Die Gattungen Nannocharax und Hemigrammocharax bilden zusammen ein Monophylum. Ob aber jede für sich monophyletisch ist, muß angezweifelt werden, da das einzige Unterscheidungsmerkmal die bei Nannocharax vollständige und bei Hemigrammocharax unvollständige Seitenlinie ist - ein sehr wenig aussagekräftiges Merkmal bei phylogenetischen Analysen. Allerdings machen Vari & Géry (1982) auf die merkwürdig dreieckige Augenform einiger Nannocharax-Arten aufmerksam, die - wenn sie bei allen Arten der Gattung vorkommt - eine Autapomorphie für Nannocharax sein könnte. (Diese Augenform findet sich übrigens – konvergent - auch bei diversen Characidiinae und bei Nannostomus.) Ohne eine genaue Analyse beider Gattungen bleibt aber vorläufig nichts anderes übrig, als die herkömmliche Einteilung beizubehalten, auch wenn das bei einzelnen Arten zu unbefriedigenden Ergebnissen führt - siehe deshalb die einzelnen Arttexte.
Diese Fische haben sich konvergent zu den südamerikanischen Characidiinae entwickelt und sind äusserlich oft kaum von diesen zu unterscheiden, abgesehen vom Besitz von Ctenoidschuppen, wofür man die Tiere freilich anfassen muss.
Nannocharax Günther, 1867
Lepinannocharax Fowler, 1936
für Nannocharax pteron
Innerhalb der Gattung gibt es zwei Gruppen. Die fasciatus-Gruppe enthält bodenbewohnende Arten, die eine Querbänderung oder ein Fleckenmuster aufweisen. Die parvus-Gruppe enthält freischwimmende Arten mit einer auffallenden Längsbinde.
fasciatus-Gruppe:
Kouilou River (Gabun, Typuslokalität), Nyanga (Kongo), 40 mm SL, 58 mm TL. Pürzl und Hofmann sammelten die Art 1985 am oberen Ngounié, einem Nebenfluss des Ogowe in Gabun (Gartner, 1997, mit Foto).
Zentrales Zaire-Becken. Typuslokalität ist der Ubangui bei Banzyville, ca. 4°18'N, 21°11'E.
Bis 45 mm TL. Das Foto im Aquarienatlas IV, S. 47 zeigt vermutlich diese Art, obwohl die Dorsale vor der Ventrale zu beginnen scheint. Das gleiche gilt für das Foto in Gartner (1997). Breite Flecken auf dem Rücken.
Nannocharax brevis. Der kommaförmige Fleck an der Basis der
Schwanzflossenstrahlen, der sich in den unteren
Schwanzflossenlappen hineinzieht, scheint ein sehr
charakteristisches Kennzeichen dieser Art zu sein.
© aqualog-Verlag

Zentrales Zaire-Becken. Die Typen stammen vom oberen Kongo, zwischen "New Antwerp" und "Stanley Falls". Wie heissen die Orte heute?
Bis 82 mm TL.
Fliessgewässer Westafrikas vom Oberlauf des Senegal in Mali bis Gabun, von wo der Holotypus stammt, fehlt in den Flüssen Liberias (?), wurde aus dem Tchadsee-Becken gemeldet.
Bis 67 (bis 88 ?) mm SL, 78 mm TL. Körperzeichnung aus 9-10 dunklen Querbändern, die sich über die ganze Höhe der Flanken erstrecken, auf dem Foto im Aquarienatlas I, S. 231 vertikal verlaufend, auf dem Foto in Frank (1991) leicht nach vorne geneigt. Zahlreiche der in der Literatur gezeigten Fotos dieser Art zeigen wahrscheinlich andere, darunter vielleicht auch unbeschriebene Arten. Insgesamt ist die Systematik und Identifizierung der Arten dieser Gattung noch sehr unbefriedigend.
fasciolaris Nichols & Boulton, 1927
Nur von der Typuslokalität bekannt (?): Capelongo, Huila Provinz, Angola. Die Provinz Huila liegt in Süd-Zentral-Angola und gehört grösstenteils zum Einzugsgebiet des Cunene.
