Characidium    Reinhardt, 1867

Chorimycterus    Cope, 1894

für Chorimycterus tenuis

Nanognathus    Boulenger, 1895

für Nanognathus borellii

Poecilosomatops    Fowler, 1906

für Characidium etheostoma

Jobertina    Pellegrin, 1909

für Characidium (Jobertina) interruptum

Microcharax    Eigenmann, 1909

für Nannostomus lateralis

Geryichthys    Zarske, 1997

für Geryichthys sterbai

 

 

Mehr als die Hälfte aller Arten gehört in diese Gattung, deren Vertreter überall in Südamerika von Panama bis Argentinien vorkommen und zu der darüberhinaus noch viele unbeschriebene Arten gehören. Sie stellen die einzigen Vertreter der Characidiinae nördlich und westlich der Anden sowie südlich des Amazonasbeckens. Bei einigen Arten kommt ein leichter Sexualdimorphismus vor. Für sieben Arten aus Südbrasilien geben Buckup & Reis (1997) einen Schlüssel. Ein gemeinsames Merkmal vieler – aber nicht aller – Arten ist ein schwarzer Fleck an der Basis der mittleren Schwanzflossenstrahlen.

Eine interessante Frage ist die nach dem Status von Jobertina. Géry (1977) führt zwei Gruppen in dieser vermeintlichen Gattung an, von denen die nördliche um J. eleotrioides wohl identisch ist mit Microcharacidium. Die südliche Gruppe enthält bei ihm vier Arten, die allesamt dem Clade C4 (sensu Buckup, sh. unten) oder der Rachovii-Gruppe angehören. Sollte die bereits jetzt sehr grosse Gattung Characidium eines Tages aufgespalten werden und sich die beiden Gruppen zusammen als Monophylum erweisen, könnte die Gattung Jobertina durchaus wiederbelebt werden. Gemeinsam ist den Mitgliedern beider Gruppen immerhin, dass es sich eher um freischwimmende Arten handelt und nicht so sehr um strenge Bodenbewohner wie die anderen Characidium, mit stärker seitlich zusammengedrücktem Körper, schräger angesetzten Brustflossen und meistens einem deutlichen Längsband.

Eine phylogenetische Gliederung ist bisher noch nicht möglich; jedoch kann man einige vermutlich monophyletische Gruppen unterscheiden (Buckup, 1993c), darunter die folgende:

 

Fasciatum-Gruppe (Clade C2, Buckup, 1993c). Neben charakteristischen Schädelmerkmalen vor allem durch einen nackten Isthmus gekennzeichnet. Bei mehreren Arten erstreckt sich dieser unbeschuppte Bereich bis zwischen die Brustflossen. In der Analyse von Buckup (l.c.) fehlen die Arten C. macrolepidotum und C. grajahuense, diese werden aber von mir wegen der nackten Brust hier angeschlossen:

 

boaevistae    Steindachner, 1915

Characidium fasciatum var. boaevistae    Steindachner, 1915


Typuslokalität dieser Art ist der Rio Branco (Brasilien). Neodat II enthält jedoch merkwürdigerweise nur Nachweise aus Venezuela, so aus dem Rio Caura und dem oberen Orinoko. Die allermeisten stammen aber aus dem oberen Apure-Einzug und dem Rio Portuguesa, so dass man vermuten darf, dass es sich bei diesen eher um C. voladorita handelt. Möglicherweise sind aber auch C. boaevistae und C. voladorita konspezifisch, wie Buckup (1993b) schon vermutet hatte. Die scheinbare Seltenheit der Art auf dem Guyanischen Schild ist dennoch bemerkenswert.

Mit purpurn bis violett getönter Grundfärbung.

 

voladorita    Schultz, 1944


Bis 39 mm SL. Aus dem Maracaibo-Becken in Venezuela beschrieben. Inwieweit die Art auch ausserhalb des Maracaibo-Beckens vorkommt, ist noch nicht klar. Jedenfalls liegen Funde unter diesem Namen auch aus dem Quellgebiet des Apure, aus dem Oberlauf des Rio Meta und aus dem unteren Rio Atrato (die letzten beiden Kolumbien) vor.

