Curimatopsis Steindachner, 1876
Curimatichthys Fernandez-Yepez, 1948
für Curimatopsis microlepis
Diese Gattung enthält ausschliesslich recht kleine Arten bis maximal 99,4 mm SL, die durch einen auffallenden Geschlechtsdimorphismus gekennzeichnet sind. Die Männchen, die zudem interessanterweise viel seltener als Weibchen sind und höchstens 20 % des Materials in Sammlungen umfassen, besitzen einen deutlich höheren Schwanzstiel und eine auffällig geformte Schwanzflosse. Deren mittlere Strahlen sind leicht verlängert und bilden einen kleinen Zipfel, wie auf dem Foto im Aquarienatlas IV, S. 131, gut zu sehen ist. Dort kann man auch erkennen, dass der zweitunterste Schwanzflossenstrahl der Männchen in der Mitte stark verdickt ist, wodurch der untere Flossenrand etwas ausgebeult erscheint. Insgesamt wirkt die Schwanzflosse bei Curimatopsis-Männchen merkwürdig "eckig".
Die Gattung wurde von Vari (1982a) überarbeitet, der auch einen Schlüssel liefert. Noch im gleichen Jahr beschrieb er eine weitere Art aus dieser Gattung (Vari, 1982b). Alle Arten dürften gut für die Aquaristik geeignet sein.
Curimatus (Curimatopsis) macrolepis Steindachner, 1876
Curimatopsis macrocephalus Ahl, 1931
Diese Art erreicht eine SL bis 65,7 mm. Sie unterscheidet sich von den anderen Vertretern der Gattung durch ihr leicht oberständiges Maul und einen länglichen Fleck auf dem Schwanzstiel. Dazu kommt ein nach hinten sich verbreiternder dunkler Längsstreifen – im Leben aber vermutlich stark silbrig – der in den Caudalfleck übergeht und bei den Männchen bis zum Ende der mittleren Schwanzflossenstrahlen reicht. Lebendfärbung unbekannt. Ob das im Aquarienatlas II, S. 305 gezeigte Tier zu dieser Art gehört, ist fraglich, obwohl die Herkunftsangabe (Rio Meta, Kolumbien) dazu passt.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das zentrale Amazonasbecken entlang des Hauptstroms, von Santarem (Pará) im Osten bis Iquitos (Peru) im Westen und weiter bis in die Unterläufe von Ucayali und Marañon. Im Gebiet des Rio Napo bis Ecuador (Vari & Blackledge, 1996). Vermutlich auch im Madeira, aufwärts bis in den unteren Rio Beni (Bolivien). Sodann im Rio Negro aufwärts und wahrscheinlich den gesamten Orinoko abwärts bis zum Beginn des Deltas. Ein auf der Verbreitungskarte in Vari (1982a) dargestellter Nachweis vom Rio Aripuana (Madeira-System), der offenbar den Ort Jatuarana darstellen soll, ist vermutlich falsch eingezeichnet; sh. dazu die nächste Art, C. microlepis.
microlepis Eigenmann & Eigenmann, 1889
Diese Art war bis zu der Revision durch Vari (1982) nur durch zwei Exemplare bekannt, die aus Zentralamazonien stammen, und zwar von der Typlokalität Jatuarana (nach Angaben in Neodat II vermutlich in der Nähe von Parintins [Pará]) und von Tonantins (Amazonas) am oberen Solimoes. Die Karte von Vari (l.c.) ist anscheinend irreführend, da der Ort Jatuarana dort in das Einzugsgebiet des Rio Aripuana im Madeira-System gezeichnet wurde. In der Folge wurden noch weitere Exemplare in Museen entdeckt, die vom Rio Tefé, von Beruri am unteren Rio Purus und vom Rio Negro (wo genau?) stammen (Vari, 1992b, S. 37).
Das grösste der bisher bekanntgewordenen Exemplare, deren Geschlecht nicht bekannt ist, erreicht 99,4 mm SL (Vari, 1989a, S. 62). Damit ist dies die grösste Art der Gattung. Von allen anderen Curimatopsis-Arten unterscheidet sich diese vor allem durch die große Zahl an Schuppen in der Längsreihe (über 50 statt höchstens 30), was auch am lebenden Tier gut zu erkennen sein sollte. Zudem besitzt auch sie ein oberständiges Maul wie C. macrolepis.
Curimatopsis cf. evelynae. Männchen. Die Zeichnung auf dem Schwanzstiel
dieses Exemplars weicht ab von anderen Abbildungen, vergleiche
z.B. Aquarienatlas IV, S. 131. Wenngleich alle Curimatopsis scheinbar sehr
variabel in der Färbung sind, kann dennoch nicht ausgeschlossen werden,
dass es sich um eine andere, evtl. unbeschriebene Art handelt.
