Print This Page

Carnegiella

Carnegiella    Eigenmann, 1909

 

Anders als die Vertreter der anderen beiden Gattungen kommen die Carnegiella-Arten vorwiegend in Schwarzwassergebieten vor. So sind sie offenbar die einzigen Beilbäuche, die im Rio Negro vorkommen. Sie scheinen auch mehr als die anderen Gattungen auf kleine beschattete Gewässer in Waldregionen angewiesen zu sein.

Als einzige Gattung ohne Fettflosse.

 

 

marthae    Myers, 1927

 

Körperseiten mit bogig aufwärts führenden Reihen von Punkten. Im Gegensatz zu anderen Beilbäuchen sind die Brustflossen bei dieser Art auch am Tage dunkler. Bis 26 mm SL. Foto im Aquarienatlas I, S. 325.

Weitverbreitet in Venezuela, vom Rio Caura und den südlichen Llanos südwärts im gesamten Orinoko-Becken. In Brasilien im Rio Negro abwärts bis Manaus. Ferner im Rio Trombetas (Pará). Unklar ist, ob auch Vorkommen im mittleren und oberen Rio Madeira-Becken in Brasilien und Bolivien hierher oder zu C. schereri gehören.

 

Carnegiella marthae. Beachte die bogigen Linien auf den Brustseiten.

 

© aqualog-Verlag

 

Carnegiella marthae

 

 

 

schereri    Fernandez-Yepez, 1950

 

Sehr ähnlich C. marthae. Von Weitzman zunächst (1960) als Synonym oder bestenfalls Unterart von C. marthae angesehen, zuletzt (1996) aber wieder als gute Art. Unterschiede in der Färbung sind mir nicht bekannt. Allerdings sind wohl die bogigen Linien schwächer ausgeprägt oder können sogar ganz fehlen, wie auf dem Foto unten. Bis mindestens 25,4 mm SL (Géry, 1965).

Oberes Amazonasbecken, vereinzelt schon bei Manaus, sonst regelmässig oberhalb von Leticia in den Rios Yavari, Nanay, Marañon, Ucayali (Peru) und Napo (Ecuador). Ausserdem im Gebiet des Madre de Dios (Peru). Ob auch in anderen Teilen des Madeira-Beckens?

 

Carnegiella schereri. Hier fehlen die bogigen Linien auf den Brustseiten.

 

© aqualog-Verlag

 

Carnegiella schereri

 

 

 

myersi    Fernandez-Yepez, 1950

 

Fast völlig durchsichtig. Bauch weniger stark gewölbt als bei C marthae und den anderen Beilbäuchen. Die kleinste Art. Bis 25 mm SL. Vergleiche mit Foto im Aquarienatlas I, S. 325.

Oberes Amazonasbecken, Rio Napo (Peru, vermutlich auch Ecuador), Rio Huallaga, Rio Ucayali (Peru) (Géry, 1964). Oberes Madeira-Becken in Bolivien und Peru. Die letztere Population mit stärkerer Bauchwölbung als die erstere (Géry, 1977).

 

Carnegiella myersi. Beachte die schwarze Linie entlang des Bauchprofils.

 

© Stefan Hetz

 

Carnegiella myersi

 

 

 

strigata    (Günther, 1864)

Gasteropelecus strigatus    Günther, 1864

Gasteropelecus fasciatus    Garman, 1890

Carnegiella strigata vesca    Fraser-Brunner, 1950

Carnegiella strigata marowini    Hoedeman, 1952

Carnegiella strigata surinamensis    Hoedeman, 1952

 

Meist werden von dieser Art zwei Unterarten unterschieden: die Nominatform sowie C. strigata fasciata (zur korrekten Zuordnung der Namen und zur Nomenklatur sh. unten). Obwohl deutlich unterscheidbare Formen existieren (sh. z.B. Foto im Aquarienatlas I, S. 327), habe ich hier, abweichend von der sonstigen Praxis im Salmlernetz, keine Unterteilung in Arten oder Unterarten vorgenommen. Ich folge darin Weitzman & Palmer (1996), die auf die sehr komplexe und wissenschaftlich noch unzureichend bearbeitete geografische Variation der Art hinweisen.

