Neolebias Steindachner, 1894
Rhabdaethiops Fowler, 1936
für Nannaethiops tritaeniatus
Congocharax Matthes, 1964
für Hemigrammocharax olbrechtsi
Micraethiops Daget, 1965
für Neolebias ansorgii
Dundocharax Poll, 1967
für Dundocharax bidentatus
Eine Reihe von Arten dieser Gattung wurden schon im Aquarium gepflegt. Alle sind Kleintierfresser, die ihre Nahrung am Boden oder an Wasserpflanzen suchen. Die Seitenlinie ist bei allen Arten unvollständig.
Die Gattungen Congocharax und Dundocharax, die von vielen Autoren unterschieden werden, sind nach Vari (1979) Synonyme von Neolebias. Würde man diese beiden Gattungen aufrechterhalten, so wäre Neolebias nicht mehr monophyletisch und man müßte auch Rhabdaethiops und Micraethiops wiederbeleben sowie mindestens einen weiteren Gattungsnamen erschaffen, um wieder monophyletische Gattungen zu erhalten. Ich folge daher Vari (1979) und bleibe bei Neolebias.
Zaire- und Nil-Becken, Küstenzuflüsse von Süd-Kamerun bis Mayumba (Gabun), 43 mm SL, 53 mm TL. Unterscheidet sich von N. unifasciatus durch das Vorhandensein einer Fettflosse und einen etwas breiteren Längstreifen. Dieser verläuft unterhalb der Körperlängsachse, was besonders auf dem Schwanzstiel auffällt, und ragt nur ein wenig auf die Schwanzflosse. Foto im Aquarienatlas IV, S. 55/56.
Neolebias trewavasae. Männchen. Beachte die in der unteren Hälfte
des Schwanzstiels verlaufende Längsbinde, die nicht bis zum Ende
der Schwanzflossenstrahlen reicht.
© aqualog-Verlag

Neolebias trewavasae. Weibchen. Vergleiche mit Männchen.
© aqualog-Verlag

unifasciatus Steindachner, 1894
Neolebias unitaeniatus Boulenger, 1899
nicht verfügbar
Neolebias univittatus Boulenger, 1899
nicht verfügbar
Nannaethiops angustolinea Nichols, 1923
Nannocharax shariensis Fowler, 1949
Die Unterscheidung dieser Art von Nannaethiops unitaeniatus ist nicht einfach. Praktisch alle Abbildungen in der Aquarienliteratur zeigen letztere Art. Auch das bisher hier im Salmlernetz gezeigte Foto ist wohl N. unitaeniatus, ebenso das Foto im Aquarienatlas IV, S. 55. N. unifasciatus besitzt jedoch eine Längsbinde, die sich nicht bis auf die Schwanzflosse erstreckt, sondern in einem schwarzen Fleck auf dem Schwanzstiel endet. Ein Foto von D. Bork in Géry & Zarske (2003) zeigt dagegen den echten N. unifasciatus. Dieser ist zudem deutlich gestreckter, mit spitzer Schnauze und grossem Auge. Adipose fehlt meist. 42 mm SL, 53 mm TL.
Westafrikanische Flüsse, westlich bis Gambia, gesamtes Nigerbecken aufwärts bis Guinea, ostwärts bis Tschad-Becken, Ubangi, Sangha (Kongo), Ogowe (Gabun). Roloff (1969) traf die Art in Sierra Leone in grösseren Schwärmen in Ufernähe von schattigen Bächen an. 1965 fand er Massenansammlungen halbwüchsiger und fast verhungerter N. unifasciatus von 15 bis 18 mm Länge in einem austrocknenden Bachlauf im Kasewe Forest, wo sie den grösseren Epiplatys bifasciatus als Nahrung dienten. Pinter erhielt 1950 vier Tiere aus Gambia (Pinter 1954), die er für Nannaethiops unitaeniatus hielt. Bei seinen Männchen war jedoch die untere Hälfte des Schwanzstiels rot gefärbt, bei N. unitaeniatus ist es die obere Hälfte. Daher, und weil aus Gambia bisher keine N. unitaeniatus bekannt sind, könnten es N. unifasciatus gewesen sein. Allerdings soll die Färbung aufgrund des grossen Verbreitungsgebietes variieren (Daget, 1980).
