Elachocharax    Myers, 1927

Geisleria    Géry, 1971

für Geisleria junki

 

Durch ihre lange Rückenflosse und ein Erscheinungsbild, das entfernt an Killifische (Cyprinodontidae) erinnert, sind die Vertreter dieser Gattung innerhalb der Characidiinae leicht zu erkennen. Bis auf E. pulcher fehlt allen Arten eine Fettflosse. Entsprechend ihrer Gestalt und anders als die meisten Characidiinae (außer Klausewitzia und Odontocharacidium)leben sie weniger in strömendem Wasser sondern bevorzugen langsamfließende oder stehende Gewässer, bevorzugt totholzreiche Igarapés im Varzea-Wald, wo sie sich z.B. im Geflecht von Baumwurzeln in Ufernähe aufhalten. Die Färbung ist möglicherweise selbst innerhalb der Arten sehr variabel und vielleicht können die Fische ihre Färbung aktiv ändern (physiologischer Farbwechsel).

 

geryi    Weitzman & Kanazawa, 1978


Diese Art, deren Holotypus als größtes bekanntes Exemplar eine SL von 19 mm hat, ist bisher nur von fünf Fundorten bekannt: (1) dem Lago Paricatuba am unteren Rio Negro (Brasilien), (2) dem Cano Muco, einem Nebenfluß des Rio Vichada im Orinoko-System (Kolumbien), (3) dem Cano Manu, einem Zufluß des Rio Casiquiare (dieser und die folgenden beiden in Venezuela), (4) bei Morichal el Tigre, nahe dem Rio Aguaro, einem Nebenfluß des Rio Guariquito im unteren Orinoko-Gebiet und (5) bei Hato Los Pavones im Rio Apure-Einzug, ebenfalls im unteren Orinoko-Gebiet. Nahe dem Fundort (4) konnten auch Franke und Kollegen diese Art fangen, aber leider nicht lebend nach Europa bringen (Franke, 1997). Daher ist über die Lebendfärbung dieser Art noch immer nichts bekannt geworden, obwohl schon konservierte Tiere sehr auffallend gefärbt sind – zumindest für einen Elachocharax: Die Tiere wirken sehr hell und sind mit 10-11 schmalen, vertikalen, dunklen Binden auf den Körperseiten versehen. Auch die Schwanzflosse trägt 13-14 entsprechend schmale, vertikale Binden, wodurch die Art sicher zu identifizieren sein sollte.

 

junki    (Géry, 1971)

Geisleria junki    Géry, 1971


Durch die deutlich vorgerückte Afterflosse ist diese Art gut zu erkennen; vergleiche mit E. pulcher. E. junki ist nur von vier Fundorten bekannt: aus dem Gebiet des mittleren Madeira im Rio Jamari und bei Humaitá, vom unteren Rio Negro nahe bei Manaus (Igarapé Cobrinha am Rio Cuieiras) und vom mittleren Rio Negro aus der Nähe von Sao Gabriel. Es werden Längen bis 23 mm SL erreicht. Auch E. junki scheint wie E. pulcher farblich sehr variabel zu sein. Von der im Aquarienatlas II, S. 297 abgebildeten Art, die wegen der Position der Afterflosse und der fehlenden Fettflosse wohl E. junki darstellt, berichten Baensch & Riehl (1989) über Massenansammlungen in isolierten Randteichen ihrer Wohngewässer, wobei mehrere hundert Exemplare in einer Pfütze von 1 m² und 10 cm Wassertiefe gefunden werden können.

 

mitopterus    Weitzman, 1986


Dies ist die zuletzt beschriebene Art der Gattung und zugleich die kleinste bei einer SL des Holotypus von nur 13,9 mm. Sie wurde bisher im Igarapé Tarumazinho nahe der Mündung des Rio Negro (Brasilien) sowie vom oberen Rio Negro bei San Carlos (Venezuela) über den Casiquiare bis zum Orinoko nördlich von Puerto Ayacucho gefangen. Auch diese Art ist in der Färbung variabel, so wie es für die anderen Vertreter der Gattung beschrieben wurde. Schwanzflosse an der Bais  mit bis zu fünf vertikalen Binden. Die Brustflossenstrahlen sind bei dieser Art stärker verlängert als bei den anderen Arten und reichen angelegt bis zur Mitte der Bauchflossen.

