Auch die folgenden vier (oder fünf) Arten bilden vielleicht ein Monophylum. Gemeinsam sind ihnen die Streckung des Körpers und die schmaleren Querbinden (Clade C5, Buckup, 1993c). C. tenue wird von Buckup & Reis (1997) vorläufig auch in diese Gruppe gestellt. Es handelt sich wohl durchweg um Bewohner von Sandbänken:
Characidium catenatum Eigenmann, 1909
Characidium ladigesi Géry, 1972
Diese Art scheint ein ausserordentlich grosses Verbreitungsgebiet im gesamten Amazonas- und Orinokobecken zu haben, vorausgesetzt, die Synonymie stimmt. Der Holotypus von C. steindachneri stammt nämlich aus dem peruanischen Amazonas, der von C. catenatum aus Guyana. Allerdings sind Nachweise aus Peru recht spärlich und stammen neben dem Amazonas nur aus dem Rio Ambiyacu und dem Rio Nanay. Häufiger ist die Art bereits in Ecuador, wo sie im gesamten Napo-Einzug zu finden ist. Interessanterweise wird sie hier meist im Hauptstrom entlang von Sandbänken gefangen. In Kolumbien aus dem oberen Rio Meta bekannt. In Venezuela weiter verbreitet als die meisten Salmlerarten, vom oberen Orinoko oberhalb des Casiquiare (aber nicht in demselben oder im Rio Negro) nordwärts bis in die nördlichen Llanos und bis zum Beginn des Deltas, auch im Rio Caura. Angeblich sogar nördlich der Küstenkordillere in der Nähe von Caracas. Fehlt dagegen im Rio Caroni und Rio Cuyuni; der Anschluss an das Vorkommen in Guyana ist damit unklar. Dort im übrigen Essequibo-System weit verbreitet. In Brasilien merkwürdigerweise nur relativ wenige Funde aus weit voneinander entfernten Gebieten. Anschluss an das Vorkommen in Guyana haben am ehesten noch zwei Funde aus dem oberen Rio Branco in Roraima (die Art fehlt ansonsten im Rio Negro wie überhaupt im gesamten Bundesstaat Amazonas!). Fundorte sind (von Westen nach Osten): der Rio Tarauaca (ein Zufluss des Rio Jurua, Acre), die Quellregion des Rio Guaporé (Mato Grosso) – hieran anschliessend wohl auch ein Fund aus Bolivien, vom unteren Itenez/Guaporé – , der Rio Machado (ein Zufluss des Madeira, Rondonia), und schliesslich der Tocantins, sowohl im Unterlauf bei Tucurui (Pará) als auch im Oberlauf in Goias.
Bei derart weit verstreuten Vorkommensgebieten muss davon ausgegangen werden, dass hier eine ganze Reihe von Arten im Spiel ist.
Bis 38 mm SL und damit eine eher kleine Characidium-Art. Mit deutlich sichtbarem Schwanzwurzelfleck und relativ schmalen Querbinden mit weiten unpigmentierten Zwischenräumen (Buckup, 1993b).
Eine bisher unbeschriebene Art. Hier nur aufgeführt, weil sie unter diesem Namen in Buckup (1993c) geführt wird. Siehe ansonsten unter Characidium sp. (unten). Anscheinend nahezu durchsichtig. Bis 33 mm SL. Rio Negro (Amazonas, Brasilien).
Eine erst jüngst beschriebene Art, die mit den beiden folgenden offensichtlich nahe verwandt ist. Die bis 21 mm SL erreichenden Tiere wurden im Rio Ipurupuru im Norden Boliviens gefangen, der laut Erstbeschreibung ein Nebenfluss des Rio Mamoré, laut Bertelsmann-Weltatlas von 1994 allerdings ein Nebenfluss des Rio Itenéz ist. An der Fundstelle der neuen Art, knapp südlich des 14. Breitengrades, verläuft der Ipurupuru allerdings in weniger als 20 km Entfernung parallel zum Mamoré.