34 mm (?SL).
Typuslokalität ist der Schwarze Volta nördlich von Bobo-Dioulasso (Burkina Faso).
Bis 34 mm SL und 41 mm TL. Sehr langgestreckt.
Zentrales Zaire-Becken. Typuslokalität ist Kinshasa (Zaire).
Bis 43 mm TL. Sechs oder sieben runde Flecken entlang des Körpers.
Ubangi-Becken. Typuslokalität ist (Fort) Sibut in der Zentralafrikanischen Republik, nordöstlich von Bangui.
Bis 32 mm SL.
Flüsse Ja, Kribi (Typuslokalität), Nyong, Ntem und Sanaga (Kamerun), Ivindo und oberer Ogowe (Gabun, Vari & Ferraris, 2004).
Bis 63,4 mm SL. Ähnlich N. fasciatus mit Querbinden.
lineomaculatus Blache & Miton, 1960
Flüsse Logone und Chari (Tschad), (?) Niger (bis Guinea), (?) Benue. Typuslokalität ist Gamsaye am unteren Logone, einem Nebenfluss des Chari.
Bis 33 mm SL.
Luapula, Luvua und Lualaba, oberes Zaire-Becken. Typuslokalität ist der Luapula bei Kasenga (Zaire), and der Grenze nach Sambia.
Bis 44 mm SL. Etwa 10 vertikale, längliche Flecken auf den Flanken.
Oberer Zambezi einschliesslich Kafue, Okavango, Quellgebiete des Kasai (mindestens bis hinab nach Tshikapa) und des Lualaba (Zaire-Becken), Stanley-Pool (?, MNHN 1958 0086).
Bis 60 mm TL. Vergleiche mit Foto im Aquarienatlas IV, S. 49.
Nannocharax macropterus, River Luachimo, Angola.
© Poll (1967). Kindly provided by Guy Teugels, MRAC.
http://www.africamuseum.be.

Eine - dank des länglich ovalen Flecks auf der Schwanzwurzel und des Fehlens jeglicher Streifenzeichnung - leicht zu bestimmende Art. N. maculicauda stammt aus dem oberen Ivindo (Ogowe-Becken) sowie aus dem Gebiet des oberen Ntem (Vari & Ferraris, 2004) im Norden Gabuns. Die Typuslokalität am Ivindo ist ein stiller Seitenarm gegenüber der Stadt Bourassié auf ca. 1°20'N, 13°20'E, am Zusammenfluss von Djouah und Karouaga.
Die Art erreicht mindestens 30 mm SL.
Coregonus niloticus Joannis, 1835
Nannocharax niloticus var. lateralis Werner, 1906
Nil-Becken flussabwärts bis Theben (Ägypten, Typuslokalität !).
Bis 47 mm SL und 52 mm TL.
Nannocharax cf. niloticus. Die Identifizierung sollte nicht als endgültig
betrachtet werden. Alternativ kommen noch N. tchadensis und
N. lineomaculatus in Frage.
© aqualog-Verlag

tchadensis Blache & Miton, 1961
Nannocharax niloticus tchadensis Blache & Miton, 1961
Überschwemmungsgebiet des mittleren Logone an der Grenze Kamerun-Tchad (Tchad-Becken), Chutes Gauthiot im Mayo Kebbi (Benue-Einzug).
Bis 54 mm SL. Nach dem PSC vorläufig als Art behandelt.