Buckup (1993b) betrachtete die Art als Synonym zu C. boaevistae. Presswell et al. (2000) schlugen jedoch vor, aufgrund der grossen Entfernung der Typuslokalitäten voneinander und wegen des Fehlens eines detaillierten morphologischen Vergleichs C. voladorita vorläufig weiter als Art zu behandeln, eine Auffassung, der ich hier vernünftigerweise folge. Wie oben angedeutet, erschwert dies allerdings die Zuordnung von Funden der neueren Zeit, die häufig pauschal als C. boaevistae bezeichnet wurden. Die Verbreitungsangaben zu beiden Arten – wenn sie denn verschieden sind – haben also sehr provisorischen Charakter.

 

bolivianum    Pearson, 1924


Bis 55 mm SL. Nur in einem sehr schmalen Streifen am Ostrand der Anden in Bolivien, in den Oberläufen von Rio Mamoré und Rio Beni. Angeblich auch im Marañon in Peru. Mit purpurn bis violett getönter Grundfärbung.

 

fasciatum    Reinhardt, 1867


Bisher wurden fast alle Characidium-Vertreter pauschal als C. fasciatum bezeichnet. Laut Buckup (1992) kommt die Typusart der Gattung jedoch nur in einem begrenzten Gebiet Südostbrasiliens vor, und zwar in den Einzügen des Rio das Velhas (Rio Sao Francisco-System) – wo sich bei der Stadt Lagoa Santa die Typlokalität befindet – und der Rios Paranaiba, Grande und Tiete, die alle in den Rio Parana münden. Die meisten der bisher als C. fasciatum bezeichneten Tiere sind danach C. cf. zebra. Die echten C. fasciatum erreichen eine SL von bis zu 53 mm.

Bei Characidium haben offenbar die Jungtiere bis etwa 33 mm SL eine weitaus deutlichere Vertikalbänderung als die Adulten, so daß bei Beschreibung und Bestimmung die Größe zu berücksichtigen ist. Adulte haben dagegen als konservierte Tiere eine bräunliche Grundfärbung. Möglicherweise entspricht diese im Leben einer purpurnen bis violetten Tönung. Unterscheidet sich von C. gomesi durch die völlig ungezeichneten Caudale, Anale und Bauchflossen und von C. boaevistae durch die höhere Zahl von Schuppen in der Seitenlinie. Äussere Unterschiede zu C. bolivianum sind mir nicht bekannt; allerdings lebt diese Art weit entfernt von C. fasciatum. Ein wichtiges Merkmal in der Hand zur Unterscheidung von C. cf. zebra ist der bis zu den Brustflossen nackte Isthmus (der bauchseitige Bereich zwischen den Kiemendeckeln).

Praktisch alle der in der Literatur abgebildeten, als C. fasciatum bezeichneten Tiere gehören zu anderen, meist nicht näher zu identifizierenden Arten. Das einzige mir bekannte Lebendfoto (von Evers in Ott, 2000), das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diese Art darstellt, zeigt ein Exemplar, das nahe der Typuslokalität gefangen wurde und eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem in Buckup (1992) abgebildeten Lectotypus hat. Entgegen der Feststellung von Ott sind bei genauem Hinschauen drei ungeteilte Dorsalstrahlen erkennbar, der erste weniger als halb so lang wie der dritte. Beachte auch die Körperhaltung, bei der der Fisch auf Brust- und Bauchflossen ruht, im Gegensatz zu C. alipioi (sh. dort).

Reinhardt (1866, cit. in Buckup et al. 2000) berichtete schon in der Erstbeschreibung davon, dass diese Art an senkrechten Pfählen aus dem Wasser herausklettern kann, eine Fähigkeit, die sie womöglich mit allen Mitgliedern der Gattung mit einem nackten Isthmus teilt. Sh. C. timbuiense.