Die Tiere besitzen auf gelblichem Grund 16-23 schmale, schwarze Querbinden, die vom Rücken bis in die untere Körperhälfte reichen. An der Spitze der Anale befindet sich ein schwarzer Fleck.
Der Ipurupuru ist ein Weisswasserfluss mit mässiger Strömung und stark verkrauteten oder schlammigen Ufern.
Diese und die folgende Art sind ungewöhnlich langgestreckte Vertreter der Gattung, die als Bewohner von Sandbänken in Flüssen der Ebene leben. Typuslokalität von C. pellucidum ist Gluck Island bei Rockstone im Essequibo (Guyana). Ferner im Rio Cuyuni (Venezuela), und im Gebiet des mittleren Orinoko. Schliesslich liegen Funde aus dem Rio Apure, dem Rio Portuguesa und dem Rio Guarico vor. Anscheinend nahezu durchsichtig. Die Querbinden sind oberhalb der Seitenlinie unterbrochen und die unteren Enden sind Teil einer Reihe von 25-30 Punkten, etwa doppelt so hoch wie breit und kräftig pigmentiert (sh. Abb. in Zarske & Géry, 2001). Bis 39 mm (SL?).
Auch diese Art wurde aus Guyana beschrieben, wo sie im Essequibo-System weit verbreitet ist. Sie wurde ferner in der Umgebung von Manaus gefunden, bei Sao Gabriel am oberen Rio Negro, am mittleren Orinoko und in den Llanos im Rio Cinaruco und im Rio Guarico (Venezuela).
Anscheinend nahezu durchsichtig. Auch hier sind die Querbinden oberhalb der Körpermitte unterbrochen, die unteren Enden haben aber noch deulich den Charakter von Binden, die eine Höhe von zwei Schuppen ereichen. Allerdings ist die Anzahl dieser unteren Binden gegenüber den oberen vermehrt und sie liegen in der hinteren Körperhälfte auch etwas versetzt zu den oberen (sh. auch hier Abb. in Zarske & Géry, 2001). Bis 28 mm SL.
Diese oder eine nahe verwandte Art wurde von Franke und Mitreisenden im Caño el Toro, einem Zufluss des Rio Guariquito (Venezuela), gefangen und fotografiert (Franke, 1997, als Characidium sp.). Er gibt eine maximale SL von 28,3 mm an und nennt bezüglich der Färbung das „aus zahlreichen kleinen braunen Punkten zusammengesetzte Längsband“ sowie die „haarfeine Strichelung der oberen Körperhälfte“. Allerdings soll seinen Tieren der gattungskennzeichnende schwarze Fleck auf der Schwanzflossenbasis gefehlt haben. Das fast durchsichtige Erscheinungsbild ist auf dem dortigen Foto deutlich zu erkennen.
Chorimycterus tenuis Cope, 1894
C. tenue ist durch die W-förmigen Flecken auf der Flanke und die gestreckte Körperform gekennzeichnet. Die bis 56 mm SL lange Art kommt in den Einzugsgebieten der Lagoa dos Patos, der Lagoa Mirim und des Rio Uruguay vor (in Rio Grande do Sul, Argentinien und Uruguay) und bewohnt dort nicht nur weite Sandstrände in ausgedehnten Lagunen, sondern auch kleine schlammige oder felsige Bäche mit schwacher Strömung und selbst sumpfige Umgebungen. Buckup & Reis (1997) vermuten eine Zugehörigkeit zu dieser Gruppe, was allerdings besser noch einmal überprüft werden sollte.
Zur Characidium lauroi-Gruppe zählen vier beschriebene und zwei unbeschriebene Arten, die in kühlen Bächen des südostbrasilianischen Berglandes leben (Melo & Buckup, unpubl.).