Nannocharax niloticus gracilis Daget, 1954
präokkupiert durch N. gracilis Poll, 1939
Nannocharax niloticus occidentalis Daget, 1959
Ersatzname für N. n. gracilis Daget, 1954
Niger-Becken bis Guinea, Tchadsee-Becken. Die Typen stammen von Bourem (Mali, etwa am nördlichsten Punkt des Nigerbogens), Markala (weiter westlich, bei Segou), und Dabola (Guinea, im Quellgebiet des Niger).
Bis 80 mm SL. Foto im Aquarienatlas IV, S. 49 und in Gartner (1997). Wurde früher als Unterart von N. niloticus angesehen. Die Zeichnung der Tiere auf den oben genannten Fotos wie auch auf dem Foto unten weicht von dem unter N. niloticus abgebildeten Tier jedoch deutlich ab. Das unten abgebildete Tier hat zudem ein abweichendes Schwanzflossenmuster.
Nannocharax occidentalis. Beachte die auffällige Ruhehaltung auf
den Spitzen der Bauchflossen.
© aqualog-Verlag

Ogowe-Becken (Gabun). Der Holotypus stammt von Franceville im Südosten von Gabun.
Bis 42 mm TL.
Zentrales Zaire-Becken. Die Typen stammen von Bosabangi und Poko (Zaire). Der letztere Ort liegt am Bomokandi, einem Nebenfluss des Uele im Ubangui-System, nord-nordöstlich von Kisangani.
Bis 70 mm TL. Die Art wurde bereits eingeführt, wie das Foto eines Exemplars im Aquarienatlas V, S. 31 beweist, das eine grosse Ähnlichkeit mit der Zeichnung unten aufweist. Die Tiere sind offenbar strenge Bodenbewohner mit stark beweglichen Augen.
Nannocharax procatopus, River Sanga, Angola.
© Poll (1967). Kindly provided by Guy Teugels, MRAC.
http://www.africamuseum.be.

Ubangui-System. Der Holotypus stammt von (Fort) Sibut in der Zentralafrikanischen Republik, nordöstlich von Bangui.
Bis 58 mm TL.
Soweit bislang bekannt auf den oberen Einzug des Cross River in Kamerun beschränkt.
Bis 62,7 mm SL. Kennzeichen sind: das Fehlen eines grossen rundlichen Flecks auf dem Schwanzstiel, das Fehlen einer auffälligen dunklen Längsbinde, das Fehlen einer Serie schmaler dunkler Querbalken auf den Flanken, Rückenflosse beginnt hinter dem Ansatz der Bauchflossen, Brust- und Bauchflossen ziemlich lang.
Zeichnungsmuster besteht aus unregelmässigen Querbinden. Rückenflosse mit zwei Querbinden. Einziger afrikanischer Salmler (ausser N. rubrolabiatus) mit kleinen Häkchen auf den Brustflossen der Männchen, evtl. nur zur Laichzeit vorhanden. Die Schuppen an den Körperseiten auf Höhe der Brustflossen tragen bei den Männchen einzigartige hakenartige Fortsätze, die sonst nur noch bei N. rubrolabiatus vorkommen und offenbar als Kontaktorgane dienen.
Die Art bewohnt in ihrer Heimat schnellfliessende Strombereiche mit versunkenem Holz. Das Wasser ist dort klar und leicht bräunlich gefärbt. Mancherorts ist N. reidi mit N. fasciatus und N. latifasciatus sympatrisch.
rubrolabiatus Van den Bergh, Teugels, Coenen & Ollevier, 1995
Verschiedene Flüsse des Sanaga-Beckens (Kamerun). Evtl. auch im Cross-River (Nigeria). Typuslokalität: Noun River, Nebenfluss des Mbam River, Sanaga-Becken, an der Brücke der Strasse von Bafoussam nach Foumbot, 5°29'N, 10°31'E, Kamerun.