 

gomesi    Travassos, 1955


Bisher nur aus Rio Grande, Tiete und Paranapanema (oberer Paraná-Einzug) in Sao Paulo und Paraná bekannt. Teilweise mit C. fasciatum sympatrisch. Bis 46 mm SL.

Diese Art besitzt ZZ/ZW-Geschlechtschromosomen (Centofante et al. 2003). Allerdings sind bei verschiedenen Populationen unterschiedliche Chromosomenpaare zu solchen Geschlechtschromosomen umgebildet. Hier sind weitere Untersuchungen nötig. Eventuell sind zwei Arten involviert. 

 

purpuratum    Steindachner, 1882


Oberes Amazonasbecken, in den Einzügen der Rios Napo und Pastaza (bis 450 m Höhe) in Ecuador und in den Einzügen von Rio Huallaga und Ucayali (Peru), dort bis in die Andenlängstäler vordringend (z.B. im Parque Nacional Tingo Maria an der Strasse Pucallpa-Huanuco). Mit purpurn bis violett getönter Grundfärbung. Bis 45 mm SL.

 

macrolepidotum    (Peters, 1868)

Leporinus macrolepidotus    Peters, 1868


Der Holotypus von „Rio de Janeiro“, das einzige bekannte Exemplar von gut 60 mm SL, wurde von Géry, Zarske & Paepke (2001) erneut beschrieben. Obwohl einige für die systematische Einordnung kritische Schädelmerkmale an dem Holotypus nicht untersucht werden konnten, spricht der vom Isthmus bis zwischen die Brustflossen reichende unbeschuppte Bereich ebenso wie das im Grossen und Ganzen C. fasciatum ähnelnde Zeichnungsmuster dafür, die Art hier einzuordnen. Charakteristisch sind eine schmale, scharf konturierte Längsbinde und eine schwarze Binde, die schräg über die Rückenflosse verläuft.

 

grajahuense    Travassos, 1944


Nur in einem kleinen Gebiet im Bundesstaat Rio de Janeiro. Eventuell auch im Rio Iguape im äussersten Süden von Sao Paulo. Nach Géry et al. (2000) ebenfalls mit einem nackten Bereich vom Isthmus bis zwischen die Brustflossen; daher nehme ich vorläufig eine Einordnung in diese Gruppe an.

Ein Foto im Aquarienatlas VI, S. 105, zeigt diese Art. Die Querbinden in Form auf dem Kopf stehender spitzwinkliger Dreiecke sowie die Bänderung von Schwanz- und Rückenflosse sorgen für ein attraktives Aussehen.

 

Die nächsten drei Arten sind eventuell wegen des unbeschuppten Isthmus mit der vorangegangenen Gruppe nahe verwandt (Buckup & Reis, 1997: S. 545); ihnen gemeinsam sind Flecken auf der Schwanzflosse. Allerdings kommt ein unbeschuppter Isthmus auch innerhalb des Clades C4 vor und die Ausdehnung des nackten Bereichs ist bei den folgenden Arten unterschiedlich.  Speziell bei C. alipioi halte ich es für fraglich, ob die Art hier einzuordnen ist :

 

alipioi    Travassos, 1955


Endemisch im Einzug des Rio Paraiba do Sul in Rio de Janeiro, Minas Gerais und Sao Paulo.

Wahrscheinlich zeigt ein Foto von Evers (in Ott, 2000) diese Art. Es handelt sich offenbar um einen Wildfang aus dem Canal Mato Grosso (Rio de Janeiro). Beachte die gefleckte Schwanzflosse und die Körperhaltung! Der Fisch auf dem Foto stützt sich bei angehobenem Vorderkörper nur auf die Bauchflossen auf. Nach Buckup et al. (2000) soll jedoch gerade diese Haltung ein Kennzeichen der Characidium-Arten mit beschupptem Isthmus sein! Aquarianer sollten verstärkt auf solche Bewegungsweisen und Körperhaltungen achten, da sie sich sowohl für ökologische als auch stammesgeschichtliche Überlegungen als wertvoll erweisen könnten.

