz vor der Adipose beginnender Längsstreifen. Die SL beträgt bis zu 127,3 mm.
Die Art kommt offenbar nur in den Rios Chira und Piura am Nordrand der Sechura-Wüste im Norden Perus vor. Im Rio Chira dringt sie stromaufwärts bis über die Grenze nach Ecuador vor. Der Rio Piura ist heutzutage mit dem Rio Chira, der Typuslokalität, mit einem Bewässerungskanal verbunden, so dass die Art im Rio Piura möglicherweise eingewandert ist. Andererseits gibt es eine nicht belegte Meldung aus der Umgebung von Lambayeque am Südrand der Sechura-Wüste, mehr als 150 km südlich des Rio Piura, so dass die Art vielleicht weiter verbreitet ist als bisher bekannt.
Durch das Vorhandensein eines Längsstreifens anstatt eines Schwanzwurzelflecks ist diese Art von ihren Gattungsverwandten unterschieden. Der Längsstreifen beginnt bei Jungtieren direkt hinter dem Kiemendeckel, erstreckt sich bei Erwachsenen jedoch nur über den Schwanzstiel. Bei den grössten Exemplaren wird der Streifen zunehmend diffus. Es ist nicht bekannt, inwieweit der Streifen bei lebenden Tieren durch Guanin überdeckt wird. In ihrem sehr begrenzten Verbreitungsgebiet ist P. boehlkei jedoch die einzige Art, so dass Verwechslungen wohl ausgeschlossen sind. Die Tiere erreichen bis zu 109,1 mm SL.
Alle bekannten Exemplare stammen aus dem System des Rio Esmeraldas im Nordwesten Ecuadors. Lediglich ein Exemplar soll angeblich von James Böhlke im Rio Santiago gefangen worden sein, wo auch P. lineopunctata vorkommt. Gezielte Nachsuchen in diesem Fluss erbrachten aber keine weiteren Exemplare von P. boehlkei, so dass die Fundortangabe von Böhlke vielleicht irrtümlich erfolgte.