In dieser Region leben nur zwei weitere Nannocharax-Arten, N. fasciatus und N. intermedius. 67 mm SL, 84 mm TL, damit eine der grössten Arten der Gattung. Sie ist ferner gekennzeichnet durch leuchtend rote Lippen (Name!), einen auffälligen, dunklen Fleck in der Adipose, einen recht flachen Kopf und weitere morphometrische und meristische Werte. Ansonsten ähnelt die Art vielen anderen Vertretern der Gattung: mehrere Sattelflecken auf dem Rücken, eine Fleckenreihe auf den Flanken u.s.w. Brustflosse mit Häkchen (sh. N. reidi). Einziger afrikanischer Salmler - soweit bekannt - mit Laichausschlag, dieser am ganzen Körper und an allen Flossen mit Ausnahme der Adipose. Wie N. reidi mit hakenartigen Fortsätzen auf den Schuppen der vorderen Körperlängsseiten, bei N. rubrolabiatus aber noch wesentlich stärker ausgebildet.
Der Lebensraum der neuen Art sind 30-50 m breite Flüsse der Savannenregion, wo sie sich in starker Strömung unter Steinen und Felsen aufhalten. Die Sichtweite in dem grünlichen Wasser betrug 50 cm, der Sauerstoffgehalt dennoch hoch, pH neutral, Leitfähigkeit gering (35-45 µS), Temperatur 23-25°C.
Nannocharax rubrolabiatus. Die namengebenden roten Lippen sind
hier kaum erkennbar.
© aqualog-Verlag

Zentrales Zaire-Becken, Stanley-Pool. Typuslokalität ist Kinshasa (Zaire).
Bis 45 mm TL.
Flüsse Saint Paul und Cess (Liberia). Typuslokalität ist "Bellyella, Liberia".
Bis 56 mm SL und 69 mm TL. Lamboj & Freyhof fingen die Art auch im Cavally (Cote d'Ivoire) bei dem Ort Sahibly. Wasserwerte: 29°C, 80 µS, pH 7,3 (Lamboj & Freyhof, 1989, mit Foto). Die Art ist auch im Aquarienatlas V, S. 31, als N. sp. cf. fasciatum abgebildet. Dort wird zudem auf eine maskenartige schwarze Zeichnung auf der Stirn der Fische hingewiesen. Es handelt sich um ausgeprägte Bodenbewohner. Die Männchen sind zur Fortpflanzungszeit territorial.
Zentrales Zaire-Becken. Typuslokalität ist der Ubangui bei Banzyville, ca. 4°18'N, 21°11'E.
Bis 70 mm TL. Etwa 10 vertikale, längliche Flecken auf den Flanken.
In Evers (1997) sind zwei Nannocharax-Arten dieser Gruppe aus Zaire abgebildet, die bisher nicht identifiziert werden konnten.
parvus-Gruppe:
Die Vertreter dieser Gruppe leben im Freiwasser und ernähren sich von Planktonten.
Hemigrammocharax polli Roman, 1966
Nannocharax ansorgii. Dies ist eines der ganz wenigen Fotos,
das diese Art zeigt. Die Längsbinde ist deutlich schmaler als
bei N. parvus und N. latifasciatus. Interessant ist auch die
schwarze Linie entlang der Mittellinie des Rückens.
© aqualog-Verlag

Nannocharax ansorgii. Seltene Aufnahme eines wildgefangenen
Tiers im Comoé-Nationalpark. Vergleiche mit dem anderen Foto!
© Dr. Karsten Mody

N. ansorgii kommt in Westafrika vom Senegal-Fluss bis zum Tschadseebecken vor und erreicht eine SL bis 38 mm und eine TL bis 46 mm. Sie wurde und wird sehr häufig mit N. parvus und N. latifasciatus verwechselt, zuletzt wieder im Aquarienatlas V, S. 28-29. Der dortige N. ansorgii ist N. latifasciatus, der dortige N. parvus ein etwas blasses Exemplar derselben Art und das vermeintliche Paar N. latifasciatus in Wirklichkeit N. parvus. Siehe dazu den ausführlichen Artikel von Zarske & Geisler (1992). Die beiden Fotos oben sind die einzigen mir bekannten, auf denen ein lebendes Exemplar zu sehen ist. Das Verbreitungsgebiet von N. ansorgii überschneidet sich nach bisherigem Kenntnisstand nicht mit dem der anderen Arten dieser Gruppe.