Auch das Foto im Aquarienatlas VI, S. 103, zeigt wohl diese Art.

 

timbuiense    Travassos, 1946


Bis 56 mm SL. Bisher praktisch nur von der Typserie aus dem Rio Timbui (Espirito Santo), nördlich des Rio Doce, und ein paar weiteren Exemplaren, ebenfalls aus Espirito Santo, bekannt. Einzige Ausnahme ist ein Lot von 6 Exemplaren aus dem Rio Doce (Minas Gerais), auch nicht weit entfernt davon.

Buckup et al. (2000) berichten über ein erstaunliches Verhalten, das sie bei C. cf. timbuiense an einem Fundort rund 50 km nordwestlich von Vitória (Espirito Santo) beobachten konnten. Diese Tiere, die ein etwas regelmässigeres Zeichnungsmuster aufweisen als Tiere von der Typuslokalität (evtl. weil es sich um Jungtiere handelt?, sh. unten), wurden dabei beobachtet, wie sie einen ca. 15 m hohen Wasserfall erklommen. Mit breit abgespreizten Brust- und Bauchflossen „klebten“ die Fische an der feuchten Felswand neben dem eigentlichen Wasserfall und bewegten sich mit Sprüngen von meist weniger als 10, manchmal aber auch bis zu 20 cm Weite langsam nach oben. Da sie jedoch zwischen den einzelnen Sprüngen Pausen von 1-5 min einlegten, benötigten sie für die gesamte Höhe des Wasserfalls 3-4 Stunden. Eine beachtliche Leistung für die nur 2,5-4,5 cm langen Tiere! Nach Angaben von Einheimischen soll dieses Verhalten während des dortigen Sommers regelmässig zu beobachten sein.

Die Autoren sehen dieses Verhalten in Zusammenhang mit dem besonderen Lebensraum dieser Fische. Die Küstenzuflüsse des südöstlichen Brasilien weisen je nach Jahreszeit eine stark schwankende Wasserführung auf. Nicht selten kommt es nach heftigen Regenfällen zu Sturzfluten, denen immer wieder sogar Menschen zum Opfer fallen. Fische (oder ihre Eier und Larven), die diese Gewässer bewohnen, werden dabei wohl nicht selten die Wasserfälle hinunter gespült. Sofern sie dies überleben, dürfte die Fähigkeit, Wasserfälle zu erklimmen, die Voraussetzung dafür sein, dass die Oberläufe der Flüsse wieder besiedelt werden können. Da die beobachteten Tiere erheblich kleiner waren als ausgewachsene C. timbuiense, sind es womöglich überwiegend Jungtiere, die abwärts verdriftet werden und dann den Wiederaufstieg bewältigen müssen.

Anmerkung: In der Erstbeschreibung von C. schindleri bilden Zarske & Géry (2001) einen C. cf. timbuiense ab, der aus den östlichen Andenvorbergen Boliviens stammt. Wegen der grossen Entfernung von der Typuslokalität handelt es sich sehr wahrscheinlich aber um eine andere Art.

 

pterostictum    Gomes, 1947


Diese mittelgroße Art ist innerhalb ihres Verbreitungsgebietes an der gefleckten Schwanzflosse von den anderen Characidium-Arten außer C. serrano zu unterscheiden. Sie erreicht Längen bis zu 74 mm SL und lebt in Küstenzuflüssen von Uruguay nordwärts bis ins Gebiet des Ribeira de Iguape im Staate Sao Paulo und im Einzug des Rio Uruguay, auch in Argentinien (Misiones), für gewöhnlich in Bächen mit schnellfließendem Wasser (Buckup & Reis, 1997). Anscheinend auch im südlichen Paraguay (Rio Tebicuary, Rio Paraguay-Becken).

Anmerkung: Buckup & Reis (2000) behaupten auf S. 538, die Art besässe einen vollständig beschuppten Isthmus. Auf S. 545 findet sich jedoch zweimal die Angabe, dass die Art wegen eines nackten Isthmus in den Clade C1 sensu Buckup (1993b) einzuordnen sei. Ich vermute, dass die Angabe auf S. 538 einen Irrtum darstellt.