Nannaethiops bleheri Géry & Zarske, 2003
Diese kürzlich beschriebene Art ist die erste aus Äthiopien bekanntgewordene Salmlerart. Sie stammt aus einem sehr abgelegenen, wenig erforschten Gebiet an der sudanesischen Grenze, nämlich aus dem Tata-See im Bereich des Baro Wenz (Wenz bedeutet Fluss), wo sie von Heiko Bleher entdeckt wurde. Eine Beschreibung der Region sowie ein Foto findet sich bei Bleher (2006).
In der Färbung ähnelt sie am ehesten Nannaethiops unitaeniatus. Sie besitzt ein sehr schmales dunkles Längsband, das vom Kiemendeckelhinterrand bis auf die mittleren Schwanzflossenstrahlen reicht und oben in geringem Abstand von einer feinen goldenen Linie begleitet wird. Allerdings ist sie deutlich schlanker als die genannte Art und mit max. 22,4 mm SL wesentlich kleiner. Die meisten Exemplare mit Adipose.
Die Erstbeschreiber erklären Neolebias zum Synonym von Nannaethiops und benennen die Art folgerichtig als Nannaethiops, ohne jedoch die phylogenetische Analyse von Vari (1979) zu widerlegen. In der Tat sind die Unterschiede zwischen den beiden Gattungen sehr gering. Neben der Reduktion der Seitenlinie ist dies vor allem die Reduktion oder der Verlust der hinteren Äste des Sinneskanals auf dem Dermosphenoticum, einem Schädelknochen (Vari, l.c., S. 299). Der Zustand dieses Sinneskanals geht zwar aus der Beschreibung von N. bleheri nicht hervor, doch scheint die neue Art am nächsten mit N. unifasciatus verwandt zu sein. N. unitaeniatus bliebe also nach Vari die Schwestergruppe von Neolebias. Daher liegt kein zwingender Grund vor, die Gattungen zu vereinen, und ich behalte somit den gut eingeführten Namen Neolebias bei.
Nur von der Typuslokalität bekannt (?): "Riv. Boteli", ein Nebenfluss des Tshuapa (Zaire-System), nordwestlich von Ikela (Zaire), in kleinen Flüssen.
Die Art ist offenbar sehr langgestreckt. Eine dunkle Längsbinde endet auf dem Schwanzstiel in einem dreieckigen Fleck, der von einem roten Ring umgeben ist (Géry & Zarske, 2003). Adipose vorhanden. 39 mm SL.
Dundocharax bidentatus Poll, 1967
Nur von der Typuslokalität bekannt (?): Lucoge-Fluss (Chicapa-Einzug, Kongo-Becken, Nordost-Angola), 19 mm SL, 24 mm TL. Auf den Flanken eine Reihe dunkler hochovaler Flecken.
Neolebias bidentatus, River Lucoge, Angola.
© Poll (1967). Kindly provided by Guy Teugels, MRAC.
http://www.africamuseum.be.

lozii Winemiller & Kelso-Winemiller, 1993
Barotse-Floodplain, Zambesi (Western Province, Sambia). Die einzige bisher bekannte Neolebias-Art südlich des Kongo-Beckens. Das nächstgelegene Vorkommen einer anderen Art (N. bidentatus) befindet sich mehr als 700 km nördlich. 18 mm SL. Unterscheidet sich von allen anderen Neolebias-Arten durch die 9-12 dunklen Querbinden auf den Körperseiten. Keine Fettflosse. Foto im Aquarienatlas VI, S. 69. Nächster Verwandter anscheinend N. bidentatus. Die Art bewohnt kleine Flüsse in saisonalen Überschwemmungsflächen, wo sie sich in dichten Pflanzenbeständen aufhält. Der Untergrund ist sandig. Während der Trockenzeit sind Wasserführung und Strömung sehr gering, während in der Regenzeit weite Bereiche überschwemmt werden. Die Ovarien beginnen am Ende der Trockenzeit zu reifen.
