Chilodus
Chilodus Müller & Troschel, 1844
Zu dieser Gattung gehören einige der bemerkenswertesten Salmler überhaupt. Ihre Vertreter fallen nicht nur durch ihre Schwimmweise auf, die an die der Gattung Anostomus erinnert. Auch ihre Fähigkeit, schnell das Farbmuster und die Farbintensität zu wechseln, ist bemerkenswert. Darüberhinaus sind sie in der Lage, Töne hervorzubringen, die offenbar in Verbindung mit dem hochinterssanten Sozialverhalten stehen (sh. unten). Die Gattung wurde von Isbrücker & Nijssen (1988) und von Vari & Ortega (1997) bearbeitet. Die wulstigen Lippen und die gefleckte Dorsale kennzeichen sie gegenüber Caenotropus..
punctatus Müller & Troschel, 1844
Citherinus chilodus Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1850
Unnötiger Ersatzname.
Die Typusart der Gattung ist außerordentlich variabel. Möglicherweise verbergen sich hinter diesem Namen mehrere Arten. Vergleiche das Foto in Sterba (1990, Tafel 32, S. 96). Ch. punctatus erreicht bis zu 79 mm SL, wobei die Weibchen etwas grösser und hochrückiger sein sollen als die Männchen (Geisler, 1959), und ist mit seinem Längstreifen leicht zu erkennen; Ch. gracilis ist schlanker. Allerdings ist dieser Längsstreifen bei allen 25 von Isbrücker & Nijssen (1988) untersuchten Tieren aus dem Rio Apeú (Pará/Brasilien) südlich der Amazonasmündung verkürzt und reicht nur bis zum Beginn der Rückenflosse. Vielleicht ist dies eine eigene Art oder zumindest Unterart.
Chilodus punctatus
© Patrick Marshall.

Die Art ist im gesamten Amazonasbecken und in den Flüssen der Guyana-Länder weit verbreitet. Die äussersten Grenzen des Verbreitungsgebiets werden markiert durch: Im Norden der Unterlauf des Orinoko, im Osten der Rio Capím (Pará, Brasilien) und benachbarte Flusssysteme, im Süden der obere Rio Araguaia (Goiás, Brasilien) und der Rio Itenez (=Guaporé, Bolivien), im Westen der Rio Cuyabeno (Ecuador). In linksseitigen Zuflüssen des Rio Madeira konnte dagegen bisher nur Ch. fritillus gefunden werden (sh. dort). Ausserdem gibt es auch noch Gebiete, in denen die Art bisher nicht gefunden wurde, z.B. der Rio Xingu. (Vari & Ortega, 1997).
Der Lebensraum dieser Art sind sehr langsam fliessende Gewässer mit stark verschlammtem Grund, in dem die Tiere vermutlich ihre Nahrung finden.
Das Verhalten aller Chilodidae ist offenbar hochinteressant, wie aus den leider viel zu wenigen Veröffentlichungen in der Aquarienliteratur hervorgeht. So berichtete bereits Meinken (1956), dass die bevorzugt eingenommene Körperhaltung dieser Art von der zu erbeutenden Nahrung abhängt: Bei der Suche nach Tubifex bewegten sich die Tiere in streng vertikaler Haltung dicht am Boden entlang, während sie bei Fütterung mit Wasserflöhen eine schräge Körperhaltung einnahmen. Er vermutete, dass die Tiere in der Natur ihr Futter in der Tat am Boden suchen und die vertikale Haltung typisch für sie ist.
Auch über die Bedeutung des schnellen Farbwechsels sind bisher nur sporadische Beobachtungen mitgeteilt worden. Franke (1995, mit Foto) berichtete von einer Farbvariante (oder unbeschriebenen Art?), bei der nur bei erregten Tieren im hinteren Körperdrittel eine deutlich abgegrenzte Längsbinde erschien, die bei seinen „gewöhnlichen“ C. punctatus dann nicht zu sehen war. Ein deutlicher Humeralfleck trat in dieser Situation dagegen bei beiden Formen auf. Zudem verschwinden gleichzeititg die Punkte, die ansonsten den ganzen Körper bedecken. Diese „Erregungsfärbung“ wird auch während des Laichakts gezeigt (sh. unten).
Überhaupt ist über das Fortpflanzungsverhalten noch zu wenig bekannt. Zwar gelang die Vermehrung im Aquarium bereits in den 1950er Jahren (Geisler , l.c.), aber eine planvolle Zucht scheint bisher nicht möglich zu sein. Dazu trägt angeblich bei, dass die Geschlechter sehr schwer zu unterscheiden seien, was Geisler jedoch bestreitet (sh. oben). Er hielt einen kleinen Schwarm von sieben Tieren, in dem sich die Paare finden konnten. Möglicherweise wirkte die Anwesenheit der Artgenossen dabei stimulierend auf die Paare. Er beschreibt das Verhalten wie folgt: Bereits Tage vor dem Ablaichen verfolgt ein Männchen ein bestimmtes Weibchen und stösst es mit der Schnauze in die Flanken. Den oben erwähnten Humeralfleck zeigen dabei zunächst nur die Männchen, die Weibchen erst später beim eigentlichen Treiben. Männchen fechten untereinander Kommentkämpfe aus, die aus Parallelschwimmen und kräftigen Schlägen des Hinterleibs bestehen. Während des heftigen Treibens erscheint nicht nur der Humeralfleck, sondern es verschwindet auch die Längsbinde ebenso wie der dunkle Fleck in der Spitze der Rückenflosse, während Afterflosse und Fettflosse sich verdunkeln. Die Abgabe des Laichs erfolgt schliesslich dicht unter der Wasseroberfläche in typischer 60° Haltung, wobei das Wasser hoch aufspritzt. Die nichtklebenden, glasklaren - nach anderen Zuchtberichten gelblich-undurchsichtigen - Eier sind zunächst 1,3 bis 1,5 mm gross und quellen auf 2,5 mm auf.
Die frisch geschlüpften Jungen stehen interessanterweise sofort völlig senkrecht im Wasser, z.T. sogar bis 130° nach vorne übergekippt.
Bereits halbwüchsige Tiere bringen Laute hervor, die als Knacken oder "glasklirrende Laute" beschrieben wurden. Diese Töne werden bis über eine halbe Stunde lang in Abständen von ein paar Sekunden hervorgebracht, wobei auch noch nicht geschlechtsreife Tiere das Erregungskleid (sh. oben) anlegen (Geisler, l.c.).
Diese Art erreicht SL von mindestens 77 mm und kommt ausschliesslich in den Einzügen von Marowijne/Maroni und Oyapock in Surinam, Franz. Guayana und Amapá (Brasilien) vor. Stawikowski fing sie am Rio Cacipore (Amapá, Brasilien) im überfluteten Igapó-Wald (Franke, 1995, mit Foto). Im Unterschied zu C. punctatus fehlt jede Spur eines Längsstreifens. Statt dessen sind die Punkte auf dem Körper etwas deutlicher und unterhalb der Seitenlinie genauso kräftig gezeichnet und ebenso gross wie oberhalb. Die Körpergrundfarbe ist sandfarben.
Das Foto im Aquarienatlas VI, S. 89, ist somit falsch bestimmt und zeigt vermutlich Ch. gracilis.
gracilis Isbrücker & Nijssen, 1988
Chilodus cf. gracilis. Dies Foto ist ein Beleg dafür, wie schwierig die Bestimmung
der Chilodus-Arten trotz guter Literatur noch ist. Die nur schwach ausgebildete
Längsbinde lässt eigentlich auf einen Ch. punctatus schliessen, die
Körperproportionen passen aber nur zu Ch. gracilis. Die Bestimmung erfolgt
daher unter Vorbehalt. Vergleiche mit dem zweiten Foto.
© Johnny Jensen / JJphoto. See http://www.jjphoto.dk.

