Gasteropelecinae
Die Beilbauchsalmler gehören zu den seltsamsten Fischgestalten überhaupt. Ihr gewaltig vergrösserter Schultergürtel mit den sichelförmig verlängerten Brustflossen, die sich bei Nacht interessanterweise schwarz färben (wie bei Gnathocharax steindachneri!), macht sie unverkennbar. Durch das stark oberständige Maul mit fast senkrechter Maulspalte sind sie als Jäger von Anflugnahrung charakterisiert.
Am merkwürdigsten aber ist ihre angebliche Fähigkeit, als einzige Fische aktiv, d.h. unter Einsatz ihrer Brustflossen, zu fliegen. Da dies sogar von hervorragenden Kennern wie Carl Eigenmann und Stanley Weitzman behauptet wurde (Weitzman, 1958), dauerte es bis in die 1990er Jahre, bis Untersuchungen mit Hochgeschwindigkeits-Zeitlupenkameras Aufklärung erbrachten (Wiest, 1995).
Danach läuft ein typischer Beilbauch-Sprung folgendermassen ab: Der dicht unter der Wasseroberfläche stehende Fisch drückt seine Brustflossen, deren Spitzen in Ruhe nach oben zeigen, schlagartig und mit aller Kraft ganz nach unten, so dass sich die Spitzen an der Bauchkante beinahe berühren. Durch diesen Brustflossenschlag hebt sich der Fisch grösstenteils aus dem Wasser, so dass sich nur noch die Schwanzflosse im Wasser befindet. Ein auf die Millisekunde getimter Schwanzflossenschlag katapultiert den Fisch nun davon. Je nach dem zeitlichen Abstand zwischen Brust- und Schwanzflossenschlag können die Beilbäuche ihre Flugbahn beeinflussen und zielgenau springen. In der Luft bleiben die Brustflossen allerdings unbeweglich in ihrer bauchwärtigen Position und werden erst kurz vor der Landung abgespreizt, um zu tiefes Eintauchen zu verhindern. Lediglich die Schwanzflosse schlägt auch in der Luft etwa 40 mal pro Sekunde und ist wohl die Ursache für "Flattergeräusche" die manche Beobachter bei springenden Beilbäuchen gehört haben. Der tief gewölbte Bauch hat wohl die Funktion, das von den Brustflossen nach unten beschleunigte Wasser ohne Verwirbelungen abzuleiten. Interessanterweise scheint der Bauch nämlich gerade so tief zu sein wie die Brustflossen lang sind.
Die Berichte von aktiv fliegenden Beilbäuchen können jedenfalls endgültig ins Reich der Legenden verbannt werden! Ihre Sprungleistungen sind auch so beeindruckend. Grössere Exemplare erreichen wohl knapp 3 m Weite und Weitzman (1958) berichtete von einem nur 3,5 cm langen Exemplar, das mit grosser Kraft gegen sein Handgelenk, 80 cm über dem Wasserspiegel, sprang, wobei er die Bewegung der Schwanzflosse – nicht der Brustflossen, wie er damals glaubte – hören konnte.
Adolf (1985) wies ferner auf die enorme Manövrierfähigkeit der Fische unter Wasser hin. Er vermutete, dass der gesamte Körper als Ruderfläche wirkt und so blitzschnelle Richtungsänderungen ermöglicht.
Die Artenzahl der Beilbäuche schwankt noch, je nach Auffassung. Lisa Palmer befasst sich z.Zt. mit der Taxonomie der Gruppe und bereitet die Erstbeschreibung einer neuen Art vor.
Last Update: Monday 09. April 2007
Previous page: Erythrinidae
Next page: Carnegiella