© aqualog-Verlag

Die kleinste Art der Gattung und einer der kleinsten Vertreter der Curimatidae mit maximal 40,4 mm SL bei den Weibchen und 33 mm SL bei den Männchen (Vari, 1982a, 1989a, S.1). Der länglich gestreckte Schwanzwurzelfleck befindet sich, im Gegensatz zu C. crypticus, etwas unterhalb der Mittelebene, wenn er nicht ganz fehlt, und erstreckt sich bei den meisten Männchen bis auf die Schwanzflosse. Außerdem ist C. evelynae nicht so hochrückig gebaut. Das Maul ist wie bei der folgenden Art endständig. Im Leben ist der Rücken der Tiere schokoladenbraun, die Längsseiten weisen einen rötlich, gelb und grün irisierenden Glanz auf, die Schwanzflossenbasis ist lachsrot und die Rückenflosse orange gefärbt (Géry [1964], cit. in Vari [1982a]). Pinter erhielt die Art als Beifang und bildete ein Männchen ab (Pinter, 1988a). Von ihm stammt auch das Foto im Aquarienatlas IV, S. 131.
Die Art wurde vom Rio Manacacias im Gebiet des oberen Rio Meta (Kolumbien) beschrieben und bewohnt darüber hinaus den mittleren und unteren Rio Negro bis hinab nach Manaus. Aus den dazwischen liegenden Gebieten des unteren Rio Meta, mittleren und oberen Orinoko und oberen Rio Negro sind bisher anscheinend keine Nachweise bekannt (?), aber fest zu erwarten.
Curimatopsis cf. crypticus. Männchen. Das endständige Maul spricht
gegen die Bestimmung als C. macrolepis.
© aqualog-Verlag

Mit einer maximalen SL von 45,4 mm ist dies eine ziemlich kleine Art. Von C. evelynae unterscheidet sie sich durch den intensiveren Schwanzwurzelfleck, der sich bei den Männchen als Streifen bis auf die Flossenstrahlen ausdehnt und genau in der Mitte des Schwanzstiels liegt. Ein schmaler dunkler Längsstreifen – im Leben vermutlich silbrig – zieht sich bei den Männchen – ähnlich wie bei C. macrolepis – über die Flanke und geht dann in den Schwanzwurzelfleck über. Grössere C. crypticus sind zudem hochrückiger als C. evelynae. Von C. macrolepis unterscheidet sich C. crypticus durch das endständige Maul. Der Geschlechtsdimorphismus, der für diese Gattung typisch ist, ist bei C. crypticus am ausgeprägtesten. In Sammlungen beträgt der Männchenanteil übrigens nur 10 %.
Das von Pinter (1988b) abgebildete Curimatopsis-Männchen ist wohl ein C. crypticus, wie an dem endständigen Maul und der recht kurzen Kiemendeckelregion zu sehen ist.
Bergleiter konnte die Art im Igarapé Nazaré am unteren Rio Xingu beobachten (Bergleiter, 1993). Die Tiere hielten sich meist zwischen dichten Cabomba-Dickichten auf und streiften auf der Nahrungssuche in Trupps von 4-10 Exemplaren umher, wobei sie fast nur Detritus vom Boden aufnahmen. Bergleiter vermutete, dass die daran haftenden Bakterien den Hauptnährwert dieser Nahrung darstellen. Ausserdem fand er bei Mageninhaltsanalysen einzelne, sehr kleine Zuckmückenlarven.
Bork (2002) berichtete unter dem Namen Pseudocurimata lineopunctata über die Einfuhr dieser Art und zeigte ein sehr schönes Foto eines Weibchens. Diese Identifizierung wurde später korrigiert (Massmann, 2002). Fundort war ein Überschwemmungstümpel im Gebiet des Riviere Approuage in Franz. Guiana. Der Tümpel lag in der prallen Sonne und wies eine Wassertemperatur von über 40° C auf. Vermutlich aufgrund der hohen Temperatur waren die Tiere sehr apathisch und liessen sich leicht fangen. Offensichtlich gingen dabei nur Weibchen ins Netz.
Die Art kommt als einzige der Gattung in allen drei Guiana-Staaten vor und darüberhinaus im Gebiet des unteren Amazonas (von Belém an der Mündung des Tocantins wohl bis Manaus) sowie des unteren und mittleren Rio Negro. Auch ein Tier aus dem Rio Madeira an der Grenze von Brasilien zu Bolivien gehört nach Vari (1982a) zu dieser Art.
Dies ist die einzige Art der Gattung, die das Paraguay-Becken bewohnt. Die Typen wurden in einem Sumpfgebiet nahe der Stadt Lima in Zentral-Paraguay in trübem Wasser mit Schwimmpflanzenbedeckung gefangen. Lundkvist (2003) erwähnt ein Vorkommen bei Nueva Italia südlich von Asunción. Nördlich kommt die Art noch am Ostrand des Pantanal in Mato Grosso (Brasilien) vor (Vari, 1992, S. 38).
Auch bei dieser recht hochrückigen Art sind die Weibchen deutlich größer (bis 43,5 mm SL) als die Männchen (bis 31,3 mm SL). Der tiefschwarze längliche Fleck auf dem Schwanzstiel, der von einem weisslichen, ca. eine Schuppe breiten Hof umgeben ist, macht die Art leicht erkennbar. Nach vorne zieht sich dieser Fleck in eine sehr dünne, der Wölbung des Rückens folgende, Längslinie aus, die bei konservierten Tieren dunkel, im Leben aber silbrig glänzend ist. Auf dem Foto eines Weibchens im Aquarienatlas III, S. 151 ist dies gut zu sehen. Die Schwanzflosse hat – zumindest in der Laichzeit – einen rötlichen Schimmer.
Etliche Weibchen des Typusmaterials hatten jeweils mehrere Dutzend gut entwickelte Eier in den Ovarien.