Die Art besitzt je nach Fundort sehr unterschiedlich lange Seitenlinien, weshalb Coenen & Teugels (1989) die Art Hemigrammocharax polli als Synonym zu N. ansorgii ansahen. Allerdings ist die Situation wesentlich komplizierter. Die Autoren unterscheiden nämlich zwei Gruppen innerhalb der Art, eine mit vollständiger Seitenlinie aus Gambia, Guinea-Bissau (dort befindet sich die Typlokalität in den Flüssen Geba und Culufi!) und Sierra Leone, und eine mit unvollständiger Seitenlinie aus Senegal, Niger-Benue, Chad, Volta, Bandama, Comoe und Pra (Ghana). Von letzteren Tieren sollen die Typen von H. polli, die aus dem Kou River, einem Nebenfluss des Schwarzen Volta in Burkina Faso stammen, nicht zu unterscheiden sein. Allerdings hatte Roberts (1967) Tiere aus dem Weissen Volta bei Bolgatanga (Ghana) mit vollständiger Seitenlinie untersucht, die sich deutlich von seinen H. polli unterschieden, so durch andere Körperproportionen und einen schmaleren, blasseren Seitenstreifen. Coenen & Teugels erwähnen derlei Unterschiede nicht. Überhaupt erwähnen diese Autoren Roberts Arbeit mit keinem Wort. Dies lässt – bei kritischer Überlegung – nur zwei Interpretationsmöglichkeiten offen: 1. Die von Roberts für N. ansorgii gehaltene Art mit vollständiger Seitenlinie ist wissenschaftlich noch nicht beschrieben! 2. Die zweite Gruppe von Coenen & Teugels ist identisch mit H. polli, deren Verbreitungsgebiet damit vom Senegal bis zum Benue reicht; die eigentliche N. ansorgii kommt somit nur vom Gambia bis Sierra Leone und darüberhinaus auch im Weissen Volta vor.
Eine kritische Nachuntersuchung der von Roberts sowie Coenen & Teugels untersuchten Tiere sowie von Tieren aus weiteren Aufsammlungen wäre sehr wünschenswert! Bis dahin belasse ich H. polli als Synonym bei N. ansorgii.
latifasciatus Coenen & Teugels, 1989
Neben N. ansorgii und N. parvus ist dies die dritte Art dieser Gattung, die ein dunkles Längsband besitzt. Bei N. latifasciatus bildet es auf dem Schwanzstiel eine rundliche, deutlich abgesetzte Verbreiterung bzw. einen Fleck und erstreckt sich nicht auf die Schwanzflosse wie bei N. parvus. Die Seitenlinie verläuft im oberen Bereich der Binde, nicht in der Mitte wie bei jener Art. Auch eine dunkle Linie von der Basis der Bauchflossen bis zum Ende der Afterflosse ist ein gutes Kennzeichen zur Unterscheidung von N. parvus. Fotos zweier unterschiedlich hell gefärbter Individuen im Aquarienatlas V, S. 28/29, falsch als N. ansorgei und N. parvus bezeichnet. Siehe bei N. ansorgii. Wurde auch schon als Neolebias unifasciatus bezeichnet! Die oben genannten Merkmale machen die Identifizierung eindeutig.
