Derhamia
Derhamia Géry & Zarske, 2002
hoffmannorum Géry & Zarske, 2002
Derhamia hoffmannorum
© Peter Hoffmann

Derhamia hoffmannorum
© Peter Hoffmann

In der DATZ 7/2002 stellten Peter und Martin Hoffmann eine neue Art der Lebiasiniden vor, von der sie im Oktober 2001 einige Exemplare am Zusammenfluss des Kamarang mit dem Mazaruni River in Guyana gefangen hatten (Hoffmann & Hoffmann, 2002). Die neue Art war auf Anhieb als Vertreter einer bisher unbeschriebenen Gattung erkennbar. Zwar hatte Patrick de Rham bereits in den 1970er Jahren ein paar halbwüchsige Exemplare dieser Art fangen können, doch Géry, der die Fische damals erhielt, verzichtete auf eine Beschreibung, um das Auftauchen weiteren Materials abzuwarten. Dies konnte nun dank der Hoffmanns nachgeholt werden.
Die Tiere ähneln im Habitus etwas den Gattungen Copella und Pyrrhulina, besitzen jedoch keine verlängerten Flossen. Die Rückenflosse ist deutlich nach hinten versetzt und verleiht den Tieren eine elegante, gestreckte Gestalt; die Adipose ist gut entwickelt. Die Afterflosse ist im Gegensatz zu allen anderen Pyrrhulininae gerade abgeschnitten und weist keine der Modifikationen auf, die für die anderen Gattungen typisch sind. Auch im Bau der Kiefer und des Kiemenapparates zeigt die Art ursprüngliche Merkmale, so dass die neue Gattung vielleicht die Schwestergruppe der Pyrrhulininae darstellt. Die Erstbeschreiber sehen die neue Art zwar in der Nähe der Gattung Lebiasina, doch Synapomorphien, die diese Hypothese stützen, gehen aus der Arbeit nicht hervor.
Das Zeichnungsmuster ähnelt verschiedenen Nannostomus-Arten und besteht aus einer schiefergrauen bis schwarzen, bei den Männchen kräftiger ausgebildeten Längsbinde auf reinweissem Grund, die vom Kiemendeckel bis zum Ansatz der Schwanzflosse reicht. Diese Binde ist bei den Weibchen unterbrochen und bildet einen Schulterfleck. Der Rücken ist ebenfalls grau und bei den Weibchen durch dunklere Schuppenränder mit einer schönen Netzzeichnung versehen, die bei den Männchen durch einen kräftigen grünen Glanz überdeckt wird. Männchen besitzen zudem rötliche After- und Schwanzflossen. Letztere erreichen SL bis mindestens 61,4 mm, Weibchen werden sogar noch etwas grösser.
Nach den Beobachtungen der Hoffmanns handelt es sich um einen reinen Oberflächenbewohner, der aber gerne unter Schwimmpflanzen Deckung sucht. Die im Vergleich zu anderen Lebiasiniden sehr scheuen Fische sind aktive Schwimmer und springen bei Bedrohung ausgezeichnet. Ihre Nahrung nehmen sie bevorzugt von der Wasseroberfläche. Auf den Boden gesunkenes Futter vermögen sie nicht zu fressen. Balzverhalten konnte bisher nicht beobachtet werden, doch handelt es sich wahrscheinlich um Freilaicher, da die Anale der Männchen keinerlei Modifikationen wie bei den anderen Gattungen aufweist.
Der obere Mazaruni ist durch eine Serie von Wasserfällen und Stromschnellen vom Unterlauf getrennt und für eine ganze Anzahl endemischer Fischarten bekannt.
sp.
Laut Géry (cit. in Hoffmann & Hoffmann l.c) und Géry & Zarske (2002) existiert noch eine zweite Art in dieser unbeschriebenen Gattung. Sie verweisen auf das Foto eines unbekannten Schlanksalmlers in Géry (1977, S. 588 oben), der aus der Sierra Parima im brasilianischen Bundesstaat Roraima stammte und offenbar von Herbert Axelrod gesammelt worden war. Die Sierra Parima ist eine äusserst abgelegene Region im Einzugsgebiet des Rio Branco an der Grenze nach Venezuela. Entwässert wird sie vom Rio Uraricoera, der wegen Dutzender Wasserfälle und Stromschnellen wohl nur schwer zu befahren ist. Strassen gibt es in dieser Region nicht.
Das abgebildete Tier weist eine sehr kontrastreiche Zeichnung auf, mit einer schwarzen Längsbinde entlang der Mittellinie, einer ebenfalls schwarzen Linie entlang der Bauchseite sowie einigen kräftig schwarzen Schuppen im vorderen Körperdrittel zwischen den beiden Linien. Die untere Körperhälfte wirkt auf meiner Kopie rein weiss, die obere dunkler, mit gleichmässiger Intensität. Das Auge ist sehr gross und der Augenring breit und auffallend hell.
Ein zweites Exemplar dieser Art konnte Géry später im Museu Goeldi, Belém (Pará), untersuchen (Katalog-Nr. 539). Dieses war ebenfalls in der Serra Parima gefangen worden, in einem Zufluss des Rio Uraricoera auf 1200 m Höhe, und besass eine SL von 94,5 mm, also viel grösser als alle bekannten Pyrrhulina, Copella oder gar Nannostomus und auch deutlich grösser als die Art aus dem Mazaruni. Es wies ferner, im Gegensatz zu D. hoffmannorum und den anderen Pyrrhulininae, eine vollständige Seitenlinie auf.
Last Update: Monday 09. April 2007
