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Apareiodon

Apareiodon    Eigenmann, 1916

 

Vom Orinoko bis zum La-Plata-Becken verbreitet. Die Arten werden in der Reihenfolge ihrer Verbreitungsgebiete von Nord nach Süd aufgelistet.

 

In Gewässern des Guyana-Schildes im Nordosten Südamerikas leben die ersten zwei Arten:

 

gransabana    Starnes & Schindler, 1993

 

Endemisch in Flüssen des oberen Caroni-Einzugs im Gebiet der Gran Sabana in Südost-Venezuela. Laut Géry & Zarske (2002) im Gebiet des Kamarang und des oberen Mazaruni (Essequibo-Einzug) in Guyana. Inzwischen auch aus dem Gebiet des Rio Caura (Venezuela) nachgewiesen (Bonilla et al., 1999).

Die Art unterscheidet sich von allen anderen Vertretern der Gattung durch zwei dunkle Punktreihen unterhalb der typischen Längsbinde, die häufig zu einer Zickzacklinie verschmelzen. Die Flossen sind nur wenig pigmentiert. Bis 92 mm SL.

Lebt im Caroni-Gebiet in kleinen, weniger als 10 m breiten Flüssen in felsigem Gelände mit mässiger bis starker Strömung. Fehlt über Sandboden. Geht in Schulen von 20-40 Individuen in starker Strömung auf Nahrungssuche, den Kopf dicht am Substrat. In schwächerer Strömung mehr im Freiwasser, dort oft in Gesellschaft von Lebiasina, denen sie, von oben betrachtet, erstaunlich ähneln. Die kontrastreiche Färbung wirkt in dem unruhigen Wasser über Kiesboden als Tarnung. Staeck (1994) zeigt ein Foto eines lebenden Paratypus und eines von dessen Fundort. Er mass folgende Wasserwerte: 20,7°C, Gesamt- und Karbonathärte unter 1°, Leitfähigkeit 30 µS, pH 4,9.

 

 

orinocensis    Bonilla, Machado-Allison, Silvera, Chernoff, López & Lasso, 1999

 

Diese Art wurde erst kürzlich aus den Rios Tabaro und Nichare, Nebenflüssen des Rio Caura (Venezuela), sowie aus dem Rio Caura selbst beschrieben. Sie kommt auch in der Umgebung von Puerto Ayacucho am mittleren Orinoko vor. Bei allen Fundorten handelte es sich um Stromschnellen.

Kennzeichnend sind zwei dunkle Längsbinden, die eine auf Höhe der Seitenlinie, die andere, wesentlich schmalere, dorsal davon. Beide Binden werden von 6-7 wenig auffälligen Querbinden gekreuzt, die jedoch nicht bis unterhalb der Seitenlinie reichen. Bei adulten Tieren weisen sowohl Rücken- als auch Bauchflossen zwei dunkle Querbinden auf. Weitere dunkle Markierungen finden sich in Brust- und Afterflosse sowie in der Adipose. Der Kopf wirkt bei ausgewachsenen Tieren sehr klein und ist abgeflacht; die Flossen sind ziemlich kurz. Mit bis zu 131,9 mm SL handelt es sich um eine ausgesprochen grosse Art der Gattung.

Im Magen eines adulten Tieres fand man Larven von Köcherfliegen (Trichoptera) und Dipteren, wahrscheinlich Mücken. Die Art ist eventuell noch mehr als andere Verrtreter der Familie ein spezialisierter Stromschnellenbewohner.

 

 

Die nächsten vier Arten sind offenbar Endemiten des Rio Tocantins (incl. Rio Araguaia). Pavanelli & Britski (2003) bieten zwar einen Schlüssel, der sich jedoch nur auf die Färbung konservierter Exemplare bezieht. Inwieweit die im folgenden genannten Merkmale auch bei lebenden Tieren erkennbar sind, muss abgewartet werden.

 

machrisi    Travassos, 1957

 

Von den anderen Arten des Tocantins unterscheidet sich A. machrisi durch die scharf begrenzte Längsbinde, das Fehlen von Querbinden unterhalb der Längsbinde und die im Vergleich zu A. argenteus weniger gestreckte Körperform. Die am Tage nur zu erahnenden, aber nachts deutlicher hervortretenden Querbinden sind breiter als bei A. argenteus. Einige Exemplare mit sog. "Laichausschlag", doch laut Pavanelli & Britski (2003) besteht hierbei kein erkennbarer Zusammenhang mit Alter, Körpergrösse oder Laichreife. Foto im Aquarienatlas VI, S. 229Bis mindestens 51,9 mm SL (wahrscheinlich grösser). Im Aquarium mass Evers (1999) bis ca. 100 mm TL.