 

Auch die nächsten beiden Arten gehören in die Nähe der Fasciatum-Gruppe (Clade C3, Buckup, 1993c). Sie ähneln äusserlich Melanocharacidium depressum und pectorale und sind wie diese spezialisierte Stromschnellenbewohner. Häufig werden sie in Beständen von Wasserpflanzen der Familie Podostemaceae gefangen, die ebenfalls typisch für Stromschnellen sind (Buckup et al. 2000). Tins (1982) und seine Expedition beobachteten und fotografierten einen wahrscheinlichen Vertreter dieser Artengruppe direkt an der Abrisskante eines Wasserfalls im Gebiet des Rio Ventuari (oberes Orinoko-Gebiet, Venezuela), wo sie bei Strömungsgeschwindigkeiten von mehr als 2 m/s förmlich an den Felsen zu kleben schienen. Ihnen fehlt – im Gegensatz zu den meisten anderen Arten – der schwarze Schwanzwurzelfleck:

 

crandellii    Steindachner, 1915


Bis 66 mm SL. Quellregion des Rio Branco (Roraima), Rio Negro aufwärts (einschliesslich Rio Uaupes) bis zum Orinoko, dort im Rio Ventuari, abwärts eventuell bis Caicara und dort vielleicht sogar in linksseitigen Zuflüssen. Im Amazonasgebiet ferner in Rio Uatuma und Rio Trombetas. Im Osten bis zum Rio Araguari (Amapá), dort in Igarapés. Südlich schliesslich im Tapajós bis hinauf nach Mato Grosso (Rio Peixoto, Rio Sao Manuel-Einzug).

 

declivirostre    Steindachner, 1915


Bis 47 mm SL. Ursprünglich aus dem Rio Caroni in Venezuela beschrieben. Ferner im Rio Caura sowie in den rechtsseitigen Zuflüssen des mittleren und oberen Orinoko. In Neodat II nur drei, jedoch von Buckup identifizierte, Nachweise ausserhalb dieses Gebiets: einer von Sao Gabriel am oberen Rio Negro, die anderen beiden aus dem oberen Einzug des Tapajós in Mato Grosso. Wie viele Stromschnellenbewohner ist also auch wohl diese Art in geeigneten Lebensräumen im gesamten Amazonasbecken zu erwarten.

Mit einem Muster dunkler Flecken, die abwechselnd ober- und unterhalb der Längsbinde liegen.

 

Die folgenden drei Arten bilden den Clade C4 nach Buckup (1993c). Zu ihm gehört mit C. interruptum auch die Typusart von Jobertina. Angaben in Buckup (1993b) deuten darauf hin, dass auch C. lagosantense und C. laterale, eventuell sogar C. japuhybense (sh. aber Buckup & Reis 1997)  in diese Verwandschaft gehören könnten. Zumindest für C. laterale bezweifele ich dies, da diese Art offenbar ein echter Bodenbewohner ist, während die „Jobertina“-Arten eher freischwimmend sein sollen:

 

bahiense    Almeida, 1971

Characidium (Jobertina) bahiensis    Almeida, 1971


Bisher nur von der Typuslokalität bekannt, einer temporären Lagune an der Küste von Bahia bei Arembepe, ferner von einer weiteren Fundstelle in Bahia und vom oberen Rio Sao Francisco in Minas Gerais.

Mit deutlich sichtbarem Schwanzwurzelfleck (Buckup, 1993b). Eine der kleinsten Characidium-Arten, bereits ab 16 mm SL geschlechtsreif, maximale SL 23,3 mm (Weitzman & Vari, 1988, noch kleiner bleibt wohl C. heinianum).

 

interruptum    Pellegrin, 1909

Characidium (Jobertina) interruptum    Pellegrin, 1909

Characidium (Jobertina) dubia    Travassos, 1952


Offenbar endemisch in einem begrenzten Gebiet des Rio Macacu im Bundesstaat Rio de Janeiro. Bis 31 mm SL.

