Serrapinnus
Serrapinnus Malabarba, 1998
Die Männchen dieser Gattung besitzen zur Zeit der Gonadenreife eine eigentümliche "Kurvatur" des Schwanzstiels, dessen Unterseite von der Mitte der Afterflosse an nach hinten stark gewölbt ist. Der Schwanzstiel wirkt zu dieser Zeit insgesamt gebogen und die Schwanzflosse sieht wie abgeknickt aus. Besser als alle Worte illustriert das Foto von H.-J. Richter in Stallknecht (1991) dieses seltsame Merkmal, das auch bei einigen Glandulocaudinae in ähnlicher Weise auftreten soll und nach Malabarba (1998) vermutlich eine Rolle beim Laichverhalten spielt.
Chirodon piaba Lütken, 1875
Die Art bewohnt das gesamte Becken des Rio Sao Francisco, von wo sie auch beschrieben wurde (Typlokalität: Rio das Velhas). Ausserdem laut Neodat II vom Rio de Contas und vom Rio Itapicuru (beide Bahia) sowie von diversen Orten in Ceara gemeldet. Werner fing Fische, die als S. piaba identifiziert wurden, im Oberlauf des Rio Parnaiba zwischen Balsas und Alto Parnaiba, im Süden von Maranhao (Seegers & Géry, 1989, mit Foto), weit entfernt von anderen bekannten Vorkommen. Es ist aber fraglich, ob all diese Funde richtig bestimmt wurden, zumal mit etlichen noch unbeschriebenen Arten zu rechnen ist. Der Teil Südamerikas, der die Bundesstaaten Ceará und Piaui umfasst, wird leider nur selten besammelt und ist ichthyologisch noch kaum bekannt!
Die zahlreichen Meldungen aus dem Becken des Rio Paraguay sowie vereinzelte Meldungen aus dem Rio Uruguay beziehen sich wohl auf S. calliurus, der vor Malabarba (1998) meist als Synonym zu S. piaba angesehen wurde.
Ein weiteres Vorkommen im Einzug des oberen Madeira in Bolivien und Peru gehört möglicherweise zu S. micropterus (sh. dort). Das gleiche gilt vielleicht für Fundmeldungen aus dem zentralen Amazonasbecken aus der Umgebung von Manaus.
Bis 33 mm SL. Bauch immer ohne schwarze Abzeichen. Zeichnung in Géry (l.c., S. 567).
Stallknecht (1991) konnte diese (?) Art vermehren und lieferte interessante Beobachtungen zum Verhalten. Er beschrieb seine Tiere als blank silbern mit blutroten Flossen und leuchtend weissen Flossenspitzen. Ein Männchen verteidigte einen Ablaichplatz und laichte dort mit mehreren Weibchen nacheinander ab. Der Ablaichplatz wurde anschliessend noch eine Weile vom Männchen bewacht und verteidigt. Auf den dort beigefügten Fotos von H.-J. Richter sind Färbung und Geschlechtsunterschiede sehr schön zu erkennen, besonders die markante Form der Anale, die gattungstypische Kurvatur des unteren Schwanzstiels und die vorgeschobenen ventralen Caudalstrahlen ("Interhämalia") der Männchen.
Zarske (1991) präzisierte die Unterschiede zwischen S. piaba und S. kriegi, unterschied dabei aber nicht zwischen S. piaba und S. calliurus. Danach besitzt S. piaba eine silberweiss glänzende Grundfärbung, S. kriegi eine grünlichgelbe bis leicht olivfarbene. Die auffälligen vorgeschobenen, ventralen Caudalstrahlen sind bei S. kriegi in beiden Geschlechtern mit blossem Auge kaum sichtbar. Dagegen variiert die Form des Caudalflecks so sehr, dass er zur Unterscheidung kaum taugt.
Chirodon calliurus Boulenger, 1900
Nach Géry (1977) möglicherweise ein Synonym zu S. piaba. Auch Uj (1987) folgt dieser Auffassung. Nach Malabarba (1998) allerdings eine gute Art. Zumindest ein Teil der Syntypen stammt tatsächlich aus dem Herzen des Pantanal bei Carandazinho im Einzug des Rio Paraguay, also aus einer ganz anderen Region als die von S. piaba. Vermutlich beruhen darauf all die vermeintlichen Funde von S. piaba aus dem Gebiet des Rio Paraguay.