Linksseitige Zuflüsse des mittleren Zaire, 29 mm SL, 37 mm TL. Nach Vari (1979) mit mehreren Längsstreifen, nach Géry (1977) mit zwei Längsbinden, ohne Schwanzwurzelfleck und ohne Adipose.
Nannaethiops tritaeniatus Boulenger, 1913
Mittlerer und unterer Zaire und Nebenflüsse, 33 mm SL. Drei Längsstreifen, ein kleiner Schwanzwurzelfleck, meist mit Adipose. Foto eines Weibchens im Aquarienatlas II, S. 231 sowie unten rechts. Das Foto unten links zeigt dagegen das farbenprächtigere Männchen.
Neolebias trilineatus. Weibchen.
© aqualog-Verlag

Nur von der Typuslokalität bekannt (?): "30 Meilen von Lagos an der neuen Strasse". Die Exemplare im Aquarienatlas IV, S. 51 u. 56 sind offenbar fehlbestimmte N. ansorgii. Die Arten N. axelrodi, N. kerguennae und N. ansorgii (grüne Form) sehen sich sehr ähnlich. Bei N. axelrodi endet die Längsbinde jedoch über der Afterflosse. 18,3 mm SL.
Alle bisher in der Literatur abgebildeten N. axelrodi erweisen sich demnach als N. ansorgii. Das bislang hier platzierte Foto habe ich daher zu N. ansorgii gestellt.
Neolebias landgrafi Ahl, 1928
Nannaethiops geisleri Hoedeman, 1956
27 mm SL, 35 mm TL. Von dieser Art gibt es anscheinend mindestens drei Farbformen: eine grüne mit roten Flossen, eine blass-blaue (als N. landgrafi beschrieben) und eine rote. In der älteren Aquarienliteratur wird bis in die 60er Jahre hinein die rote Farbform (der "Rote von Kamerun") zu Unrecht als N. landgrafi bezeichnet. Ein wissenschaftlicher Name für die rote Form – sollte dieser erforderlich sein - ist bisher nicht vorhanden. Wegen der unklaren Taxonomie werden die Formen hier getrennt voneinander besprochen.
Grüne Form:
Vom Niger-Delta bis zum unteren Zaire. In der Nähe von Lagos fing Busink diese Form gleichzeitig mit der roten Form (van den Niewenhuizen, 1980).
Die Tiere stehen bevorzugt in dichten Pflanzenbeständen. In der Natur sollen sie sich in Röhrichten aufhalten. Die Männchen sind territorial und verteidigen ihre Reviergrenzen durch Parallelschwimmen und ggf. Beschädigungskämpfe.
Eine detaillierte Schilderung des Verhaltens und der Fortpflanzung gibt Schapitz (1958). Foto im Aquarienatlas I, S. 231. Zur Laichzeit färbt sich der Bauch des Männchens blutrot. Ansonsten grosse Ähnlichkeit mit N. kerguennae und N. axelrodi.
Neolebias ansorgii. Grüne Form, Männchen, anscheinend in Paarungsstimmung.
© aqualog-Verlag

Neolebias ansorgii.
© aqualog-Verlag

Rote Form: Schapitz (l.c.) nennt diese Form N. landgrafi. Dies ist jedoch der Name für die blass-blaue Form. Der "Rote von Kamerun" kommt nach Gartner (1982) nicht in Kamerun, aber in Südwest-Nigeria und in Benin vor. Nach Schapitz bestehen Verhaltensunterschiede zwischen der roten und der grünen Form. Sofern in dem kleinen Überschneidungsareal in Südwestnigeria keine Hybriden zu finden sein sollten, spricht dies dafür, dass es sich hier um zwei Arten nach dem PSC bzw. wenigstens um zwei Unterarten handelt. Ein wissenschaftlicher Name für die rote Form existiert bisher nicht. Foto im Aquarienatlas III, S. 98.