Verbreitung: Rio Tocantins einschliesslich Rio Araguaia. Stromabwärts bis in die Umgebung von Tucuruí; stromaufwärts bis in die Quellregionen der beiden Flüsse.

Während sich die Angaben in dem Schlüssel in Géry (1977) offenbar auf eine andere Art beziehen, liefert Evers (l.c.) interessante Angaben nebst einem guten Foto. Er fand die Art im Rio do Peixe (14°59'76 S, 50°49'18 W), einem träge fliessenden Weisswasserfluss am mittleren Araguaia, bei folgenden Wasserwerten: 30,7°C, 42 µS/cm, ph 6,5. Die Art ist offenbar selten. Im Aquarium beobachtete er, wie sich seine A. machrisi als Putzer bei Harnischwelsen (Rineloricaria) betätigten, die sich dafür sogar an eine bestimmte Stelle des Beckens begaben und dort auf die Seite legten. Er sah auch vermutliches Paarungsverhalten, wobei ein Tier das andere mit dem Maul betupfte, es kreisförmig umschwamm, sich parallel stellte, es wieder betupfte u.s.w. Ob es zur Laichabgabe kam, blieb jedoch unklar.

 

 

argenteus Pavanelli & Britski, 2003

 

In den oberen Abschnitten des Rio Tocantins in der weiteren Umgebung der Stadt Minacu (Goiás) kommt diese neue Art vor. Sie erreicht SL bis mindestens 76,3 mm und ist ziemlich schlank, mit schmalen Querbinden oberhalb der ebenfalls recht schmalen Längsbinde. Unterhalb der Längsbinde befindet sich ein silbriger Streifen, dem die Art ihren Namen verdankt. Laichausschlag kommt bei A. argenteus nicht vor.

 

 

cavalcante Pavanelli & Britski, 2003

 

Ebenfalls aus dem oberen Tocantins-Einzug, diesmal aus der Umgebung der Stadt Cavalcante (Goiás), stammt diese Art, die SL von mindestens 56,4 bis ca. 70 mm erreicht.

Von anderen Arten unterscheidet sie sich durch das unscharf begrenzte Längsband sowie ein undeutliches dunkles Band zwischen Brust- und Bauchflossen, das bis fast zum Ansatz der Anale reichen kann. Das an der Seite des Rückens verlaufende, obere Längsband ist schmaler als bei A. machrisi und A. argenteus. Auch bei dieser Art kommt offenbar kein Laichausschlag vor.

 

 

tigrinus Pavanelli & Britski, 2003

 

Die letzte der neuen Arten aus dem Tocantins-Einzug stammt aus der Umgebung der Stadt Santa Rita do Araguaia im Quellgebiet des Rio Araguaia. Sie erreicht bis zu 64,1 mm SL und hat als einzige Art der Gattung neben A. ibitiensis eine Reihe von Flecken und/oder Querbinden, die bis über die Längsbinde nach unten hinausreichen und ihr den wissenschaftlichen Namen eintrugen. Offenbar ebenfalls ohne Laichausschlag.

 

 

Weiter geht es mit zwei Arten aus Gewässern im Nordosten Brasiliens:

 

davisi    Fowler, 1941

 

Rio Jaguaribe-Einzug (Ceará). Vier Paratypen stammen ausserdem aus Paraíba, aus der weiteren Umgebung von Campina Grande. Relativ hochrückige Art. Mindestens 82 mm TL.

 

 

itapicuruensis    Eigenmann & Henn in Eig., 1916

 

In Rio Itapicuru, de Contas, Pardo (Bahia, Brasilien). (?)Rio das Velhas, Minas Gerais? Farbmuster ähnlich den meisten anderen Arten: Schwarzes Lateralband und Dorsalband. Bei mehreren in Neodat II gelisteten Exemplaren aus dem Rio Ucayali in Peru, die von ORTEGA und VARI bestimmt wurden (AMNH 43334, MZUSP 26081, 26403, 26404) dürfte es sich wohl eher um eine andere Art handeln.

 

 

Jetzt folgen Arten aus dem Rio Sao Francisco:

 

hasemani    Eigenmann, 1916

 

Rio Sao Francisco-Becken. Nur Längsbinde. Mindestens 85 mm (SL?).

 

 

spec. affin. ibitiensis

 

Rio Sao Francisco-Becken (nach Starnes & Schindler, 1993). Möglicherweise ist dies die von Evers (1999, S. 27 mitte) abgebildete Art aus dem Rio das Velhas.

 

 

spec. affin. piracicabae

 

Rio Sao Francisco-Becken (nach Starnes & Schindler, 1993).