Das Areal umfasst unter dieser Annahme den gesamten Einzug des Rio Paraguay, vom südlichen Paraguay aufwärts bis Mato Grosso (Brasilien). Südwärts anscheinend entlang des unteren Paraná bis in die Provinzen Chaco und Santa Fe (Argentinien). Im oberen Paraná (u.a. Sao Paulo) dagegen offenbar recht selten. Dagegen wiederum weit verbreitet im Gebiet des Rio Uruguay und wohl auch in den Rios Jacui und Guaiba, am Nordende der Lagoa dos Patos, in Rio Grande do Sul.
Ökologisch offenbar wenig anspruchsvoll, lebt auch in verschmutzten Gewässern. Erträgt in Paraguay Temperaturen von 14-31° C.
Bis 37 mm SL. Färbung wohl ähnlich der von S. piaba. Die folgende Beschreibung ist basiert auf Uj's (1987, mit SW-Foto) Angaben zu S. piaba: Sehr auffälliger, aber variabler, in etwa dreieckiger Schwanzwurzelfleck. Strahlen der Rücken- und Afterflosse gelblich. Basis der Schwanzflosse entlang des schwarzen Flecks goldgelb gefärbt. Ein Foto eines Wildfangs aus der Nähe von Puerto Remanso (Paraguay) – als Serrapinnus (Cheirodon) piaba bezeichnet – findet sich in Lundkvist (2003).
micropterus (Eigenmann in Eigenmann & Ogle, 1907)
Cheirodon micropterus Eigenmann in Eigenmann & Ogle, 1907
Cheirodon madeirae Eigenmann, 1915
Die Synonymie folgt Malabarba (1998). S. micropterus wurde von Santarém (Pará) beschrieben, Ch. madeirae von (Rio?) San Joaquin (Bolivien).
Neodat II enthält ausser den Typen nur zwei Lots mit Fundortangabe von Itaituba am unteren Tapajos. Ein ausgedehntes Vorkommen im Einzug des oberen Madeira in Rio Beni, Rio Mamoré und Rio Itenez (Bolivien), das bis ins Gebiet des Rio Madre de Dios (Peru) reicht und in Neodat II unter dem Namen Cheirodon bzw. Odontostilbe piaba dokumentiert ist, bezieht sich möglicherweise auf diese Art. Das gleiche gilt vielleicht für Fundmeldungen aus der Umgebung von Manaus aus dem zentralen Amazonasbecken.
Für Ch. madeirae gab Géry (1977) an, dass die Art keinen Schwanzwurzelfleck besitzt, was sie von den meisten Cheirodontinae unterscheiden dürfte. Casciotta et. al. (1992) behaupten ganz im Gegenteil, dass diese "Art" einen besonders grossen Caudalfleck besitzt. Ein Beispiel für die vielen Unklarheiten bei der Bestimmung von Arten der Cheirodontinae!
Holesthes heterodon Eigenmann, 1915
Odontostilbe iheringi Fowler, 1941
SL max. 42 mm (55 mm ?).
Die Art ist weit verbreitet im südöstlichen Brasilien, im Becken des oberen Paraná in den Rios Grande und Tiete (ob auch im Rio Paranaiba?) sowie im gesamten oberen Rio Sao Francisco-Becken. Unterhalb von Bom Jesus da Lapa (Bahia) jedoch nur noch sehr wenige Nachweise in Neodat II. Ferner im Rio de Contas im Osten Bahias und wohl auch im Rio Itapicuru im nördlichen Bahia. Ausserdem ein möglicherweise isoliertes Vorkommen im Rio Jaguaribe sowie in weiteren Flüssen in Ceara bis mindestens 100 km westlich von Fortaleza. Diese Population wurde ursprünglich als O. iheringi beschrieben.
Ortega & Vari (1986) melden die Art auch für Peru. Diese Angabe beruht aber wohl, ebenso wie Meldungen aus Bolivien und Ecuador, auf Irrtümern. Meldungen für Paraguay sind sehr unwahrscheinlich und werden auch von Uj (1987) bezweifelt, der sie dort nicht fand.
Schwarzer Schwanzwurzelfleck. Flossen weitgehend farblos. Soll äußerlich sehr ähnlich Odontostilbe microcephala sein (Géry, 1977).