Die Art wird im Aquarienatlas VI, S. 105 und 106, abgebildet. Dort wird auf den schnellen Farbwechsel hingewiesen, zu dem die Tiere fähig sind. Auf den Fotos fällt die für einen Characidium recht hohe Rückenflosse auf , besonders bei dem Männchen.

 

lanei    Travassos, 1967


In küstennahen Gewässern der Bundestaaten Sao Paulo und Paraná, von Ubatuba (nordöstlich von Sao Paulo) bis Paranagua, eventuell auch noch in Santa Catarina.

Diese Art unterscheidet sich von der vorherigen offenbar nur durch die vollständige Seitenlinie. Bis 46 mm SL.

 

lagosantense    Travassos, 1947


Die Typuslokalität ist – wie der Name schon sagt – die Lagoa Santa (Minas Gerais) im Einzug des Rio das Velhas (oberer Rio Sao Francisco-Einzug). Auch in anderen Zuflüssen des Rio das Velhas. Anscheinend auch im Rio Paraiba do Sul bei Sao Paulo (Sao Paulo). Bis 28 mm SL.

 

laterale    (Boulenger, 1895)

Nanostomus lateralis    Boulenger, 1895


Bis 28 mm SL. Becken des Rio Paraguay in Zentral-Paraguay sowie Mato Grosso do Sul und Mato Grosso. Funde aus Ecuador (Rio Aguarico) sind sicherlich fehlbestimmt. Auch eine Verwechlung mit Ammocryptocharax lateralis dürfte nach bisherigem Wissen hierfür ausscheiden.

Hoffmann & Hoffmann (2001b) pflegten wahrscheinlich diese Art im Aquarium und vermehrten sie auch. Ihre Tiere erreichten eine maximale TL von 33 mm bei den Weibchen, die Männchen waren etwas kleiner. Nach ausgiebigem Wasserwechsel legten die Weibchen bis zu 300 Eier ab (ob alle von einem einzigen Weibchen?). Die Autoren stellten auch fest, dass sich die Fische unter anderem von Gehäuseschnecken ernähren, die sie offenbar aus ihren Gehäusen herausziehen können. Wie auf den ausgezeichneten Fotos zu sehen ist, ruhen die Tiere auf Brust- und Bauchflossen.

 

Unter Vorbehalt füge ich hier die folgende neubeschriebene Art an, da zumindest die Autoren sie für einen Verwandten der Rachovii-Gruppe halten, aber auch eine Verbindung zur vorherigen Gruppe möglich ist:

 

stigmosum    Melo & Buckup, 2002


Mit SL von bis zu 42,5 mm und TL bis 52,7 mm eine eher kleinere Art von recht gedrungener Gestalt. Bisher nur bekannt aus Zuflüssen des rio das Almas, einem Quellfluss des Tocantins am Nordhang der Chapada dos Veadeiros im Norden von Goiás.

Bestes Kennzeichen sind die schwarzen Markierungen oder Flecken auf den Flanken, die den meist schwachen Transversalbinden überlagert sind. In der vorderen Körperhälfte bis zur Rückenflosse kommt auf jede Binde ein solcher Fleck in der oberen Körperhälfte, im hinteren Teil je zwei Flecken in der Art eines Doppelpunktes (:). 9-11 Querbinden, keine auffällige Längsbinde. Der typische Characidium-Fleck auf der Schwanzwurzel fehlt ebenso wie die Adipose. Seitenlinie unvollständig, Isthmus beschuppt.

Männchen mit im äusseren Teil auffallend dunkel gefärbten Rücken-, After-, Brust- und Bauchflossen. In der Rückenflosse ein weiteres dunkles Band näher zur Basis. Flossenfärbung umso intensiver, je grösser die Männchen sind.

