Melanocharacidium Buckup, 1993
Die Arten dieser Gattung besitzen Flossen, die vorne und an den Spitzen unpigmentiert sind, während der Rest der Flossen mit seiner dunklen Färbung oder Bänderung einen guten Kontrast abgibt. Auch die Körpergrundfarbe ist i.d.R. sehr dunkel gehalten.
auroradiatum Costa & Vicente, 1994
Diese Art wurde aus dem Rio Araguaia-Einzug in Goiás beschieben und gilt als naher Verwandter von M. dispilomma. Sie ist allerdings stärker abgeplattet und besitzt eine spitzere Schnauze als jene Art. Bis 43 mm SL. Die Typuslokalität, ein Zufluss des Rio Verde bei Sao Miguel do Araguaia, ist ein Klarwasserbach, im Cerrado gelegen, mit Sandboden und wenigen Felsen, ohne Wasserpflanzen, etwa 3 m breit und 40 cm tief.
Im Aqua-Terra-Net finden sich ein Foto dieser Art und ein erster Haltungsbericht von Kai Arendt sowie Freilandbeobachtungen an einer anderen Melanocharacidium-Art aus Venezuela.
Characidium blennioides Eigenmann, 1909
Die Typusart der Gattung war bis 1993 nur aus verschiedenen linksseitigen Zuflüssen des Essequibo River einschliesslich des Cuyuni in Venezuela bekannt. Neodat II enthält jedoch auch von Buckup determinierte Funde aus dem Tapanahoni, einem Nebenfluss des Marowijne in Surinam. Weitere Meldungen aus den Rios Uatuma und Trombetas, dem oberen Rio Branco und vom Rio Negro bei Sao Gabriel passen durchaus in das Verbreitungsmuster vieler Fischarten des Guyanischen Schildes. Dies gilt jedoch nicht für zwei weitere Meldungen, eine vom unteren Tapajos (Rio Jamanxim, Pará), die andere gar vom Rio Itenez in Bolivien (mit 47 mm SL besonders gross), die entsprechend skeptisch beurteilt werden sollten.
Die Art soll sich durch die scheckig gefleckten Bauchflossen von den anderen Vertretern der Gattung unterscheiden und erreicht mindestens 41,7 mm SL.
M. compressum ist, anders als andere Vertreter der Gattung, seitlich zusammengedrückt, was zum Namen geführt hat. Ein auffälliger dunkler Fleck auf dem Interoperculum und ungemusterte Bauchflossen sind weitere äußere Kennzeichen. Er wird mindestens 38 mm lang (TL, mind. 33 mm SL) und lebt im Einzug des Orinoko zwischen Puerto Ayacucho und dem Rio Casiquiare. Der Holotypus wurde über sandig/schlammigem Grund in von Algen getrübtem Wasser gefangen.
Im Gegensatz zur vorhergehenden Art ist diese vertikal deutlich abgeflacht, ähnlich wie M. pectorale. Es handelt sich um einen Stromschnellenbewohner, der im Rio Uatuma, einem nördlichen Zufluß des Amazonas nahe Manaus ebenso wie im oberen Rio Negro bei San Carlos (Venezuela) und im oberen Orinoko-Einzug oberhalb von San Fernando de Atabapo vorkommt und bis 27 mm SL und 34 mm TL erreicht.
Melanocharacidium cf. dispilomma von Yukanopito Falls, oberer Essequibo River,
Guyana. Die Bestimmung ist nicht ganz sicher, da die Wangenzeichnung nicht
ganz deutlich erkennbar ist, doch passt dieser Fisch sowohl vom Habitus als
auch vom Fundort her am ehesten zu M. dispilomma.