Die Exemplare vom Cano Chola wurden in einem Schwarzwasserbach bei 28°C gefangen. Der Bach war etwa 1,5 m tief mit sandigem Grund und viel Totholz. Neben Detritus fanden sich fädige Algen und einige emerse Pflanzen.

Geisler (1989) fand Elachocharax sp. bereits Anfang der 1970er Jahre an der späteren Typuslokalität von E. mitopterus und präzisierte die Biotopbeschreibung. An der Fundstelle der Elachocharax befanden sich damals dicke Falllaubschichten, Wurzelbärte von Bäumen ragten ins Wasser und die Elachocharax hielten sich in den Beständen einer Wasserpflanze - Tonina fluviatilis - auf. Geisler zufolge war dieser Lebensraum aber gegen Ende der 1980er Jahre zerstört und die Elachocharax verschwunden. In der Nähe von Barcelos fand er jedoch ein anderes Vorkommen in einem fast völlig mit Totholz und Wurzeln durchsetzten Bachlauf, der auch Fallaub enthielt. An beiden Fundstellen lag der pH bei etwa 5,5.

 

pulcher    Myers, 1927

Elachocharax georgiae    Géry, 1965


Die einzige Elachocharax-Art mit einer Fettflosse und dadurch unverwechselbar. Sie ist von Aveiro am unteren Rio Tapajos (Brasilien) den Amazonas aufwärts bis zum Rio Nanay (Peru) und zum oberen Rio Napo (Ecuador) verbreitet und kommt ferner im gesamten Rio Negro einschliesslich Rio Branco (z.B. bei Caracarai, Roraima), und im Orinoko (Venezuela) einschliesslich Rio Vichada (Kolumbien) linksseitig bis zum Rio Aguaro (Apure-Einzug), rechtsseitig bis zum Rio Caura vor. Géry (1977) erwähnt ferner ein besonders grosses Exemplar von 25 mm SL aus dem Rio Madeira. Von Guayaramerin (Bolivien) aus dem unteren Mamoré schliesslich stammt auch ein Exemplar, das in Neodat II gelistet ist (AMNH 53002).

Die Art erreicht ansonsten bis 22,1 mm SL. Die Tiere sind farblich sehr variabel; es gibt sowohl sehr helle als auch sehr dunkle Exemplare innerhalb derselben Population. Weitzman & Géry (1980) sprechen sogar von Farbphasen und bemerken, dass die Tiere ihre Färbung aktiv ändern können.

Ein Lebendfoto findet sich in Hoffmann & Hoffmann (2001 d). Es zeigt ein Weibchen, das bei Alter do Chao an der Mündung des Tapajos gefangen worden war. Die Fettflosse ist deutlich zu erkennen. Das Foto im Aquarienatlas II, S. 297, dort als E. georgiae, bezeichnet, zeigt dagegen vermutlich E. junki (siehe dort). Das Foto in Sterba (1990, S.88) zeigt erst recht nicht E. pulcher, sondern wahrscheinlich einen Melanocharacidium-Vertreter (sh. unter Melanocharacidium sp.).

Nach Henderson & Walker (1990) ist diese Art – zusammen mit einer unbestimmten, als Characidium sp. bezeichneten Art – ein typischer Bewohner von Fallaubbänken in zentralamazonischen Schwarzwässern, wo die Tiere durch ihre kräftig braune Färbung gut an die Farbe verrottender Blätter angepasst sind. Die meisten Mitglieder dieser Lebensgemeinschaft – die Autoren fanden dort 20 Arten – flüchten nicht nur bei Gefahr in das Laub, um dort zu verharren, sondern verbringen die meiste Zeit in den Zwischenräumen der obersten Blätterschichten, wo sie sich von winzigen Insekten ernähren und sich oft über Wochen hinweg in einem Umkreis von nur einem Meter aufhalten. Henderson & Walker fingen die Fische, indem sie mit Keschern in die Laubschichten stiessen und die Tiere anschliessend per Hand aus dem verrottenden Material heraussuchten. Dabei ermittelten sie für E. pulcher Siedlungsdichten von durchschnittlich 8-9 Ex./m² im gesamten Untersuchungsgebiet, im Extrem aber sogar bis zu 150 Ex./m² !! Eingerechnet sind auch Jungfische, dagegen wurden keine Larven gefangen. Da die Untersuchung bei Niedrigwasser durchgeführt wurde, vermuten die Autoren, dass die Fortpflanzung bei Hochwasser stattfindet, wenn der überschwemmte Igapó-Wald mehr Nahrung bietet.