 

Eine weitere vermutlich monophyletische Gruppe besteht aus den folgenden vier Arten. Allen sind die rundlichen Flecken auf Bauch-, Rücken- und – der bei Männchen vergrösserten – Afterflosse gemeinsam.:

Rachovii-Gruppe:

 

occidentale    Buckup & Reis, 1997


Diese Art wurde aus linksseitigen Zuflüssen des mittleren Rio Uruguay im Staate Rio Grande do Sul beschrieben, mittlerweile aber auch im Einzug der Lagoa dos Patos nachgewiesen (Neodat II). Die Typuslokalität ist ein kleiner Klarwasserbach mit geringer bis mäßiger Strömung und einem mit lockeren Steinen und z.T. mit Schlammablagerungen bedeckten Boden, der von niedriger Ufervegetation begleitet wird. Die Art besitzt auf dem vorderen Teil der Afterflosse nur ein bis zwei auffallend grosse Flecken und weitere kleinere im hinteren Teil. Auf der Rückenflosse bilden die Flecken dagegen ein durchgehendes Band. Die SL beträgt bis zu 48 mm.

 

orientale    Buckup & Reis, 1997


Eine ebenfalls noch nicht lange bekannte Art, die bisher nur aus Zuflüssen der Lagoa dos Patos und der Lagoa Mirim (Rio Grande do Sul) bekannt ist. C. orientale hat kleinere Flecken auf der Afterflosse als die vorangegangene Art und kein durchgehendes Band in der Rückenflosse. Wichtigster Unterschied zu C. rachovii ist die durchgehende Seitenlinie. Die Art wird mit bis zu 54 mm SL etwas größer und bewohnt ähnliche Gewässer wie C. occidentale. Zumindest von Dezember bis Januar weisen die Männchen eine kräftig orangene Färbung in allen Flossen (in der Schwanzflosse schwächer), an der Unterseite des Kopfes und zwischen den Brustflossen auf. Bei ihnen sind auch die Flecken auf Dorsale und Anale deutlich intensiver als bei den Weibchen. Lebensraum der Art sind kleine Bäche mit geringer bis mässiger Strömung und einem Untergrund aus Schlamm, Sand und lockeren Steinen.

Die Erstbeschreiber erwähnen zwei Exemplare, die z.T. grösser als die Exemplare der Typserie sind (bis 63 mm SL), dunkler und verwaschener gefärbt sind und grössere, stärker gerundete Flossen aufweisen. Die Bedeutung dieser Unterschiede kann jedoch noch nicht beurteilt werden.

 

rachovii    Regan, 1913

Characidium (Jobertina) rachovii    Regan, 1913

Characidium (Jobertina) theageri    Travassos, 1952


Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Arten hat C. rachovii nur eine unvollständige Seitenlinie. Auch ihr Lebensraum (Sümpfe und sumpfige Bäche mit dichter Unterwasservegetation oder über ausgedehnten Sandflächen) unterscheidet sie von den anderen drei Arten dieser Gruppe. Die nachgewiesene Grösse liegt bei nur 40 mm SL, doch erreicht die Art zumindest im Aquarium wohl Längen bis 70 mm TL.

C. rachovii ist verbreitet in den Einzügen des Rio Tramandaí, der Lagoa dos Patos und der Lagoa Mirim, des Rio Uruguay und des unteren La Plata und Paraná (bis Resistencia, Argentinien) in Rio Grande do Sul, Uruguay und Argentinien. Ringuelet et al. (1978) berichten von einem weiteren Vorkommen südlich des La Plata bei der Stadt La Plata. Meldungen von Paranaguá (Bundesstaat Paraná) (USNM 298000), wo früher die Typuslokalität vermutet wurde (tatsächlich zwischen der Lagoa dos Patos und der Lagoa Mirim), werden von Buckup & Reis (1997) bestritten.

Diese Autoren weisen ferner auf Färbungsunterschiede der Population des Rio Quarai hin. Dieser Zufluss des Rio Uruguai bildet die Grenze zwischen Brasilien und Uruguay. Den dortigen Tieren fehlen weitgehend die vertikalen Binden, während die Längsbinde dunkler, breiter und schärfer begrenzt ist. Diese Unterschiede sind auf dem Foto in jenem Aufsatz deutlich erkennbar.

