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Chalceus

 

Chalceus    Cuvier, 1818

Plethodectes    Cope, 1870

für Plethodectes erythrurus

Pellegrinina    Fowler, 1907

für Pellegrinina heterolepis

 

Die Großschuppensalmler der Gattung Chalceus gehören zu den typischen Elementen der Fischfauna in den Gewässern Amazoniens. Es handelt sich um kraftvolle Schwimmer mit eleganter, torpedoförmiger Gestalt, die nicht nur an Forellen erinnern, sondern Géry zufolge auch mindestens so gut schmecken! Mit ihrer Grösse von bis zu 30 cm sind sie dagegen für die Aquaristik eher ungeeignet, wenngleich z.B. C. macrolepis durchaus prächtige Farben aufweist. Zumindest diese Art wurde auch schon vermehrt.

Obwohl sie weit verbreitet und nicht selten sind, weiss man über ihre Biologie eher wenig  Sie leben im freien Wasser und besiedeln von Überschwemmungswäldern bis zu Stromschnellenregionen eine Vielfalt von Lebensräumen. Auch die Nahrung ist vielseitig und umfasst grössere Insekten, besonders auch Anflugnahrung, kleine Fische und sogar Pflanzen. Raubfische, wie manchmal behauptet, sind Großschuppensalmler aber nicht.

Die Bestimmung der Gattung gehört zu den leichteren Übungen für den an Salmlern Interessierten. Wie der deutsche Name sagt, besitzen die fünf Arten auffallend grosse, silberglänzende Schuppen auf den Flanken, oberhalb der weit unten verlaufenden Seitenlinie, die nahezu doppelt so gross sind wie die Schuppen unterhalb der Seitenlinie. Einzig der Afrikanische Großschuppensalmler (Arnoldichthys spilopterus) besitzt noch ein identisches Schuppenmuster, doch eine Verwandtschaft ist wohl auszuschliessen. Die Grenze zwischen den Bereichen unterschiedlich grosser Schuppen verläuft genau auf Höhe der Seitenlinie, so dass dort abwechselnd grosse und kleine Schuppen hintereinander liegen.

Was die Bestimmung der Arten anging, herrschte jedoch lange Zeit Ungewissheit, die nach der kürzlich erfolgten Revision von Zanata & Toledo-Piza (2004) aber auch der Vergangenheit angehören dürfte. Sofern nichts anderes erwähnt, stammen alle Informationen aus dieser Arbeit.

 

 

macrolepidotus    Cuvier, 1817

Chalceus ararapeera    Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1850

Creagrutus pellegrini    Puyu, 1943

 

Chalceus macrolepidotus.

 

© aqualog-Verlag

 

Chalceus macrolepidotus

 

 

Leicht zu erkennen am völligen Fehlen jeglicher Flecken- oder Streifenzeichnung auf dem Körper ist die Typusart der Gattung. Während die grossen Flankenschuppen keinerlei rote Zeichnung aufweisen, sind bei ausgefärbten Exemplaren alle Flossen mit Ausnahme der Brustflossen, mitunter aber auch nur die Schwanzflosse, blutrot gefärbt. SL bis 244,6 mm.

Während der Fortpflanzungszeit bilden allerdings zumindest die Männchen ein breites, dunkles Längsband aus (Azuma, 1979, zit. in Zanata & Toledo-Piza, l.c.). Unter konservierten Exemplaren wurden neben einzelnen Männchen auch wenige Weibchen mit einem solchen Längsband gefunden. Hier sind weitere Lebendbeobachtungen erforderlich, um die Bedeutung dieses Längsbandes zu klären.

Nach Azuma (1979, zit. in Sterba, 1990) findet das Laichen nach heftigem Treiben statt. Dabei werden 3000-4000 Eier von 1,5 mm Durchmesser abgelegt. Die Jungfische, die nach 48 Stunden schlüpfen und nach 5 Tagen freischwimmen, wachsen bei geeigneter Nahrung sehr schnell.