Bis 46 mm SL. Kommt offenbar nur in einem eng begrenzten Gebiet an der Atlantikküste zwischen Angra dos Reis (Rio de Janeiro) und Ubatuba (Sao Paulo) vor. Die Entfernung zwischen beiden Städten beträgt kaum 100 km. Ausserdem im Ribeira de Iguape.
Nur aus einem äusserst kleinen Gebiet entlang der Südostflanke der Serra da Mantiqueira, an der Grenze der Bundesstaaten Rio de Janeiro und Sao Paulo, bekannt. Das Vorkommen entspricht im Wesentlichen dem Einzug des Rio Paraiba do Sul.
Bis 46 mm SL. Bisher nur von Paranapiacaba und von Alto da Serra, beide im Bundesstaat Sao Paulo, bekannt. Von Melo & Buckup (unpubl.) als Synonym zu Ch. schubarti angesehen, aber die Typlokalitäten sind recht weit entfernt, daher folge ich ihnen noch nicht.
Bis 60 mm SL. Zuflüsse des Paraná in Sao Paulo und Paraná, vom Rio Grande im Norden bis zum Rio Paranapanema im Süden.
Die hier genannten Artengruppen bilden natürlich nur ein grobes Gerüst, in das die übrigen Vertreter der Gattung, deren Stellung noch nicht beurteilt werden kann, noch eingeordnet werden müssen. Möglicherweise müssen für einige Arten auch neue Gattungen geschaffen werden, doch ist dies z.Zt. noch rein spekulativ. Um den Überblick etwas zu erleichtern, sind die folgenden Arten nach ihrem Vorkommen geordnet. Ich beginne mit den transandinen Arten aus Panama, Kolumbien und dem nordwestlichen Venezuela:
Dies ist offensichtlich die einzige Art der Characidiinae, die bis nach Mittelamerika vorgedrungen ist und das Tuira-Becken einschliesslich Rio Chucunaque in Panama bewohnt. Kommt wohl auch im Rio Atrato im angrenzenden Kolumbien vor. Bis 45 mm (SL?).
In Neodat II sind keinerlei Funde dieser Art enthalten. Die Typuslokalität befindet sich im Rio San Juan bei dem Ort Noanamá, auf der pazifischen Seite Kolumbiens. Der Holotypus, anscheinend das einzige bekannte Exemplar, erreicht eine Länge von 46,5 mm SL. Dem Autor zufolge hat das Tier einen dunklen Rücken, gelbliche Flanken, einen eher blassen Längsstreifen, der von 10 dunkleren Querbinden gekreuzt wird sowie den typischen Characidium-Fleck auf der Schwanzwurzel. Die Art soll Ch. caucanum stark ähneln, jedoch mit anderen Schuppenzahlen und nur zwei ungeteilten Dorsalstrahlen anstatt drei.
Oberer Rio Cauca (Kolumbien). Bis 51 mm (SL?). Männchen mit drei Längsstreifen in der oberen Körperhälfte, Weibchen mit 12-14 kurzen rautenförmigen Querbinden (Zarske, 1997).
Endemisch im oberen Rio Cauca (Kolumbien) oberhalb von Cartago. Eventuell auch im Einzug des Rio Atrato. Anscheinend selten und wenig bekannt.
Characidium chupa chupa Schultz, 1944
Characidium chupa torbesensis Schultz, 1944
Mindestens 78 mm SL. Die beiden ursprünglich von Schultz beschriebenen Unterarten stammen aus dem Maracaibo-Becken bzw. aus einem Quellfluss des Rio Apure (Orinoko-Becken) vom Südende der Cordillera de Merida bei Táriba. Buckup (1993b) fasst beide zusammen. Die Art kommt ferner am gesamten Ostrand der Cordillera vor, im Norden bis zur Karibikküste. In den sich östlich anschliessenden Höhenzügen entlang der Küste fehlen Nachweise bis auf eine Meldung aus der Umgebung von Maturin nahe des Deltas. Angebliche Funde aus dem oberen Rio Caroni gehören wohl zu einer anderen Art.