© Mark Sabaj

Die am weitesten verbreitete unter den Arten dieser Gattung ist wahrscheinlich M. dispilomma, die in den Systemen von Amazonas, Orinoko und Rio Cuyuni (Grenze Venezuela / Guyana) in felsigen und steinigen Biotopen vorkommt. Die Typuslokalität befindet sich im Rio Uatuma. Östlich davon reicht das Vorkommen bis in den Rio Jari (Pará); von den südlichen Zuflüssen des Amazonas sind der Xingu und der Tapajos besiedelt sowie im Madeira-System der Rio Itenez in Bolivien. Im Westen existieren Vorkommen im Nordosten Perus bis in den unteren Ucayali. Im Rio Negro einschliesslich Rio Branco und Rio Vaupes (Kolumbien). Schliesslich das gesamte Orinoko-Becken einschliesslich Rio Meta (bis in den Oberlauf), Rio Apure und Rio Caura bis fast zum Delta. Zu guter Letzt auch im Rio Cuyuni und daher auch für Guyana zu erwarten. Fünf von Buckup identifizierte Tiere aus dem Surinam River (Surinam) in Neodat II bekräftigen diese Vermutung, ebenso wie das oben abgebildete Tier aus dem Gebiet des oberen Essequibo, das vermutlich zu dieser Art gehört.
Franke und seine Mitreisenden fanden die Art in einem Caño des Rio Guariquito-Gebiets in den venezolanischen Llanos (Franke, 1997) und bildeten sie ab. Der Fundort war der schnellfliessende Auslauf einer Furt am Übergang zu einem Stillwasserbereich.
Auch im Aquarienatlas V, S. 73, ist die Art abgebildet. Die dortigen Angaben stammen anscheinend von Seidel und Evers, die die Art 1992 einführten. Danach werden die Weibchen etwas grösser als die Männchen und setzen bei Fütterung mit Stein- und Eintagsfliegenlarven Laich an. Die Nachzucht ist aber wohl noch nicht gelungen. Die zur Laichzeit territoriale Art ist extrem substratgebunden und bewegt sich meist miit dem Bauch an der Unterlage entlang, zur Not auch kopfüber. Bei Gefahr wird in Höhlen Schutz gesucht. Im Süden Venezuelas wurde die Art mitunter zusammen mit einer dunkel gefärbten Ancistrus-Art in den gleichen Höhlen angetroffen. Ob hier eine echte Lebensgemeinschaft zum beiderseitigen Nutzen vorliegt, wäre sicher interessant zu klären!
Die Art erreicht mindestens 51 mm (TL, bis 47 mm SL) und ist daran zu erkennen, daß der Bereich zwischen den Brustflossen vollständig beschuppt und der Körper seitlich relativ zusammengedrückt ist (im Gegensatz zu M. pectorale und M. depressum). Daneben sind Dorsale, Anale und Caudale scheckig gefleckt und zwei dunkle Binden verlaufen strahlenförmig über die Wange.
Buckup (1993b) berichtet in der Erstbeschreibung, dass im Rio Uatuma zwei Farbmorphen existieren. Während die Exemplare der Typserie einfarbig dunkle Brust- und Bauchflossen haben, sind sie bei der anderen Morphe ähnlich gescheckt wie die anderen Flossen. Da keinerlei weiteren Unterschiede bekannt sind geht er jedoch von nur einer Art aus.
Die zweitgrößte Art der Gattung nach M. rex ist dieser Fisch, der eine SL von bis zu 89 mm erreicht. Er ist dieser Art wie auch M. nigrum sehr ähnlich. Insbesonder sind mindestens der untere Schwanzflossenlappen und der Grossteil der Anale einheitlich dunkel bis schwarz ohne das scheckige Muster mehrerer anderer Arten.
Sein Vorkommen beschränkt sich weitgehend auf rechtsseitige Zuflüsse des Orinoko in Venezuela einschliesslich der Rios Caura und Caroni. Inzwischen jedoch auch aus dem Rio Cinaruco vom linken Ufer gemeldet. In einem von Felsen und Sandstrand umgebenen Pool am Rio Ventuari massen Chernoff et al. (lt. Neodat II) 32°C Wassertemperatur bei 38°C Lufttemperatur! Eine Bindung an Stromschnellen liegt hier wohl weniger vor als eine Bindung an Felsen!
Durch seine intensiv dunkle Färbung, die auch die Flossen nicht ausnimmt, ist diese Art leicht zu erkennen. Sie erreicht eine TL bis zu 67 mm bei 58 mm SL und ist bisher aus dem oberen Rio Branco-Gebiet und dem Rio Uatuma bekannt. Zwei Exemplare, die im Rio Tocantins unterhalb des Tucurui-Dammes gefangen wurden, sind in ihrem Erscheinungsbild intermediär zwischen dieser Art und M. rex. Sie sind mit 62-65 mm SL auch grösser als die Exemplare der Typserie von M. nigrum. Wegen des Mangels an Vergleichsmaterial muss ihr Status z.Zt. noch offen bleiben.