In Franz. Guiana bevorzugt die Art offenbar sauerstoffreiche Gewässer in der Nähe von Stromschnellen und ist in den Unterläufen der Flüsse nur selten anzutreffen.

Die Verbreitung umfasst den gesamten Rio Negro, den Orinoko abwärts bis in den Rio Caura (linksseitig jedoch anscheinend nur bis an den Südrand der Llanos), sowie die Flüsse der Guyana-Länder, vom Cuyuni-Essequibo-System im Norden bis zum Oyapock an der Grenze Franz. Guyana / Brasilien im Süden.

Ein einzelnes Lot wurde darüber hinaus im Rio Guaporé nahe der Stadt Costa Marques an der Grenze nach Bolivien gemeldet. Dies ist ein weiteres Beispiel für die erstaunlichen Parallelen zwischen den Fischfaunen des Rio Negro und des Rio Madeira.

 

 

erythrurus    (Cope, 1870)

Plethodectes erythrurus    Cope, 1870

Pellegrinina heterolepis    Fowler, 1907

Chalceus macrolepidotus iquitensis    Nakashima, 1941

 

Chalceus erythrurus. Der Schulterfleck mit der Einkerbung ist deutlich
zu sehen. Die Gelbfärbung der Flossen ist bei diesen beiden
Exemplaren nicht zu erkennen, vgl. mit dem anderen Foto.

 

© aqualog-Verlag

 

Chalceus erythrurus

 

 

 

Chalceus erythrurus. Auch hier ist der gekerbte Schulterfleck
gut zu sehen. Bei diesem Exemplar fällt die Gelbfärbung
der Bauchflossen deutlich ins Auge.

 

© aqualog-Verlag

 

Chalceus erythrurus

 

 

Leicht zu erkennen ist auch diese Art. Sie besitzt einen auffälligen, rundlichen Schulterfleck, der an seinem hinteren oberen Rand eine zwar nur kleine, aber auch auf Fotos deutlich sichtbare Kerbe aufweist. Die hinteren Ränder der grossen Flankenschuppen sind dunkel gerandet, was ein deutliches Netzmuster erzeugt. Die Schwanzflossenlappen sind stärker gerundet als bei den anderen Arten und normalerweise rot gefärbt, Bauch- und Afterflosse sind deutlich gelb. Bei einzelnen ausgewachsenen Tieren tritt ein breites dunkles Längsband auf. Sh. dazu C. macrolepidotus. Die maximale SL beträgt mindestens 213,5 mm.

Das Vorkommen der Art erstreckt sich über den oberen Solimoes/Amazonas von Manaus (Brasilien) bis in den unteren Rio Ucayali (Peru). Dabei werden hauptsächlich Gebiete entlang des Hauptstroms und die Mündungsgebiete der Nebenflüsse besiedelt. Bis jetzt wurde sie lediglich im Rio Jurua auch weiter aufwärts gefunden.

 

 

spilogyros    Zanata & Toledo-Piza, 2004

 

Diese neue Art besitzt wie C. erythrurus einen dunklen Schulterfleck. Er ist aber bei C. spilogyros kleiner und ohne die charakteristische Einkerbung. Ausserdem hat die neue Art schmalere, mehr zugespitzte Schwanzflossenlappen. Die Lebendfärbung ist noch unbekannt. Bei einzelnen ausgewachsenen Tieren tritt auch hier ein dunkles Längsband auf. Sh. dazu C. macrolepidotus. Mit bis zu 223,2 mm SL erreicht die Art das übliche Maß.