Chilodus gracilis. Hier ist die Längsbinde deutlich ausgeprägt.
© aqualog-Verlag

Diese Art sollte eigentlich an ihrer besonders schlanken Körperform und der durchgehenden kräftigen Längsbinde recht leicht zu erkennen sein. Vergleiche jedoch die Fotos unten. Die Tiere, die SL von bis zu 64 mm erreichen,.erinnern fast an Caenotropus labyrinthicus, doch die gepunktete Dorsale und die Maulform kennzeichnen sie als Chilodus. Foto in Franke (1995). Sie wurde schon seit langem immer wieder einmal für die Aquaristik eingeführt, jedoch nur selten als eigene Art erkannt. Dementsprechend rar sind Haltungsberichte. Die Art kommt im mittleren Amazonasbecken vor, namentlich in den Einzügen der rios Uaupés, Negro, Aripuana und anderen.
Genau wie Ch. zunevei, so fehlt auch dieser Art jede Andeutung einer Längsbinde. Im Gegensatz zu vorgenannten Art besitzt sie jedoch einen deutlichen Humeralfleck. Die Identifizierung kann dennoch schwierig sein. Das Foto im Aquarienatlas I, S. 319 zeigt sicherlich weder Ch. punctatus noch Ch. gracilis, wie ein Vergleich mit den Fotos in Nijssen & Isbrücker (l.c.) zeigt. Gegen Ch. zunevei spricht, dass die Flecken kleiner und hochoval statt rund sind. Am Rücken unterhalb der Dorsalen besitzen die Flecken kein helles Zentrum wie bei Ch. zunevei. Gegen Ch. fritillus spricht dagegen das Fehlen des Humeralflecks. Bedenkt man aber, dass die Ausprägung eines Humeralflecks bei Chilodus punctatus stimmungsabhängig ist und dies auch bei Ch. fritillus so sein könnte, tippe ich bei der Art aus dem Aquarienatlas eher auf Ch. fritillus. Ohne Angabe des Fundorts bleiben bei der Identifizierung freilich Zweifel.
Die Art erreicht SL bis 73 mm und ist bisher nur aus dem Einzugsgebiet des Rio Madre de Dios in Bolivien und Peru bekannt. Unter den Fundorten waren sowohl Altarme von 300-2000 m² Fläche mit stehendem Wasser (Weisswasser, pH 7,0) und einem Bodengrund bestehend aus Mulm und Sand über einer Lehmschicht, als auch Klarwasserflüsse entlang von Sandbänken und gras- und baumbestandenen Lehmufern und schliesslich auch ein Waldbach (1 m breit, 0,5 m tief) mit Schwarzwasser (pH 6,0).
Chilodus fritillus. Das Fehlen der Längsbinde und die recht kräftigen
Flecken sprechen für diese Art. Ein tief im Gewebe liegender
Humeralfleck ist auf dem Foto zu erahnen.
© aqualog-Verlag

Last Update: Thursday 14. June 2007
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