Vorkommen dieser Art finden sich weit verstreut über das gesamte Amazonas- und Orinokobecken, wo sie felsenreiche Gewässer und wahrscheinlich Stromschnellen besiedelt. Neben dem Rio Trombetas und dem Rio Uatuma (Typlokalität) zählen der obere Aripuana und der Rio Itenez (Bolivien), beide im Madeira-System, der obere Rio Branco, der Rio Negro bei Sao Gabriel, der Casiquiare und der gesamte Orinoko bis fast zum Delta (im Rio Meta bis in den Oberlauf) zu den Fundorten / Vorkommensgebieten dieser Art. Zu einem Fundort am Rio Ventuari sh. bei M. melanopteron. In Neodat II ist ferner ein Nachweis von Tucurui am unteren Tocantins mit über 60 mm SL (?, ein Exemplar, aber zwei Längenangaben!) gelistet.
Bei dieser Art fällt besonders der flachgedrückte Körper mit den waagrecht abstehenden Brust- und Bauchflossen auf, der an manche südostasiatische Balitoridae erinnert und eine extrem bodengebundene Lebensweise vermuten lässt. Dafür spricht auch, dass die hintere Schwimmblasenkammer bei dieser Art bereits deutlich verkümmert ist. M. pectorale besitzt genau wie M. depressum zwischen den Brustflossen keine Schuppen und wird – entsprechend der Typserie – bis 44 mm lang (TL, entspricht 36 mm SL).
Characidium rex Böhlke, 1958
Von dieser sehr großen Art (für einen Characidiinen!) sind bis heute nur zwei Exemplare bekannt, von denen das eine 98,5 und das andere 102,2 mm SL erreicht. Sie stammen beide aus der Provinz Pastaza (Ecuador), und zwar zum einen aus dem Rio Bobonaza, einem Nebenfluß des Rio Pastaza, zum anderen aus dem Rio Shione, einem Quellfluß des Rio Tigre, der ein Nebenfluß des Rio Maranon ist. Die Art ist vermutlich auf die Andenvorberge unterhalb 300 m beschränkt.
In Sterba (1990) gibt es ein Foto, das als Elachocharax pulcher bezeichnet ist, aber zweifelsfrei einen Vertreter der Gattung Melanocharacidium zeigt. Neben einer extrem düsteren Körpergrundfarbe besitzt das Tier einen noch dunkleren – sprich: schwarzen – ausgedehnten Fleck auf der Schwanzwurzel, der praktisch einer Binde entspricht, und sämtliche Flossen sind – soweit sichtbar – in charakteristischer Weise gesprenkelt. Da keine Fundortangaben vorliegen, vermag ich die Art bisher nicht einzuordnen. Es ist daher auch nicht sicher, ob es sich um eine bereits beschriebene Art handelt.
Weitere Melanocharacidium-Arten wurden bereits importiert, so z.B. von Jens Gottwald (Aquatarium Garbsen) eine neue Art aus dem Rio Xingu (Arendt, 2004), doch ist die Bestimmung nach Fotos bei dieser aquaristisch noch nicht so gut bekannten Gattung recht schwierig. Im Anschluss finden Sie ein paar Fotos, die unterschiedliche Arten zeigen. Sie vermitteln einen Eindruck vom typischen Erscheinungsbild dieser Gattung und weisen auf Merkmale hin, die bei der Bestimmung nützlich sein dürften.
Melanocharacidium sp. 1. Beachte den gelben Fleck an der Basis des ersten
Rückenflossenstrahl. Es ist aber unklar, ob dies ein Merkmal dieser Art oder
eine individuelle Ausprägung ist. Die Gesichtszeichnung ähnelt M. dispilomma.
© aqualog-Verlag

Melanocharacidium sp. 2. Beachte die Gelbfärbung in der Rückenflosse
sowie die rein weisse Wange. Das letztere Merkmal schliesst einige
Arten aus. Diese Art besitzt sehr grosse Brustflossen und scheint
dorsoventral etwas abgeplattet zu sein.
© aqualog-Verlag

Melanocharacidium sp. 3. Beachte die sehr grossen Brustflossen.
© aqualog-Verlag