Es geht weiter mit den Arten des Guyanischen Schildes und des Amazonasbeckens:
longum Taphorn, Montana & Buckup, 2006
Venezuela. Sehr langgestreckte Art.
Characidium fasciadorsale Fowler, 1914
Über die Identität von C. zebra besteht noch viel Unklarheit, da Tiere, die dieser Art ähneln, in fast ganz Südamerika vorkommen. Da die Typuslokalität dieser Art im Maripicru Creek im Becken des Rio Branco (Guyana) liegt, werden von Buckup (1992) nur diejenigen Tiere als C. zebra bezeichnet, die aus den Einzügen von Rio Branco, Orinoco und Essequibo (einschl. Cuyuni) stammen, während er alle anderen Populationen C. cf. zebra nennt. Inwieweit die Populationen der linksseitigen Zuflüsse und der Llanos noch dazugehören, ist unklar. Bis 58 mm (SL?). Mit deutlich sichtbarem Schwanzwurzelfleck (Buckup, 1993b).
Laut Buckup et al. (2000) ruht diese Art mit erhobenem Vorderkörper nur auf die Bauchflossen gestützt. Beim Schwimmen im freien Wasser benutzt sie ebenfalls nicht die Brustflossen, sondern leistet den Vortrieb hauptsächlich mit den Bauchflossen. Vergleiche mit C. fasciatum und C. alipioi.
Characidium surumuense Steindachner, 1915
Characidium hasemani von Yukanopito Falls, oberer Essequibo River, Guyana.
© Mark Sabaj

Eine offenbar recht seltene Art, die aus dem oberen Rio Branco-Gebiet (Roraima) stammt und dort Stromschnellen bewohnt. Ein einzelner von Buckup identifizierter Fund wurde allerdings im Rio Itacaiuna, einem Zufluss des unteren Tocantins in Para gefangen, ebenfalls in einer Stromschnelle. Buckup (1993c) nennt ferner ein Exemplar von 50 mm SL aus dem Rio Cuyuni (Venezuela). Das oben abgebildete Exemplar stammt aus dem oberen Essequibo, so dass die Art vielleicht in allen Guyana-Ländern weiter verbreitet ist.
Körperbau abweichend. Längsbinde nicht durchgängig, sondern in einzelne Flecken aufgelöst, in Verbindung mit den Querbinden ergibt sich ein schachbrettartiges Muster.
Anscheinend kaum bekannte Art. Keine Nachweise in Neodat II. Typuslokalität ist der Rio Carsevenne, vermutlich in Amapá oder Pará im Nordosten Brasiliens gelegen. Ob das Tier im Aquarienatlas IV, S. 119 zu dieser Art gehört ist daher sehr zweifelhaft, da dort als Herkunft Kolumbien und Peru genannt sind. Géry (1965, p. 22) nennt als SL für den Holotypus 33,5 mm.
Typuslokalität ist der Igarapé Preto bei Belem am Dreiländereck Brasilien/Peru/Kolumbien. Laut Erstbeschreibung wurden die drei Typusexemplare in einem sehr kleinen, schattigen Bach (ohne Paracheirodon innesi) gefangen. Mit maximal 30,6 mm SL eine ziemlich klein bleibende Art. Isthmus beschuppt, Characidium-Fleck an der Schwanzflossenbasis vorhanden.
Offenbar sehr selten, da keine Nachweise in Neodat II. Wurde vielleicht auch häufig nicht erkannt oder fehlbestimmt.
Bisher nur aus Ecuador bekannt, und zwar aus den Einzügen von Rio Napo und Rio Putumayo, wo sie allerdings weit verbreitet ist. Es steht zu erwarten, dass sie auch im angrenzenden Kolumbien und Peru vorkommt.
