Cheirodontinae
Die Cheirodontinae bilden eine bemerkenswerte Unterfamilie kleiner bis sehr kleiner Salmer (bis 70 mm TL), die sich durch einige Besonderheiten auszeichnen. Ihre Verbreitung reicht von Costa Rica bis Chile, wo sie die südlichste aller Salmerarten stellen, und bezieht auch die Insel Trinidad mit ein. Malabarba (1998) definierte die Unterfamilie neu und schloss infolge seiner Untersuchungen nahezu 30 Gattungen, die wenigstens zeitweise zu den Cheirodontinae gerechnet wurden, aus der Unterfamilie aus.
Die verbleibenden Gattungen (mindestens 15 sind gültig beschrieben) sind am besten charakterisiert durch ein besonders gestaltetes Pseudotympanum, eine Lücke in der Körperwandmuskulatur zwischen der 1. und 2. Rippe, direkt über der vorderen Schwimmblasenkammer. Durch diese Lücke hat die Schwimmblase direkten Kontakt zur Haut, was die Schallaufnahme offenbar verbessert. Ein ähnliches Pseudotympanum besitzen auch zahlreiche andere Salmler, in seiner speziellen Ausprägung kommt es nur bei den Cheirodontinae vor.

Die Gattungen Cheirodon bis Serrapinnus bilden den Tribus Cheirodontini. Die Arten dieses Tribus besitzen eine erhöhte Zahl von vorgerückten ventralen Caudalstrahlen, früher meist fälschlicherweise als "Interhämalia" bezeichnet, die bei den Männchen teilweise die Haut durchstossen und eine Art Kiel bilden (Ausnahme: Heterocheirodon).
Zu diesem Tribus gehört auch eine bisher unbeschriebene Gattung und Art, von Malabarba (1998) als "New Genus and Species C" bezeichnet. Diese Art soll ausschliesslich im Einzug des Rio Tocantins vorkommen, wo sie im oberen Einzug in Goias gesammelt wurde. Ausser ein paar Detailmerkmalen, die für die systematische Einordnung wichtig sind, ist bisher nichts weiter bekannt. Daher verzichte ich vorläufig auf eine eigene Seite für diese Gattung und Art.
Die Gattungen Saccoderma bis Kolpotocheirodon incl. "Odontostilbe" dialeptura und "Odontostilbe" mitoptera bilden den Tribus Compsurini.
Eine faszinierende Entdeckung war es, als man feststellte, dass bei allen der mindestens 11 Arten dieser Gattungsgruppe eine innere Besamung vorkommt. Diese Besonderheit ist innerhalb der Salmler sonst nur von den Glandulocaudinae sowie den Arten Monotocheirodon pearsoni, Brittanichthys axelrodi, "Cheirodon" ortegai, "Bryconamericus" pectinatus und Attonitus ephimeros bekannt (Malabarba & Weitzman, 2000, Vari & Ortega, 2000). Alle Vertreter der Gattungsgruppe besitzen ferner Spezialisierungen der Strahlen, Schuppen und Weichteilgewebe der Schwanzflosse, die z.T. an die Glandulocaudinae erinnern und sicherlich ebenfalls mit der Fortpflanzung in Verbindung stehen (Malabarba, 1998).
Als erste berichteten Burns et al. (1997) über das Vorhandensein von Spermien in den Eileitern von Weibchen bei zunächst acht Arten. Mit einer Ausnahme, dem erst später beschriebenen Kolpotocheirodon theloura, besitzen die Spermien dieser Arten eine weitere Besonderheit: Im Gegensatz zu den sogenannten "Aquaspermien" der Arten mit externer Besamung, sind die Köpfe der "Introspermien" nicht kugelig, sondern länglich gestreckt, offenbar zur besseren Fortbewegung in den Falten der Eileiterwandung. Allerdings konnten bis jetzt noch keine befruchteten Eier in den Eileitern der Weibchen gefunden werden. Auch Beobachtungen zum Ablaichverhalten im Aquarium fehlen für sämtliche Vertreter der Compsurini bisher völlig, obwohl andere Vertreter der Unterfamilie durchaus mehr oder weniger häufig in Aquarien gehalten und gelegentlich auch gezüchtet werden. Daher ist bis jetzt noch nicht klar, ob die Weibchen tatsächlich befruchtete Eier ablegen, ob die Befruchtung erst bei der Eiablage erfolgt, ob diese auch ohne Männchen erfolgen kann, wie das von den Glandulocaudinae bekannt ist, oder was sonst mit den Spermien in den Eileitern der Compsurini geschieht. Hier tut sich ein äusserst spannendes Feld für Aquarianer auf!!! Ohne genaue Kenntnis des Paarungssystems dürfte sich nämlich kaum klären lassen, worin eigentlich der Selektionsvorteil einer inneren Besamung für diese Fische besteht.
Die Afterflosse ist bei allen Vertretern dieser Gattungsgruppe (mit Ausnahme von Acinocheirodon melanogramma) an ihrem äusseren Rand mit Pigment gesäumt.
Alle restlichen Gattungen können bisher noch keinem Tribus zugeordnet werden und sind z. Zt. incertae sedis (Malabarba, 1998).
Darüber hinaus existieren einige Arten, die ursprünglich einmal in der Gattung Cheirodon beschrieben wurden, die aber entweder keine der Apomorphien der Cheirodontinae aufweisen (z.B. "Ch." ortegai) oder die in Malabarba (l.c.) nicht erwähnt werden und deren endgültiger Einordnung ich nicht vorgreifen möchte (z.B. "Ch." gracilis). Diese liste ich gemeinsam unter dem Gattungsnamen "Cheirodon" in Anführungszeichen, als Zugeständnis an diejenigen, die Informationen über die Arten suchen und einen Gattungsnamen dafür benötigen, und um zu verhindern, dass diese Arten übersehen werden.
Dies gilt auch für "Macropsobrycon" xinguensis, der nicht in diese Gattung gehört.
Last Update: Thursday 14. June 2007
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