Immerhin kann man anhand ihres Zeichnungsmusters deutlich zwei Farbformen unterscheiden. Bei der einen ist die breite, auf dem Scheitelpunkt der Bauchwölbung beginnende schwarze Binde in der unteren Hälfte durchgängig (Y-förmig), bei der anderen gegabelt (V-förmig). Erstere wurde früher als Nominatform strigata angesehen, letztere als Unterart vesca. Géry (1977) konnte jedoch nachweisen, dass bei den schon stark ausgeblichenen Typen von strigata im British Museum (London) die Binde ebenfalls gegabelt ist. Vesca ist daher ein jüngeres Synonym der Nominatform und die früher als Nominatform angesehenen Tiere müssen mit dem nächsten verfügbaren Namen, nämlich fasciata, bezeichnet werden, sofern man Unterarten unterscheiden möchte. Auf dem Foto im Aquarienatlas I, S. 327 sind beide Formen korrekt bezeichnet. Zur Sicherheit hier dennoch eine Gegenüberstellung der Namen:

 

schwarze Binde ...

alter Name

heutiger Name

Hauptvorkommen

... nicht gegabelt.

strigata

fasciata

oberer Amazonas

... gegabelt

vesca

strigata

Guyana

 

Meist bis 40 mm TL, ausnahmsweise bis 50 mm. Géry (1965) nennt für Exemplare aus Surinam SL bis 37 mm.

Insgesamt im gesamten Amazonasbecken von den Guyana-Ländern bis nach Peru verbreitet. Vom Waini River (Guyana) (ob im Cuyuni River?) über den Essequibo südlich bis Surinam. In Venezuela nur im oberen Orinoko, etwa von der Mündung des Rio Ventuari aufwärts, im Casiquiare und im Rio Negro sowie in den dortigen Nebenflüssen (selbstverständlich auch auf kolumbianischer Seite). In Brasilien dann im gesamten Rio Negro abwärts bis Manaus. Ferner in Pará bei Belém. Von den südlichen Zuflüssen des Amazonas aus den rios Tocantins, Tapajos, Madeira (bis Bolivien), Purus und Javari gemeldet. Im oberen Amazonasbecken schliesslich vom Dreiländereck Brasilien-Kolumbien-Peru aufwärts bis zum Rio Napo (Ecuador) und zum Ucayali (Peru). Vermutlich überall in den dazwischen liegenden Gebieten vorhanden. Die typische strigata-Form kommt aus den Guyana-Ländern, die typische fasciata-Form vom oberen Amazonas. Dazwischen gibt es Übergangsformen. Die geografische Variation erstreckt sich ausserdem auf Körperproportionen und die Zahl der Analstrahlen.

Lüling (1978) beobachtete die Art im Freiland nahe Iquitos (Peru). Die Tiere lebten in einem kleinen Bach mit dichter Randvegetation und teebraunem Wasser, das aber – für dortige Verhältnisse – recht hohe Härtegrade (8,1° KH, 10,6° dGH) und einen leicht alkalischen pH aufwies. In kleinen Trupps von 4-5 Exemplaren hielten sich die Tiere unmittelbar an der Wasseroberfläche auf, diese mitunter mit der Kopfoberseite berührend. Bei Gefahr – z.B. bei Fangversuchen – versuchten die Tiere nie, sich durch Sprünge zu retten. In den Mägen einiger Exemplare fand Lüling Reste von Ameisen.

Kluge (1957) beschrieb das Paarungsverhalten bei der fasciata-vesca-Form. Die Männchen imponierten gegenseitig durch Parallelschwimmen und verhielten sich in dem kleinen Ablaichbecken agressiv zueinander. Am eigentlichen Ablaichen nahm nur ein Männchen teil. Es führte das Weibchen unter zitternden Bewegungen in einen Myriophyllum-Busch, wo jeweils 1-4 nicht klebende Eier dicht unter der Wasseroberfläche abgegeben und besamt wurden. Das Ablaichen zog sich mit Pausen von 2-5 min über ca. eine Stunde hin. Nach 24-36 h schlüpften die Larven. Andere Autoren berichten von blitzschnellen kreisenden Bewegungen der Partner vor dem Ablaichen. Leider sind Zuchtberichte über Beilbäuche – zumal so ausführliche – eine ausgesprochene Seltenheit. Auch wenn eine kommerzielle Zucht kaum lohnt, sollten weitere Versuche mit dem Ziel sorgfältiger Verhaltensbeobachtungen unternommen werden, da immer noch vieles über die Fortpflanzung der Beilbäuche unbekannt ist.

 

Carnegiella strigata, fasciata-Form

 

© Stefan Hetz

 

Carnegiella strigata

 

 

 

 


Last Update: Monday 09. April 2007

Previous page: Gasteropelecinae
Next page: Gasteropelecus