Mindestens 48 mm TL. Die Typen (anscheinend nur noch der Lectotypus und ein Paralectotypus vorhanden) stammen aus dem Rio Ambiyacu am oberen Amazonas (Peru). Daneben scheint nur noch ein einzelnes Exemplar – gefangen 1865 – aus der Nähe von Tabatinga (Brasilien) bekannt geworden zu sein. Damit muss die Art z.Zt. als verschollen gelten.
Geryichthys sterbai Zarske 1997
Geryichthys gehört nach einer unveröffentlichten Untersuchung von Buckup & Weitzman zu Characidium.
Bereits in den Achtziger Jahren sind offenbar Exemplare dieser Art nach Deutschland importiert worden, wie ein Foto im Aquarienatlas II (S. 296, Aufl. von 1989) beweist. Die Art ist auch auf Lebendfotos recht leicht zu erkennen. Dies liegt an der ziemlich gedrungenen, hohen Gestalt, dem Fehlen einer Fettflosse, dem Fehlen eines Suborbitalflecks und der von 17-18 rautenförmigen Vertikalbinden überlagerten Längsbinde. Rückenflosse gross, stark gerundet. Die maximale SL beträgt ca. 34 mm.
Die Art ist bisher bekannt von zwei Fundorten ca. 150 km südwestlich von Pucallpa (Peru), dem Klarwasser führenden Rio Huacamayo bei Aguaytia und einem nahegelegenen Schwarzwasserbach, sowie aus der Umgebung von Iquitos. Der erstgenannte Fundort (Typuslokalität) führte leicht alkalisches Wasser (pH 7,8) bei einer Leitfähigkeit von 160 µS/cm. Ch. sterbai ist ein Bodenbewohner, der sich gerne nach Characidium-Art auf dem Boden ausruht, wie ein Foto von Ingo Seidel (in Evers, 1998c) sehr schön zeigt.
Microcharacidium geryi Zarske 1997
Laut Buckup & Weitzman (unpub.) gehört die Art zu Characidium.
Mit bis zu 24 mm SL einer der kleinsten Characidium. Besitzt eine recht schmale, von der Schnauzenspitze bis zur Schwanzwurzel reichende schwarze Längsbinde. Möglicherweise wurde die Art bereits früher für die Aquaristik eingeführt, denn in Sterba (1990, S.87) findet sich ein irrtümlich als Klausewitzia aphanes bezeichnetes Foto, das recht gut zur Originalbeschreibung passt.
Am Typusfundort scheint die Art recht häufig zu sein und bewohnt bevorzugt stark sonnenexponierte Bäche mit geringer Strömung, wo sie sich in Bodennähe aufhält. Das Wasser am Fundort war leicht alkalisch (pH 7,8) bei sehr geringer Leitfähigkeit (10 µS/cm).
schindleri Zarske & Géry, 2001
Diese neubeschriebene Art stammt aus den Yungas de Palmar, einer Landschaft am Fusse der Anden in Zentralbolivien, etwa 100 km Luftlinie nordöstlich von Cochabamba, die ichthyologisch bisher kaum erforscht ist. SL bis knapp 67 mm. Die Tiere besitzen eine Längsbinde in Körpermitte, darüber eine Reihe unregelmässiger Flecke und schliesslich eine weitere Längsbinde vom oberen Rand des Kopfes bis unter die Dorsale oder bis zur Fettflosse. Die für viele Characidium typischen Querbinden fehlen dagegen vollständig. Die Art soll in "Axelrods Atlas der Süsswasser-Aquarienfische" als C. timbuiensie abgebildet sein (nicht gesehen).
Die Erstbeschreiber halten C. timbuiense auch für den nächsten Verwandten von C. schindleri. Ich halte das für wenig wahrscheinlich, denn die Autoren geben keinen besonderen Grund für ihre Vermutung an, räumen aber selbst ein, dass der beschuppte Isthmus C. schindleri von C. timbuiense unterscheidet. Da diesem Merkmal von Buckup (1993c) grössere Bedeutung beigemessen wird, platziere ich C. schindleri nicht in der Nähe von C. timbuiense.