Einen Fundort in Benin, 23 km nördlich von Porto Novo, beschreibt Gartner (1982): Ein Tümpel im Sekundärwald, etwa 7 - 10 m gross und bis zu 60 cm tief, an ein Sumpfgebiet angrenzend. Das Gewässer war z.T. von Nymphaea und Salvinia bedeckt, der Grund bestand aus einer ca. 10 cm dicken Schicht Pflanzenresten. Wasserwerte um 10.30 Uhr: 26°C, 75 µS, pH 6. Neun weitere Fischarten und viele Kaulquappen lebten in diesem kleinen Tümpel. Wildekamp (1990) fing diese Form auch im Nigerdelta nördlich von Port Harcourt.
Blass-blaue Form: (N. landgrafi) Zu dieser Form kann leider nichts weiter gesagt werden, als dass die Typen aus Kamerun stammen. Ob sie dort geografisch getrennt von der grünen Form vorkommt, ob es sich um eine echte Morphe handelt, die mit der grünen frei hybridisiert oder ob die blass-blaue überhaupt sicher diagnostiziert werden kann, ist nicht bekannt. Offenbar bezieht sich das "blass-blau" nur auf die Färbung der Längsbinde und andere Unterschiede sind nicht bekannt. Die Synonymie beruht auf Poll & Gosse (1963).
Umgebung von Libreville und Lambaréné (Gabun), sowohl in schnellfliessenden als auch fast stehenden Bächen, die angeblich nicht zum Einzug des Ogowe gehören. 27 mm SL, 33 mm TL, Weibchen etwas grösser als Männchen. Foto im Aquarienatlas IV, S. 51. Längsband mit grünblauem Glanz, oberhalb von einem rötlichen Band begrenzt. Schwanzflossenbasis, manchmal auch die von Rücken- und Afterflosse rötlich getönt. Spitzen von Bauch- und Afterflossen blau angehaucht. Schlanker als N. ansorgii.
Die folgenden drei Arten mit einem auffälligen System von Sinnesporen am Kopf:
Congocharax gossei Poll & Lambert, 1964
Nur von der Typlokalität bekannt (?) und nur vom Holotypus (?): Ein Exemplar von 27,8 mm SL und 35,5 mm TL, gefangen in einem kleinen Zufluss des Ogowe bei Lambaréné-Mouila, Gabun. Die Färbung wird als silbrig beschrieben, mit einer Reihe von 11-12 durch ein Längsband mehr oder weniger verbundenen schwarzen Flecken, an deren vorderen Ende sich ein schwarzer Fleck auf dem Kiemendeckel befindet. Kopf-Sinnesporen bei dieser Art am zahlreichsten.
Chiloango und (?) Kasai, 33 mm TL. Mit einem Längsband, das in eine Reihe von Punkten aufgelöst sein kann. Schwarzer Fleck vor der Dorsale.
Hemigrammocharax olbrechtsi Poll, 1954
Kleine Flüsse nahe Yangambi, Zufluss des Lac Tumba (Ntomba, USNM 0022201, 00227394), Zaire-System, bis 29,7 mm SL, 37 mm TL. Mit einem Humeralfleck und einem Schwanzwurzelfleck. Mit den wenigsten Kopf-Sinnesporen der drei Arten.
powelli Teugels & Roberts, 1990
Diese mit nur 18 mm SL sehr klein bleibende Art wurde aus dem Niger-Delta beschrieben. Ihr auffallendstes Merkmal sind ein oder mehrere smaragdgrün irisierende Glanzflecken auf den Körperseiten, die diese Fische unverwechselbar machen. Von den bis zu vier Flecken - meist beträgt die Anzahl drei - befindet sich der hinterste immer auf dem Schwanzstiel und ist häufig teilweise oder ganz schwarz (wie auch im konservierten Zustand). Dieser Fleck wurde auf den Fotos im Aquarienatlas IV, S. 52-53 nicht mitgezählt, die ansonsten die Variabilität dieser auffallenden Art sehr schön zeigen. N. powelli lebt überall im Delta in Fließgewässern mit saurem und klarem Wasser, wo er ufernahe Wasserpflanzenbestände und Schwimmpflanzenmatten bewohnt. Wildekamp (1990) fand sie in stehenden oder langsam fliessenden Gewässerabschnitten, bevorzugt unter überhängender Vegetation. Die Art kommt oft gemeinsam mit Nannocharax latifasciatus vor.