 

 

Sowohl im Sao Francisco als auch im Paraná-Einzug werden die nächsten beiden Arten angetroffen:

 

ibitiensis    Amaral Campos, 1944

Apareiodon mogiguacuensis    Travassos, 1952

 

Apareiodon ibitiensis aus dem Rio Atibaia, Valinhos, Sao Paulo, Brasilien.

 

© Ivan Sazima

 

Apareiodon ibitiensis

 

 

Eine Längsbinde mit bis zu 10 diese überlagernden rundlichen Flecken kennzeichnet diese Art. Die Flecken reichen nach unten deutlich über die Binde hinaus. In Klarwasser führenden Zuflüssen wesentlich kontrastreicher gefärbt. Evers (l.c.) zeigt Fotos zweier verschieden gefärbter Individuen. Foto auch im Aquarienatlas VI, S. 227. Mindestens 113 mm (SL?).

Oberer Einzug des Rio Parana (Rio de la Plata-Becken) in Brasilien und Paraguay. Nach Evers (1999) auch im Rio das Velhas, einem Weisswasserfluss des Rio Sao Francisco-Einzugs. Dort häufig in schnell fliessenden Bereichen, bevorzugt über Kies. Wasserwerte: 30°C, pH 6,8. Im Klarwasser wurden andere Wasserwerte gemessen: pH 7,5, 100µS/cm, 25,5°C. Lebt vorzugsweise an flachen Abschnitten mit stärkster Strömung in Gesellschaft von Rineloricaria.

Interessante Angaben zum Verhalten lieferte auch SAZIMA (1980). Er verglich diese Art mit dem z.T. syntop vorkommenden A. piracicabae in Gewässern nordwestlich von Sao Paulo. Während letztere Art dabei die etwas breiteren und langsameren Flüsse des Gebiets bevorzugte, war A. ibitiensis besonders in den sehr schnell fliessenden Oberläufen anzutreffen. Dies unterstreichen auch die längeren und kräftigeren gepaarten Flossen dieser Art, mit denen die Fische Steine regelrecht umgreifen können, um sich in der Strömung festzuhalten. Bei der Nahrungsaufnahme bewegen sich beide Arten ruckartig über das Substrat und schienen sogar den Kopf bewegen zu können, um Nahrungspartikel gezielt aufzunehmen. In den Mägen fand SAZIMA Grün- und Blaualgen, Diatomeen, Teile von Gefässpflanzen und Kleintiere.

Nachts versammeln sich die Fische in seichten Flussabschnitten, wo sie vor der Strömung geschützt sind und wo sich auch die Jungfische generell aufhalten. Auch hier erweist sich A. ibitiensis als rheophiler als die andere Art. Übrigens sind Jungfische bis 15 mm SL Oberflächen- und Freiwasserbewohner !

SAZIMA konnte mehrmals Laichgesellschaften mit mehreren Hundert Tieren beobachten, die in der Abenddämmerung aufwärts wanderten. Um die Strapazen der Laichwanderung zu überstehen, setzen die Tiere vorher deutlich Fett an. Das Ablaichen selbst geschieht im äusserst flachen Uferbereich des Flusses. SAZIMA behauptet, unmittelbar davor ein Geräusch wie entfernter Donner gehört zu haben; ob jedoch die Fische diese Töne selbst erzeugt haben (wozu sie nach STARNES fähig sein sollten !) oder ob das Geräusch eine andere Ursache hatte, muss offen bleiben.

 

 

piracicabae    (Eigenmann in Eigenmann & Ogle, 1907)

Parodon piracicabae    Eigenmann in Eigenmann & Ogle, 1907

 

Oberer Einzug des Rio Parana (Rio de la Plata-Becken), speziell Einzug des Rio Tiete. Rio Timbo, Sta. Catarina. Auch im angrenzenden Süden Paraguays. Möglicherweise auch oberer Rio Sao Francisco.

Bis 150 mm (SL?). Dunkles Lateralband und dunkles Dorsalband. Die Art sieht A. pongoense sehr ähnlich. Ob das Foto im Aquarienatlas IV, S. 132 wirklich diese Art zeigt, ist nicht sicher. Immerhin ist die helle Längsbinde zwischen den dunklen Binden deutlich breiter als bei dem in Band I, S. 331 abgebildeten Tier, das offenbar mit P. pongoense aus Ecuador (Stawikowski, 1986) identisch ist.

Zum Verhalten siehe A. ibitiensis; wenn nichts anderes gesagt ist, beziehen sich die Angaben von SAZIMA (l.c.) auf beide Arten.