Das bisher bekannte Verbreitungsgebiet ist erstaunlich klein. In der Erstbeschreibung werden nur drei Vorkommen genannt: der Igarapé Jacaré am rechten Ufer des unteren Tapajós bei dem Ort Boim (Typuslokalität), der Rio Canumã, ein rechtsseitiger Zufluss des unteren Madeira, sowie der Rio Trombetas

 

 

epakros    Zanata & Toledo-Piza, 2004

 

Chalceus epakros. Die recht spitze Schnauzenpartie (vergleiche mit den
anderen Fotos) und die gerade sichtbaren rötlichen Abzeichen auf der
mittleren Schuppenreihe sind kennzeichnend. Eine Unterscheidung
von C. guaporensis wäre allerdings nach dem Foto kaum möglich.

 

© aqualog-Verlag

 

Chalceus epakros

 

 

Konservierte Exemplare dieser Art weisen – wie übrigens auch C. guaporensis – einen dunklen Längsstreifen auf, der vom Kiemendeckel bis zum Schwanzstiel reicht, bei lebenden Exemplaren aber nicht zu erkennen ist. Da C. epakros das grösste Verbreitungsgebiet der Chalceus-Arten besitzt, wurde sie bisher häufig mit C. macrolepidotus verwechselt. C. epakros hat jedoch einen deutlich spitzeren Kopf, was ein gutes Kennzeichen darstellt. Ausserdem besitzen die Flankenschuppen rote oder orangene Zentren. Die Flossen mit Ausnahme der Brustflossen sind kräftig rot, können aber bei Stress sehr schnell verblassen. Die Unterschiede zu C. guaporensis sind dagegen sehr gering, sh. dort. Mit bis zu 178,8 mm SL ist C. epakros eine etwas kleiner bleibende Art. Ein Foto in Sterba (1990, S. 39) zeigt offenbar diese Art, wie an den rötlichen Markierungen auf den Schuppen zu sehen ist.

Das Verbreitungsgebiet ist, wie gesagt, sehr gross und erstreckt sich über grosse Teile des Amazonas- und des Orinokobeckens.

Im Süden werden die Einzugsgebiete der Rios Tocantins, Xingu und Tapajós praktisch vollständig besiedelt. Im Rio Madeira reicht das Vorkommen bis Porto Velho. Oberhalb davon beginnt das Areal von C. guaporensis. Im oberen Amazonas wurde die Art im Rio Nanay nahe Iquitos festgestellt. Wahrscheinlich kommt sie überall zwischen Manaus und Iquitos vor, wenn auch vielleicht seltener.

Im Norden werden – neben den kleineren Zuflüssen wie Uatuma und Trombetas – der Rio Negro einschliesslich des Rio Branco besiedelt. Aus dem oberen Rio Negro fehlen Nachweise, doch kommt die Art dort sicher vor, denn sie wird wieder im oberen Orinoko angetroffen, vom Casiquiare bis zum Rio Caura. Allerdings fehlt C. epakros offenbar in den linksseitigen Zuflüssen des Orinoko und damit in den Llanos.

Schliesslich wurde C. epakros auch im Essequibo in Guyana nachgewiesen.

 

 

guaporensis    Zanata & Toledo-Piza, 2004

 

Die letzte der neuen Arten ist nur sehr schwer von C. epakros zu unterscheiden, und es ist fraglich, ob es sich hier um eine eigene Art handelt und nicht lediglich um eine gewisse geografische Variation. Sie besitzt nur sieben statt acht verzweigte Bauchflossenstrahlen, eine geringfügig andere Zahnstellung im Prämaxillare sowie eine geringfügig höhere Zahl an Schuppen in der Seitenlinie (mit grossem Überlappungsbereich zu C. epakros). Ein unter der Haut liegender Schulterfleck, der C. epakros meist fehlt und – wenn vorhanden – etwas anders gestaltet ist, dürfte am lebenden Tier nicht sichtbar sein. Mit bis zu 140,4 mm SL ebenfalls etwas kleiner bleibend.

C. guaporensis besiedelt ausschliesslich den Einzug des oberen Rio Madeira mit seinen Nebenflüssen oberhalb von Porto Velho in Rondonia (Brasilien), Bolivien und Peru.

 

 

 

 


Last Update: Saturday 07. April 2007

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