Die Art, die TL bis 59 mm erreicht, kommt im Süden Nigerias und im Südwesten Kameruns vom Omi River über das Nigerdelta bis zum Cross River vor, wo sie stehende oder langsam fließende, teilweise beschattete Bereiche mit saurem (ph 5-6), weichem (15-30 µS) Klarwasser bewohnt. Gartner (1997, mit Foto) fand sie darüber hinaus in Südwest-Kamerun zwischen Yabassi und Ndokama, vermutlich im Einzugsgebiet des Wouri. An den meisten Fundorten herrschen nur geringe jahreszeitliche Schwankungen der Wasserbeschaffenheit; der Boden ist mit Sand und Mulm bedeckt und einige Pflanzen finden sich im Wasser und am Ufer, wo sich die Fische bevorzugt unter überhängender Vegetation aufhalten. Gartner (l.c.) mass jedoch an einem Fundort bei Akuré (Südwest-Nigeria) auch andere Werte: 32°C (!), 275µS, pH 7. Die Art kommt oft mit Neolebias powelli gemeinsam vor.
Nannocharax latifasciatus. Die recht breite Längsbinde mit dem
keulenförmig verdickten Ende auf dem Schwanzstiel machen diese
Art zu dem am leichtesten bestimmbaren Vertreter ihrer Gattung.
Die zahlreichen Fehlbestimmungen sind daher kaum nachvollziehbar.
© aqualog-Verlag

Nur von der Typlokalität bekannt (?): 30 km östlich von Kribi (Kamerun). 27 mm TL (Jungtier?). Vielleicht ein Synonym zu N. parvus.
Nannocharax parvus var. maculata Pellegrin, 1924
Ogowe (Gabun, dort am Unterlauf bei Ngomo Typuslokalität) und Küsteneinzüge zwischen dem Ogowe und dem Chiloango (Grenze Cabinda/Kongo), Zaire-Becken (Sangha, Ubangi). Angeblich in Nigeria (?). Die farbenprächtigste Art dieser Gruppe, wie das Foto in Gartner (1997) beweist. Auch das Foto im Aquarienatlas IV, S. 47 unten (noch einmal im Aquarienatlas V, S. 29) zeigt diese Art und nicht N. latifasciatus, siehe Zarske & Geisler (1992).
36 mm SL, 42 mm TL, nach Frank (1991) bis 56 mm (�(tm)�) bzw. 52 mm (�(tm)�). N. parvus wurde des öfteren als N. latifasciatus bezeichnet, so auch von Frank (l.c.), der über die Zucht berichtete. Bei Jungfischen ist das Längsband wesentlich schmaler. Wichtig bei der Haltung und Zucht ist anscheinend sehr weiches Wasser über dem Neutralpunkt. Die Eier besitzen nach Frank (l.c.) 15-17 etwa 1 cm lange Haftfäden, die sich bei Berührung mit Pflanzen zusammenknäueln, so dass das Ei etwa 3 mm über der Substratoberfläche auf einem Polster aus Haftfäden ruht. Das Paarungsverhalten ist nach bisherigem Wissen einzigartig: Das Männchen steht parallel zum Weibchen, dabei etwas vorgeschoben. Es "spreizt den dem Weibchen zugewandten Kiemendeckel weit ab, schwimmt rückwärts und fixiert durch Anlegen seines Kiemendeckels die Kopfspitze der Partnerin." (Gartner, l.c.). In dieser Stellung erfolgen Laichabgabe und Besamung.
Ein weiterer, bisher unbeschriebener Vertreter dieser Gruppe wurde von Pürzl und Hofmann sowohl in Gabun im Ngounié, einem Nebenfluss des Ogowe, als auch von Lamboj und Pallin 1996 im Loubomo, einem Fluss des Kouilou-Niari-Systems nordöstlich von Pointe Noire im Kongo gefangen (Gartner, 1997, mit Foto). An letzterem Fundort wurden folgende Wasserwerte gemessen: 22,6°C, 240 µS, pH 8,3. Die Männchen dieser Art sind durch intensiv rote Farben gekennzeichnet. Im Gegensatz zu N. parvus sitzt diese Art häufig auf dem Boden auf und schwimmt weniger frei.