Die einzige bisher beschriebene Art aus dem nordöstlichen Brasilien ist:
Bis 40 mm SL. Nur im Bundesstaat Ceara, im Rio Jaguaribe, aber auch westlich davon bei Fortaleza.
Schliesslich die Arten des südöstlichen Brasilien sowie des Parana-Paraguay-Systems, von Norden nach Süden in der Reihenfolge ihrer Typuslokalitäten:
Diese Art ist bis heute nur von einem einzigen Fundort bekannt: dem Rio Soberbo, einem kleinen Fluss in der Nähe der Stadt Teresópolis im Bundesstaat Rio de Janeiro. Sie erreicht eine SL bis 64 mm.
Eine relativ neue Art aus Südbrasilien, und zwar aus Mittelläufen des oberen Rio Uruguay-Beckens (Santa Catarina, Rio Grande do Sul) mit felsigem und schlammigem Boden und mäßiger bis starker Strömung. Die Tiere werden bis 54 mm SL groß und unterscheiden sich von anderen Arten aus diesem Gebiet durch 10-14 schräg nach vorne gekippte Transversalbinden, grösstenteils unterhalb der Seitenlinie, das fast völlige Fehlen einer Längsbinde sowie (ähnlich wie bei C. pterostictum) durch eine gefleckte Schwanzflosse. Das Maul ist leicht unterständig.
Tiere, die vorläufig unter diesem Namen geführt werden, kommen in den meisten Teilen Südamerikas von Kolumbien bis Uruguay vor, stellen aber wahrscheinlich zahlreiche Arten dar. Die in Südbrasilien im Staate Rio Grande do Sul lebende Form erreicht, vergleichbar den meisten anderen Arten, Längen von bis zu 54 mm SL und bewohnt dort eine große Vielfalt von Habitaten (Buckup, 1992).
Diese bis 56 mm SL erreichende Art wurde Bella Vista in der Nähe von Encarnacion (Paraguay) am unteren Parana gefangen, und zwar in einem etwa 30 cm tiefen Bach mit milchig trüben Wasser, Grünalgenpolstern am Grund und grasartiger Ufervegetation.
Die Art ist möglicherweise nah verwandt mit C. borellii (sh. unten). In der Körpermitte verläuft ein bläuliches Längsband, zwei weitere dunkelbraune Binden verlaufen in der oberen Körperhälfte, die vom hinteren Rand des Kopfes bis unter die Rückenflosse bzw. bis zur Fettflosse verlaufen. Rückenflosse an der Basis mit einer schwarzgrauen Längsbinde. Querbinden fehlen; allerdings bilden dunkle Schuppenränder im oberen und hinteren Körperbereich ein Netzmuster. Das Zeichnungsmuster ähnelt also insgesamt etwas C. schindleri. Der Isthmus ist wie bei C. schindleri und C. borellii vollständig beschuppt, der Körper bei allen drei Arten seitlich zusammengedrückt.
Nanognathus borellii Boulenger, 1895
Das Verbreitungsgebiet dieser fast vergessenen Art markiert die südwestliche Grenze für das Vorkommen der Characidiinae. Der Holotypus - anscheinend das einzige Exemplar in Museumssammlungen – wurde von Géry et al. (2001) erneut beschrieben. Das Tier lässt eine Längsbinde und 10-11 Querbinden erkennen. Es hat eine SL von gut 67 mm und stammt vom Ostrand der Anden aus der Provinz Tucuman (Argentinien). Allerdings kommt die Art wohl auch darüberhinaus im Einzug des Rio Dulce vor. Der Rio Dulce mündet in die Laguna Mar Chiquita, einen abflusslosen See im Norden der Provinz Córdoba. Anscheinend kommt in diesem Flusssystem aber noch eine weitere Art vor (Géry et al., l.c.), deren Identität jedoch nicht klar ist.