Cheirodon microdon Eigenmann, 1915
Becken des Rio Paraguay, besonders im Gebiet des Pantanal und seiner Umgebung (Mato Grosso / Mato Grosso do Sul), ferner in Paraguay und Argentinien (Prov. Formosa). Eventuell im Rio Pilcomayo (Bolivien). Meldungen aus Rio Grande do Sul (Brasilien) und Peru beruhen wohl auf Irrtümern.
Bis 27 mm SL. Schwanzwurzelfleck eher blass, rautenförmig, die Spitze bis auf die Schwanzflosse reichend.
Cheirodon notomelas Eigenmann, 1915
Ausschliesslich im oberen Paraná-Becken, besonders im Rio Tiete, südlich bis wenig unterhalb des Itaipú-Dammes. Laut Uj (1987) jedoch auch im Rio Guaporé in Brasilien. Dieser Fund steht allerdings sehr isoliert und wird durch keinerlei Nachweise aus Neodat II bestätigt, so dass er mit Vorsicht zu betrachten ist.
Serrapinnus notomelas, Rio Tiete, Buritama, Sao Paulo, Brasilien.
© Ivan Sazima

Serrapinnus notomelas, Campinas, Rio Atibaia, Sao Paulo, Brasilien.
© Ivan Sazima

Bis 31 mm (SL?). Ein großer dreieckiger Bereich an der Basis der Dorsale schwarz, angeblich auch die Anale (auf dem Foto von Harald Schultz in Géry, 1977, S. 557 nicht zu sehen), großer schwarzer, rautenförmiger Schwanzwurzelfleck.
Cheirodon kriegi Schindler, 1937
Auffällig durch einen dunklen Fleck am hinteren Bauchrand, der grosse Ähnlichkeit mit dem Trächtigkeitsfleck lebendgebärender Zahnkärpflinge hat. Der Fleck kann manchmal auch fehlen (Uj, 1987, Zarske, 1991).
Becken des Rio Paraguay in Paraguay und Brasilien (Mato Grosso). Südlich offenbar entlang des unteren Paraná bis in die Provinzen Formosa und Chaco (Argentinien). Harald Schultz (1959) fing diese oder eine sehr ähnliche Art mit "Trächtigkeitsfleck" im oberen Guaporé (Mato Grosso).
Auch das Foto in Géry (1977, S. 556) zeigt offenbar die von Schultz gefangenen Tiere, die sich jedoch etwas von den im Aquarienatlas II, S. 267-269 abgebildeten Tieren unterscheiden, vor allem durch die fehlenden weissen Abzeichen ober- und unterhalb des schwarzen Schwanzwurzelflecks. Sh. auch die sehr guten Fotos eines Männchens und eines Weibchens in Hoffmann & Hoffmann (1998). Bis mindestens 24 mm SL. Die Hoffmann's geben für die Männchen 31 mm und für die Weibchen 35 mm (TL?) an. Zur Unterscheidung von S. piaba sh. dort.
Nach Malabarba (1998) existieren noch mindestens vier unbeschriebene Arten dieser Gattung.
Ein möglicher Vertreter, von Werner im Rio Urupuchete (Tocantins-Einzug) zwischen Carolina und Estreito (südl. Maranhao) gefangen, zeichnet sich durch einen mehrfarbigen Längsstreifen aus, der je nach Lichteinfall unterschiedliche Farben zeigt. Auf dem Foto in Seegers & Géry (1989) sind auch deutlich die aus der Haut ragenden vorgerückten Caudalstrahlen zu sehen.
Auf dem fälschlich als Saccoderma hastata bezeichneten Foto im Aquarienatlas IV, S. 67, sind Merkmale zu erkennen, die an Serrapinnus denken lassen, so die aufgrund der Schwanzstielcurvatur herabhängende Schwanzflosse und die vorgerückten Caudalstrahlen, die die Zugehörigkeit zu den Cheirodontini sicher machen. Ohne Herkunftsangabe ist eine nähere Bestimmung jedoch nicht möglich. Ähnliches gilt für die Fotos von Männchen und Weibchen einer fälschlich als Saccoderma melanostigma bezeichneten Art im Aquarienatlas V, S. 39. Allerdings legt hier die Herkunft aus den Llanos bei Calabozo (Guarico, Venezuela) nahe, dass es sich um eine noch unbeschriebene Serrapinnus-Art handelt, da die Gattung in Venezuela bislang unbekannt ist.
Last Update: Saturday 07. April 2007
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