 

 

Schliesslich die auf das Paraná-Paraguay-System beschränkten Arten:

 

affinis    (Steindachner, 1879)

Parodon affinis    Steindachner, 1879

Parodon paraguayensis    Eigenmann in Eigenmann & Ogle, 1907

 

Apareiodon affinis. Die Querbinden in der oberen Körperhälfte
sind nicht immer sichtbar.

 

© aqualog-Verlag

 

Apareiodon affinis

 

 

 

Apareiodon affinis. Bei diesem Trupp sind die Querbinden nur
bei manchen Exemplaren sehr schwach zu erkennen.

 

© aqualog-Verlag

 

Apareiodon affinis

 

 

 

Apareiodon affinis aus dem Rio Tiete bei Buritima, Sao Paulo, Brasilien.

 

© Ivan Sazima

 

Apareiodon affinis

 

 

Gesamtes Río de la Plata-Becken (Rios Paraguay, Paraná, Uruguai), Argentinien, Uruguay, Paraguay, Brasilien. Meldungen aus dem oberen Rio Araguaia (Goias) und dem Rio das Mortes (Mato Grosso) dürften sich auf A. machrisi oder eine der neuen Arten aus dem Tocantins beziehen, da A. affinis von Pavanelli & Britski (2003) nicht für den Tocantins-Einzug genannt wird. Bis 138 mm (SL?).

Lebt Ringuelet et al. (1967) zufolge über schlammigen Böden. Laichreife Weibchen werden in Argentinien im November angetroffen, im Süden Brasiliens von Oktober bis Dezember. Die Eizahl reicht von 1500-6500 (Baptista & Fialho, unpub.).

Nach Géry (1977) mit einem dunklen Lateralband und sechs schwächeren, dorsalen Transversalbinden. Nach Ringuelet et al. (l.c.) verschwinden die Transversalbinden mit zunehmender Grösse. Möglicherweise werden sie auch nur in besonderen Situationen gezeigt (nachts? bei Stress?). Auf dem Foto im Aquarienatlas II, S. 319 sind die Binden andeutungsweise zwischen dem dorsalen Längsband und der Lateralbinde zu sehen. Auf dem Foto eines angeblichen P. pongoense in Böhm (1985) – offensichtlich im Fotobecken entstanden – sind vier Binden zu erkennen, das Dorsalband ist praktisch nicht vorhanden. Ansonsten sind aber keine Unterschiede zu A. affinis zu sehen. Einen Eindruck von der unterschiedlichen Ausprägung der Querbinden geben auch die Fotos oben.

 

 

vittatus    Garavello, 1977

 

Rio Iguacu, Paraná (Brasilien).

 

 

vladii    Pavanelli 2006

 

Im Gegensatz zu A. ibitiensis reichen bei dieser neuen Art keine Querbinden und Flecken bis unterhalb der scharf begrenzten Längsbinde. Im Gegensatz zu A. affinis reicht die Längsbinde nicht auf die Schwanzflosse, sondern endet an ihrer Basis. Die grösste Ähnlichkeit besteht zu A. piracicabae, mit der A. vladii syntop vorkommt. Unterschiede bestehen im Karyotyp und in der Bezahnung. Der Fänger der Art, Vladimir (Vladi) Pavan Margarido, nach dem sie auch benannt ist, beobachtete jedoch, dass A. piracicabae nach dem Fang wesentlich aktiver war. Bei beiden Geschlechtern Laichausschlag im Schnauzenbereich und in der oberen Kopfhälfte. SL mindestens 113,4 mm.

Bisher nur aus dem Rio Piquiri oberhalb der Mündung des Rio Cantu im Bundesstaat Paraná bekannt. Der Rio Piquiri ist ein Nebenfluss des oberen Rio Paraná mit starker Strömung und einem durchschnittlichen Gefälle von ca. 2m/km. Er ist nach wie vor nicht gut erforscht, obwohl er durch eine dicht besiedelte Gegend fliesst, und weist nach den bisherigen Erkenntnissen eine stark abweichende Fischfauna auf.

 

 

sp.

 

Sicherlich existieren noch weitere, bisher unbeschriebene Arten. Darauf deuten jedenfalls Funde von Apareiodon abseits der oben beschriebenen Vorkommen hin. Zwar könnten sich diese auch als Arealerweiterungen bereits bekannter Arten erweisen, doch ebenso gut kann es sich um neue Arten handeln. So sind Apareiodon aus dem oberen Madeira-System bekanntgeworden, nämlich aus den rios Aripuana, Machado und Jamari in Mato Grosso und Rondonia sowie aus dem rio Mucujai in Roraima. Diese Funde zeigen, wie wenig bisher über die Parodontidae bekannt ist.

 

 

 


Last Update: Tuesday 10. April 2007

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