Auf dem Foto eines C. rachovii aus Argentinien von Evers in Ott (2000) wiederum ist die Längsbinde ebenfalls sehr scharf begrenzt, aber deutlich schmaler, genau wie auf der Abbildung in Ringuelet et al. (l.c.).

Schliesslich und endlich zeigt das Foto im Aquarienatlas I, S. 315 ein Tier mit einer nocheinmal sichtbar schmaleren Längsbinde. Offenbar ist die geografische Variation innerhalb dieser Art komplizierter als bisher bekannt und verdient weitere Untersuchungen.

Die Bauchflossen der Männchen sind länger als die der Weibchen und reichen bis zum Ansatz der ebenfalls größeren Afterflosse. Dieses Merkmal ist auf den Fotos von Staeck (2001) sehr gut zu sehen (dort auch Fotos weiterer, unbestimmter Arten).

 

Characidium rachovii. Hier ein Tier mit einer vergleichsweise schmalen
Längsbinde. Die sehr langen Bauchflossen deuten auf ein Männchen hin.

 

© aqualog-Verlag

 
Characidium rachovii

 

 

 

sp. aff. „rachovii“


Eine bisher noch unbeschriebene Art aus diesem Komplex stellten Hoffmann & Hoffmann (2001b) ausführlich in Farbfotos vor. Mit einer maximalen TL von 42 mm bei den Weibchen und 40 mm bei den Männchen blieben die Tiere kleiner als C. rachovii, die den Autoren zufolge zumindest im Aquarium TL von 70 mm erreichen können (sh. auch oben). Unterschiede in der Färbung gehen aus den ausgezeichneten Fotos hervor, wobei auf die nur undeutlich sichtbaren Flecken in Dorsale und Anale hinzuweisen ist.

Die Autoren konnten die Art nachzüchten. Es handelt sich offenbar um einen Haftlaicher, der seine Eier an Fadenwurzeln von Schwimmpflanzen anbringt. Die Eier besitzen dafür offenbar ein spezialisiertes Haftorgan. In einem Nachtrag konnten Hoffmann & Hoffmann (2001c) dieses Haftorgan auch fotografisch dokumentieren. Derartige Informationen könnten sich für die systematische Einordnung als wertvoll erweisen, da es sich bei solchen Eistrukturen sicherlich um abgeleitete Merkmale handelt. Aquarianer sollten weit mehr als bisher auf solche Details achten und sie veröffentlichen!

Diese Art frass übrigens – im Gegensatz zu C. laterale – keine Schnecken.

 

vestigipinne    Buckup & Hahn, 2000


Auch dieser kürzlich beschriebene Bodensalmler zeigt seine nahe Verwandschaft zu Ch. rachovii durch rundliche schwarze Flecken in Bauch-, Rücken und Afterflossen. Die Fettflosse ist dagegen verkümmert oder fehlt ganz. Abgesehen davon kaum charakteristische Kennzeichen, die grösste Ähnlichkeit besteht offenbar zu C. orientale. Wie bei den anderen Arten dieser Gruppe (auch C. rachovii?) sind vor allem bei den Männchen die Flossen orange-rötlich getönt. Es ist aber noch nicht bekannt, ob dieses Merkmal saisonal veränderlich ist, d.h. eventuell nur zur Laichzeit auftritt. Die Typen von C. vestigipinne wurden im Mai gesammelt, also in der – dort – kälteren Jahreshälfte.

Die Art ist bisher nur von der Typuslokalität bekannt, einem Zufluss des Passo Fundo (Rio Uruguay-System) in Rio Grande do Sul. Der Fundort ist ein winziger Quellbach, 2 m breit und nur 150 m lang, der auf 650 m über Meereshöhe durch einen Araukarien-Hain fliesst.

Mit bis zu 51 mm SL eine mittelgrosse Characidium-Art.


(Fortsetzung nächste Seite)