Die Art ist eventuell mit C. schubarti verwandt (Géry et al., l.c.). Auch zu C. etzeli und C. schindleri könnten Verwandtschaftsbeziehungen bestehen (sh. dort). Diese vier Arten sollten einer vergleichenden Studie unterzogen werden, um etwaige Synapomorphien zu entdecken, die diese Vermutung bezüglich ihrer Verwandtschaft stützen könnten. In diese Analyse könnten dann noch weitere Arten des Parana-Paraguay-Beckens und der östlichen Andenabdachung, auch aus nördlicheren Gebieten, einbezogen werden. Vielleicht ergeben sich dann sogar Beziehungen zu Geryichthys sterbai, dessen phylogenetische Position ebenfalls noch nicht geklärt ist.
Eine Art ohne Herkunftsangabe möchte ich noch kurz gesondert vorstellen, und zwar wegen der zahlreichen Details, die darüber berichtet wurden:
sp. "Westhäuser III"
Diese bemerkenswerte Characidium-Art stellte unlängst Christian Westhäuser im BSSW-Report vor (Westhäuser, 2001). Anders als die anderen bekannten Arten - mit Ausnahme von C. rachovii - bewegen sich diese Fische im freien Wasser, wobei der Körper in einem Winkel von ca. 15° nach oben geneigt ist und die Flossen sehr schnell bewegt werden. Die Nacht verbringen sie allerdings auf dem Boden.
Es handelt sich bei den bis 60 mm grossen Fischen um ausgesprochene Augentiere, die nicht nur unbekannte Nahrung zunächst genau beäugen, sondern auch Vorgänge ausserhalb des Aquariums aufmerksam beobachten. Dementsprechend sind die Tiere nur so lange territorial, wie sie einander sehen können. Bei möglichen Balzspielen verschwindet die Längsbinde und die Tiere stimulieren sich gegenseitig durch Stösse im Kopf- und Genitalbereich. Ausserdem wird offenbar ein Balzplatz verteidigt.
Solche detaillierten Beobachtungen zum Verhalten sind gerade bei Characidium ausserordentlich wichtig, denn die Vertreter dieser äusserlich oft so uniform und einheitlich erscheinenden Gattung sind im Verhalten offenbar weitaus vielfältiger als bisher angenommen.
Und zum Schluss noch dies:
Die Anzahl von unbeschriebenen Arten in dieser Gattung ist so enorm gross und die Probleme bei der Identifizierung selbst der beschriebenen Arten derart komplex, dass ich ausnahmsweise darauf verzichte, alle unbeschriebenen Arten, von denen ich irgendwo gelesen habe, gesondert aufzulisten. Allein in Neodat II finden sich nahezu 30 verschiedene Bezeichnungen für unbestimmte oder unbeschriebene Characidium-Arten, die die Sammler oder Museumsmitarbeiter einfach durchnumeriert (sp.1, sp.2 usw.), mit Buchstaben versehen (sp. A, sp. B usw.) oder mit Phantasienamen belegt haben. Viele davon mögen sich auf bereits beschriebene Arten beziehen und andere mehrfach für unbeschriebene vergeben worden sein. Unter diesen Umständen ist es sicherlich vorrangig, die bereits wissenschaftlich beschriebenen Arten endlich sicher identifizieren zu können !
Gute Fotos von nicht näher bestimmbaren Characidium gibt es z.B. in Sterba (1990, S. 88), im Aquarienatlas I (S. 315 oben), Aquarienatlas II (S. 295), Aquarienatlas IV (S. 119-122) und im Aquarienatlas VI (S. 106-109).
Zwei Arten, vorläufig als Characidium sp. "Rotpunkt" und Characidium sp. "Kaffeekopf" bezeichnet, stellt Schraml (2005) vor.